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ZuckersteuerWarum wir süchtig nach Zucker sind

Wir essen zu viel Zucker, das macht dick und krank. Andere Länder reagieren mit einer Zuckersteuer. Was Experten dazu sagen und warum wir auf Süß abfahren.

Programmiert auf süß
Programmiert auf süß © Karin & Uwe Annas - stock.adobe.
 

Die Wahrscheinlichkeit, dass auch Sie zu viel Zucker essen, ist hoch: Knapp 90 Prozent der Frauen und 81 Prozent der Männer in Österreich essen mehr Zucker, als eigentlich gut für sie ist. Maximal 10 Prozent der täglich gegessenen Energiemenge sollten auf den Zucker entfallen, was etwa 50 Gramm Zucker oder 16,5 Stück Würfelzucker entspricht. Tatsächlich ist es bei Frau und Herrn Österreicher aber eine Pyramide von 31 Stück Würfelzucker, die täglich gegessen wird.

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Schwer vorzustellen? Eigentlich nicht, wenn man sich vor Augen führt, wie viel Zucker sich in alltäglichen Produkten versteckt. Mit einem Glas Limonade (20 Gramm Zucker) und einem Becher Fruchtjoghurt (28 Gramm Zucker) hat man die empfohlene Maximalmenge von 50 Gramm schon fast erreicht. Kommt noch eine Rippe Schokolade (9 Gramm Zucker) oder eine Portion fertiges Salatdressing (8 Gramm pro 100 ml) dazu, ist das tägliche Maximalmaß an Zucker längst überschritten.

In der Zeit, in der sich der Geschmack bildet, werden Kinder mit Lebensmitteln konfrontiert, die mehr Zucker enthalten, als ihnen guttut.

Hermann Toplak, Ernährungsexperte

Auf süß programmiert

Woher kommt unsere große Lust auf Süßes? Einerseits sind wir von Natur aus auf „süß“ programmiert, aktivieren süße Lebensmittel doch unser Belohnungssystem im Gehirn. Doch auch die Lebensmittelindustrie hilft aktiv nach, dass diese Programmierung schon bei den Kleinsten beginnt. So haben Untersuchungen gezeigt, dass Frühstücksflocken für Kinder deutlich mehr Zucker enthalten als jene, die nicht an Kinder adressiert sind. „In der Zeit, in der sich der Geschmack bildet, werden Kinder mit Lebensmitteln konfrontiert, die mehr Zucker enthalten, als ihnen guttut“, sagt Hermann Toplak, Präsident der europäischen Adipositasgesellschaft. „Und sie erwarten dann von jeder weiteren Nahrung die Zuckerüberdosis.“

Die größten Zuckerfallen sind für den Mediziner Friedrich Hoppichler, Vorstand des Vorsorgeinstituts Sipcan, Getränke und Milchprodukte, mit denen schnell sehr große Zuckermengen auf einmal in den Körper gelangen. Gemein ist auch, dass viele Produkte, die man auf den ersten Blick nicht mit Zucker assoziieren würde, sehr viel des weißen Stoffs enthalten. Fertige Salatdressings, Feinkostsalate wie ein Heringsfilet in Sahnesoße oder Fertigprodukte liefern große Mengen Zucker.

Zuckersteuer?

Frankreich und Großbritannien haben bzw. werden eine Steuer auf Zucker einführen – die Industrie reagierte prompt und senkte den Zuckergehalt in Limonaden. Auch Österreicher konsumieren mehr süße Limos, als gut für sie ist, sagt die Österreichische Diabetesgesellschaft (ÖDG). Präsidentin Alexandra Kautzky-Willer: „Wir wissen aus Mexiko, dem Land, das sich am meisten für die Reduktion von Zucker in Softdrinks stark gemacht hat, wie direkt dieser Einsatz auf den Rückgang von Erkrankungen durch Fettsucht und Diabetes wirkt.“

Die ÖDG stehe einer Besteuerung von Zucker positiv gegenüber – wenn eine Zuckersteuer schon durch die Ankündigung den Zuckergehalt in Getränken real senken kann. Friedrich Hoppichler warnt aber: „In Großbritannien führt die Politik über Steuern zu einem vermehrten Einsatz von Süßstoffen und nicht zu einer Reduktion der Süße.“

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