Nein, es ist nicht, was Sie denken. Auch wenn dieser Hügel mit Sakralbauten auf einer Gezeiteninsel im Ärmelkanal liegt, handelt es sich nicht um den weltberühmten Mont-Saint-Michel, sondern um seinen kleinen britischen Cousin schräg gegenüber. Dass der St. Michael‘s Mount in Cornwall eine gewisse Familienähnlichkeit nicht abstreiten kann, liegt wohl auch daran, dass er im Zuge der normannischen Eroberung Englands im Jahr 1066 in den Besitz eben jener Benediktinerabtei Mont-Saint-Michel in der Normandie geriet, die ihn nach dem „Original“ gestalteten. Passenderweise sollen sich auch prompt Wunder eingestellt haben, die ihn zum beliebten Pilgerziel machten.
Aber dann trennten sich die Wege der beiden Klosterberge, der englische wurde Verteidigungsposten und schließlich als Herrschaftssitz mit einem Schloss versehen. Es geht also deutlich familiärer zu, auch weil bis heute Mitglieder der Familie St. Aubyn in dem öffentlich zugänglichen Anwesen mit dem fantastischen Terrassengarten leben. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren es rund 300 Bewohner, die im Dorf am Fuße des Hügels mit seinen 53 Häusern entlang von vier Straßen lebten. Heute sind es immerhin noch rund 30 Menschen, die für die einzigartige Lage in Kauf nehmen, für Erledigungen oder den Schulbesuch täglich das Wasser nach Marazion zu überwinden. Es lohnt sich. Denn während das französische Pendant von rund 2,3 Millionen Menschen pro Jahr besucht und bewundert wird, sind es beim St. Michael’s Mount gerade einmal 370.000.