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Ausflug in die SteiermarkKurz & Kogler auf gemeinsamer Roadshow

Der tägliche Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion.

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© Kleine Zeitung
 

Guten Morgen!

Die Frage der Stunde geht so: Was machen die Grünen? Was macht Werner Kogler? Lässt er, weil gegen den Kanzler ermittelt wird, die Regierung hochgehen? Aus moralischer Notwehr oder so?

Schaut nicht danach aus.

Während Sie die Morgenpost lesen, sind Kanzler und Vizekanzler gerade gemeinsam unterwegs ins steirische Hartberg. Vermutlich nicht im gleichen Auto auf dem Rücksitz, aber mit der gleichen Zieleingabe. Sebastian Kurz und Werner Kogler besuchen  am Vormittag regelkonform eine kleine Gruppe junger Fußballer. Im Terminkalender steht: Tun, als wär nichts. Treffpunkt ist der Sportplatz, der Würstlstand bleibt zu, die Blasmusik daheim. Nicht daheimbleiben muss sie im großartigen Pöllau, dem zweiten Ziel der spontan, gegen alle Widrigkeiten auf die zittrigen Beine gestellten türkis-grünen Freiheits- und Aufsperr-Roadshow. Eine Art Kleinwalsertal auf oststeirisch. Hashtag 19/5. Jede Station adressiert pars pro toto eine Betroffenheitsgruppe, die kurz vor der Erlösung steht. In Hartberg sind es die jungen Fußballer, in Pöllau die Trompeter mit dem Bürgermeister, in Bad Waltersdorf, der dritten und letzten Station, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des auch ziemlich großartigen „Steirerhofs“, des einzigen in der Pandemie runderneuerten Fünf-Sterne-Thermenhotels der Steiermark.

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer wird mit dabei sein, er hat alle eingetragenen Termine kurzfristig gelöscht, das geht wie mit normalen Mails. Er kann gut mit dem Werner Kogler und hat schon so manche Opernredoute mit dem grünen Vizekanzler durchlebt; um korrekt zu sein: eine. Mit dem Kanzler ist er ohnehin väterlich verbunden, man telefoniert so gut wie täglich, der Bedrängte könnte der eigene Sohn sein, pflegt Schützenhöfer gerne zu sagen, mit allen Vorrechten, auch Tacheles zu reden, wenn es sein muss. Derzeit muss es wohl, aber da kann man leider nicht mitlauschen und erfahren, wie sich das anhört. Augen zu und durch oder alles hinwerfen, viel mehr strategische Optionen habe der Kanzler zur Stunde nicht. Er, Schützenhöfer, plädiert tendenziell für Variante eins, Resilienz mit Reue, durchhalten mit Demut, Zitables verbittet er sich, gestern rückte er als vorsitzender Landeshauptmann aus, um im Namen der schwarzen Landeschefs dem Kanzler die Mauer zu machen. Wie sie untereinander geredet haben, abseits der zentral vorformulierten Aussendung, weiß man nicht. Auch der Morgenpostler kann da nur mutmaßen.

Im Text steht, dass die Vorwürfe gegen den Kanzler „haltlos“ seien. Das beteuert der Kanzler auch am Telefon und bei einem Hintergrundgespräch in Wien, das sich Anwesenden zufolge angehört habe wie eine mehrstündige, schweißtreibende Bibel-Exegese. Auf dem Tisch sind die ausgedruckten U-Ausschussprotokolle mit gelb unterstrichenen Textbausteinen gelegen. Zwischen diesen und den später ruchbar gewordenen Chats der „Familie“ besteht klanglich und inhaltlich eine gewisse Diskrepanz. Im Untersuchungsausschuss hat der Kanzler eine höchstens passive Involvierung in den sittenwidrig-kalabresisch abgelaufenen Bestellungsprozess rund um den Topjob der Verstaatlichten-Holding erkennen lassen. Die Chats hingegen offenbaren eine ziemlich aktive Einbindung, bis hin zu persönlichen (unerfüllt gebliebenen) Präferenzen für den Aufsichtsrat der Öbag. Der Kanzler hat dem U-Ausschuss offenkundig nicht die ganze Wahrheit gesagt. Die Ermittler müssen nun klären, ob das Gesagte die halbe Wahrheit war oder den strafrechtlich relevanten Tatbestand der vorsätzlichen Unwahrheit erfüllt. Von dieser Klassifizierung hängt ab, ob gegen Bundeskanzler Sebastian Kurz Anklage erhoben wird oder nicht. Die Anklage wird er möglicherweise ohne Amtsverzicht überstehen, bei einer Verurteilung kommt er nicht umhin, sich vorzeitig dem Wähler zu stellen. Solidarisierung mit dem „Volk“ gegen eine feindselige Außenwelt, es wäre die Wiederaufnahme eines alten Stücks. Hinter der Bühne entstaubt man vorsichtshalber schon die Requisiten.

Ob die Grünen in dem Stück dann noch vorkämen: Am besten, Sie fragen das den Kanzler und den Vizekanzler auf dem Sportplatz in Hartberg gleich direkt.

Kommentare (9)
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thera
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echt genial

👍👍

satiricus
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Hubert Patterer - simply the best !!!

Besser kann man den heutigen (politschen) Alltag nicht beschreiben!

Morpheus17
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Ob Kurz innerparteilich eine Anklage überlebt ....

ist eine spannende Frage. Entweder ist ist dann als Parteiobmann so "gefügig", dass er wieder zum Handlager der Fürsten der Finsternis ist oder das große, in der ÖVP übliche, sägen am Parteiobmann beginnt. Es gibt ja doch einige, deren Macht in der Partei unter Kurz "eingeschränkt" wurde.

voit60
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Konzentrationsregierung ohne Türkise

Um nach 34 Jahren den Sumpf in den Ministerien trocken zu legen. Wäre auch eine Option.

lieschenmueller
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Ihr Grünen (zuerst wollte ich "werte" schreiben, lass ma lieber),

das Bild, das Ihr abgebt, wisst Ihr selbst. Davon bin ich überzeugt. Und es freut mich sogar. Also wie Ihr Euch ob des Verbiegens fühlen müsst.

Dennoch. Bleibt's drinnen!

Ich muss wohl härter aufgeschlagen sein, als mir lieb war. Ich schreibe die obigen Zeilen und kurz vorher glaubte ich doch tatsächlich wo zu lesen, der Schmid (also der mit dem Liebhaben) wollte den Dürer-Hasen für den Lift! in der Öbag.

X22
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Was soll man den Grünen jetzt schon vorwerfen

rein theoretisch weiß man, dass die türkise neue ÖVP die gleiche Schienen benutzt wie eh und je, nur das Marketing verkauft's strategisch so gut, dass die Leut geblendet es nicht bzw. mit zeitversetzter Erkenntnis wahrnehmen werden (sollten, könnten, tun). Das ist jedoch nicht ihr Kaffee, das ist der Kaffee der Wählenden.
Zuerst muss es mal zur Anklage kommen, um als Koalitionspartner überhaupt ein Argument zu haben, den Partner die Rute ins Fenster stellen zu können, sozusagen einen Personalwechsel an der Führungsspitze zu fordern (was bei Türkis zum jetzigen Zeitpunkt niemals passieren würde, ich getraue mir sogar zu wetten, nicht mal eine Verurteilung würde dies ändern, obwohl ich diese Wette sehr gerne verlieren würde).
Als weiteren Punkt sehe ich die Arbeit die man in die Ziele einer grünen Politik steckt(e), die damit abrupt beendet werden würde, was ja gar nicht im Sinne des selbstgesteckten Zieles ist, etwas Grüne Politik ins österreichische Geschehen einzubringen, also bleibt zum jetzigen Zeitpunkt nur das zähneknirschende Hinnehmen und zusehen wie das Aufarbeiten der Türkis-Blauen Regierungszeit, die Türkisen an die Wand drückt (warum redet man nicht mehr von den Blauen). Moralisch verurteilen die Grünen die Vorgänge, siehe UA an sich und arbeiten dort genauso wie die anderen an dem Aufzeigen der Verfehlungen.
Wieweit der Wähler es im Endeffekt unterscheiden kann ist eine andere Geschichte, da würde man es als Oppositionspartei um einiges leichter haben .......

lieschenmueller
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@X22

Wir sind in der Meinung bezüglich Türkis und Grün nicht auseinander.

Die Zwickmühle sehe ich wohl, nur Beifall klatschen fürs Umfallen (für das es keine Alternative gibt außer Aufkündigung) tue ich dennoch nicht.

Und Kogler halte ich für eine anständige Person und das Verbiegen und die Schelte seiner Wähler werden für ihn nicht angenehm sein. Aber der Preis als kleiner Partner.

satiricus
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@ Liesi:

Was Bilder von Klimt und Dürer betrifft - Du hast schon richtig gelesen (im Standard). Schmid hätte gerne solche Bilder fürs Büro, den Lift, den Gang usw. gehabt. Dabei hätt er nur einige seiner 2.500 Handybilder ausdrucken brauchen und diese dann überall aufhängen können.......

lieschenmueller
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@satiricus

Ich meinte zuerst, er dächte an einen Druck :-) Den Posten hatte er noch gar nicht - offiziell halt nicht, nur "kriegst eh alles was Du willst", aber Wünsche für dieses und jenes. Schmid ist der Typ "nicht kleckern sondern klotzen" und da ist anscheinend nur das Beste gut genug.

Der Ursprung waren ja Leihgaben an Drosta. Plus die Aufregung über diese.