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Ess-Lernambulanz Ein Ort, an dem Kinder das Essen lernen

Für Kinder, die das Essen verweigern, gibt es eine einzigartige Ess-Lernambulanz in Graz.

Nico mit den Therapeutinnen der Esslernschule
Nico mit den Therapeutinnen der Esslernschule © Stefan Pajman
 

Kinder, die nur den einen Pudding von der einen Marke essen wollen. Kinder, die nicht vom Flascherl wegkommen oder Gemüse strikt verweigern: Das sind die Patienten in der neuen Esslernambulanz unter der Leitung von Marguerite Dunitz-Scheer in Graz. „Wir sind die einzige Ess-Lernschule weltweit“, ist Dunitz-Scheer überzeugt. Über 25 Jahre hatte die Spezialistin für kindliche Essstörungen an der Kinderklinik Graz ein Programm aufgebaut - nun, da sie in Pension ist, betreut sie die kleinen Patienten in der Ambulanz.

Patienten wie den bald sechsjährigen Nico, der gar nicht mehr isst, sondern im Halbschlaf mit der Flasche gefüttert wird. „Angefangen hat alles, als Nico zwei war“, erzählt seine Mama. Er hatte eine eitrige Angina, danach oft Halsweh - und er aß immer weniger. „Bis er irgendwann gar nichts mehr zu sich genommen hat.“ Zunächst hieß es: Kinder holen sich schon, was sie brauchen - doch das stimmt nicht immer, wie Psychologin Sabine Marinschek sagt: „Es gibt Kinder, die vor dem vollen Teller verhungern würden.“ Seit sieben Monaten füttert Nicos Mutter ihren Sohn im Halbschlaf, um die notwendige Nahrung in ihr Kind zu bekommen.

Tag der offenen Tür

Marguerite Dunitz-Scheer und Peter Scheer sind Spezialisten für frühkindliche Essstörungen. Neben der Esslernschule, zu der Kinder mit Magensonde aus der ganzen Welt kommen, werden nun „leichtere Fälle“ in einer neuen Ess-Lernambulanz betreut.

Am Donnerstag, 26. April, ist ab 14 Uhr Tag der offenen Tür mit Beratungsgesprächen für Eltern und Clown-Auftritt (Lenaugasse 5, Graz). www.esslernambulanz.at

Essen mit Schmerzen verbunden

Dunitz-Scheer und ihr Mann Peter Scheer bieten seit 2009 ein Programm an, das Kinder von Magensonden entwöhnt - aus 25 Ländern kamen und kommen Familie dafür zu den Grazer Spezialisten. Die neue Ambulanz richtet sich an „leichtere“ Fälle, die ambulant betreut werden können.

Kinder wie Nico, die Essen durch eine Erkrankung mit Schmerzen verbinden, bilden eine Gruppe, die Essen verweigern. Auch Frühgeborene haben häufig Probleme mit dem Essenlernen - die Ursachen können aber ganz unterschiedlich sein.

 

Wieder ein Schritt in Richtung normal essen: Nico lutscht am Fruchtgummi
Wieder ein Schritt in Richtung normal essen: Nico lutscht am Fruchtgummi Foto © Stefan Pajman

In der Therapie geht es zunächst nicht ums Essen: Therapeutin Eva Kerschischnik nähert sich über Spielsachen an Nico an. Ihm wurden Grenzen gesetzt, seine Eltern trauen ihm jetzt mehr zu. „Zu Hause deckt er den Tisch und teilt das Essen aus, das wäre früher unvorstellbar gewesen“, sieht die Mama erste Erfolge. „Elternarbeit ist ein großer Teil, denn sie müssen das Gelernte umsetzen“, sagt Marinschek. Während sie spricht, lutscht Nico konzentriert die Zuckerkristalle von einem grünen Fruchtgummi - und bringt Mama und Papa damit zum Strahlen.

Über Spielsachen nähert sich Therapeutin Eva Kerschischnik an
Über Spielsachen nähert sich Therapeutin Eva Kerschischnik an Foto © Pajman

Kommentare (1)

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Ichweissetwas
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2
Lesenswert?

Für Kinder endlich eine wichtige Einrichtung,

die auch hoffentlich den Betreuern zu Gute kommt........