Man spürt die Liebe zum handgefertigten Naturprodukt, wenn man Martin Jokver beim Herauslösen der Quittenterrine aus der dreieckigen Form beobachtet. Gekonnt schneidet er das gelierte Mus in gleich große Stücke. Nebenbei wird schon wieder abgewaschen, Etiketten werden gedruckt und die liebevollen Packungen beschriftet.

2012 begann Martin Jokver mit Freunden in Brünn mit dem Handel von Weinen. Für die Verkostungen der edlen Tropfen suchten sie nach originellen Snacks und wurden in Großmutters Rezeptbuch fündig. Mittlerweile produzieren sie neben der Quittenterrine auch eingelegten Hopfen, Walnüsse, Mandeln, schwarze Nüsse, Fichtenwipfelgelee sowie Pasteten und Aufstriche. Diese Naturprodukte heißen „Chut’ Moravy – der Geschmack Mährens“. Viele staunen: „Den Geschmack kenn’ ich aus Omas Zeiten!“

Die Jause von „Chut’ Moravy“ wird mit Weinen aus der Region kombiniert. Die Auswahl ist groß, denn immerhin befindet man sich in Südmähren, der Weinregion Tschechiens. In den fünf Weinbaugebieten des Dreiländerecks Tschechien, Österreich und der Slowakei wachsen die Reben seit der Römerzeit.

Seit 164 nach Christus durfte man nördlich der Alpen Wein pflanzen. Davon erzählen auch die vielen Weinkeller. Ein 1200 Kilometer langes Radwegenetz führt auch durch die Weingärten und Kellergassen mit den charakteristischen bunten Torbogenmalereien sowie durch malerische Dörfer. Ein Geheimtipp und Fotohotspot ist das Weingut Sonberk mit Blick auf die Pollauer Berge.

Im Château Valtice gibt es einen 300 Meter langen Keller, der früher bis nach Österreich führte. Teilweise konnte man durch diese Stollen sogar mit der Kutsche fahren. Geldstücke an der Wand zeugen vom Aberglauben der Besucher und Arbeiter, die eine Münze hinterließen, um wieder heil aus dem Untergrund zu kommen. Das Château Valtice wurde schon zwei Mal zum besten Weingut Tschechiens erkoren. Hier ist man auch auf die weltweit größte Eichenholzpresse stolz, die sieben Tonnen Trauben auf einmal zerdrücken kann.

Zum besten Winzer Tschechiens wurde Kamil Prokes erkoren. Bei ihm lernt man, die Flaschen mit dem Husarenschwert zu köpfen. Der Flaschenhals wird dabei so schnell durchschlagen, dass der Korken mit so hohem Druck wegfliegt, dass keine Splitter in der Flasche bleiben. Prokes hat es sogar zu einem Eintrag in das Buch der Rekorde geschafft und gibt diese Kunst an seine drei noch sehr jungen Söhne weiter.

Das Château Valtice beeindruckt nicht nur von außen, sondern auch mit seinem Weinkeller
© vrabelpeter1/stock.adobe.com (Peter Vrábel)

Das Herz der Weinregion und die Stadt des Weins ist Mikulov. Beim Flanieren durch die romantischen Gassen mit den alten Bürgerhäusern, den barocken Statuen und den Graffitifassaden trifft man im „Kuk Bistro“ wieder auf den Geschmack Südmährens, wenn auch etwas anders ausgerichtet.

Koschere Gerichte auf den Speisekarten der Stadt zeugen von der einstigen jüdischen Gemeinde. 1421 sind die Wiener Juden nach Mikulov geflüchtet. Gezählte 4402 Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof erinnern daran. Früher hat hier die Mehrheit der Bevölkerung Deutsch gesprochen, bis dann „keine Meglichkeit, nach Esterreich zu fahren“ war.
Am Mikulover Burgberg erzählt das riesige, 100.000-Liter-Eichenfass davon, dass deshalb so gerne Bier und Wein getrunken wurde, weil Wasser lange Zeit als verunreinigt galt.

Neben dem reichen Reservoir an Weinen kommen auch die Bierliebhaber in Südmähren nicht zu kurz. „Frankies“ gilt als das beste Bier Tschechiens und wurde schon mehrfach prämiert. 1000 Hektoliter Lager und Ale werden in der Breclaver Homebrewerie von Adam Jonàs produziert. „Es ist gut, wenn es interessant schmeckt“, sagt er und mischt mit Vorliebe das Bier mit Früchten, Schoko und Powidl.

Die Gastronomie Südmährens besinnt sich auf Tradition. Es ist das Verdienst der tschechischen Großmütter, die den Enkelkindern ihre Rezepte hinterlassen haben. Der Geschmack Mährens verspricht auf jeden Fall Naturprodukte, Qualität und Lust auf mehr. Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen. So auch die Liebe zu einem Land.

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