Zeigt her eure Zähne, hieß es für Erstklassler in ganz Österreich. Die steirischen Sechsjährigen schnitten dabei gut ab: 66 Prozent sind kariesfrei, im Österreichschnitt sind es nur 55 Prozent. Damit belegt die Steiermark hinter Tirol im Österreichvergleich den zweiten Platz. Anders ist die Situation in Kärnten: Mit 48 Prozent Kindern ohne Karies liegt das Bundesland eindeutig unter dem Österreich-Schnitt.

Die Steiermark führt die guten Zahlen auf die flächendeckende Kariesvorsorge in Kindergärten und Schulen zurück: Im Jahr 1989 waren nur 27 Prozent der steirischen Sechsjährigen kariesfrei. „Das zeigt, dass die Kariesprophylaxe wirkt“, sagt Karin Reis-Klingspiegl von Styria vitalis. Seit mehr als 30 Jahren besuchen „Zahngesundheitserzieherinnen“ zwei bis drei Mal pro Jahr steirische Kindergärten und Volksschulen und üben mit den Kindern das Zähneputzen.

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Nachzügler Kärnten

Bei diesen Programmen war Kärnten ein Nachzügler. „Wir haben erst im Jahr 2005 mit dem Zahngesundheitsprogramm begonnen“, erklärt Franz Wutte vom Gesundheitsland Kärnten. Flächendeckend werden die Kindergärten erst seit 2016 von Zahngesundheitserzieherinnen besucht – sie zeigen den Kindern das richtige Zähneputzen. In den Volksschulen ist die flächendeckende Versorgung bis heute nicht erreicht: Der Bezirk Spittal stößt erst ab 2020 zum Programm. „Wir arbeiten dran“, sagt Wutte. Ein wichtiger Ansatzpunkt für ihn sind Schwangere und junge Mütter: Sie gelte es zu erreichen, damit auch zuhause auf Zahnhygiene und gesunde Ernährung geachtet wird.

Was die Zahnstatuserhebung aber auch gezeigt hat: Probleme gibt es in Familien mit Migrationshintergrund und bei niedriger Bildung der Eltern. Während Kinder ohne Migrationshintergrund im Schnitt 0,8 kariöse oder fehlende Zähne haben, sind es 2,5 geschädigte Zähne bei Kindern aus Migrantenfamilien. Und: Kinder von Eltern ohne Matura hatten doppelt so viele kariöse Zahnflächen wie Kinder, bei denen ein Elternteil Matura hat.

So wichtig sind Milchzähne

Laut Experten mangle es in bildungsfernen Schichten am Wissen über Zahnhygiene und die Bedeutung von Milchzähnen. Fällt ein Milchzahn zu früh aus, kann er seine Funktion als Platzhalter für den nachkommenden zweiten Zahn nicht mehr erfüllen, was wiederum zu Zahnfehlstellungen im Kiefer führen kann. Das Zusammenspiel von Zunge, Schneidezähnen und Gaumen sei auch für die Sprachentwicklung von wesentlicher Bedeutung.

Zahnarzt Laurenz Maresch weiß um weitere Gefahren für die Zähne der Kinder: „Das permanente Naschen und das ständige Nuckeln an süßen Getränken fördert ebenfalls die Entstehung von Karies.“