Der slowenische Architekt und visionäre Städtebauer Joze Plecnik (1872–1957) reihte in seiner Heimatstadt Laibach ein Baujuwel ans nächste. Er setzte mit seinem Wirken aber nicht nur dem Stadtkern selbst einen unverwechselbaren architektonischen Stempel auf, sondern sorgt bis heute etwa auch im Laibacher Moor südlich der Stadt für einen steten Quell der Faszination.

Selbst tief religiös, baute er inmitten sumpfigen Gebietes auf 350 Pfählen eine außergewöhnliche Kirche, die ihresgleichen sucht. Schon das Äußere von St. Michael erfreut als wahrer Blickfang auf weiter Flur. Die prominent angelegte, frei stehende Treppe, gespickt mit griechischen Säulenelementen, führt zum ebenso frei stehenden, durchlöcherten Glockenturm. Das Mauerwerk bietet als Sammelsurium verschiedenster Materialien – Holz, Beton, Ziegel, Stein – eine zusätzlich spannende Augenweide.

Wahre sakrale Heimeligkeit offenbart sich schließlich im zauberhaften Inneren: warmes, knarrendes Holz, eine Chorempore – einer Bauernhausgalerie nachgeahmt –, eine Fülle an dekorativen Details, byzantinisch, volkstümlich slawisch bis zur Orientierung an japanischen Tempeln. Gläubig oder nicht – die „Wohnkirche“ gibt ein ganz besonderes Gefühl von Geborgenheit. Und eines von großer Ehrfurcht, zumindest ganz sicher dem Architekten gegenüber.

Regina Rauch-Krainer ist Leiterin des Kulturreiseveranstalters TLS Reisekultur.

Mehr zum Thema