Nach Tweets von Robert MaloneStudie zu Corona wegen mehreren Fehlern zurückgezogen

Seit Ausbruch der Pandemie überschlagen sich die Meldungen zum Coronavirus im Internet. Darunter finden sich auch immer wieder falsche Informationen. Eine Studie wurde nun zurückgezogen.

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Vor allem in den sozialen Medien ist es oft schwer, richtige von falschen Meldungen zu unterscheiden
Vor allem in den sozialen Medien ist es oft schwer, richtige von falschen Meldungen zu unterscheiden © (c) wladimir1804 - stock.adobe.com
 

Noch nie haben sich Laien so sehr für medizinische Forschung interessiert wie in der Coronapandemie. Fehlerhafte Studien können deshalb fatale Auswirkungen haben, wie Beispiele in den USA zeigen. "Ist ein wissenschaftliches Paper erst einmal veröffentlicht, ist der Schaden unwiderruflich", sagte Emerson Brooking, Experte für die Aufdeckung von Desinformation beim Washingtoner Politikinstitut Atlantic Council.

Die Folge: nachlassende Impfbereitschaft 

Mangelhafte Studien "gießen Öl ins Feuer der Covid-Skeptiker und Verschwörungstheoretiker" und würden über das Internet massenhaft verbreitet, weiß Brooking. Wird eine Forschungsarbeit zurückgezogen, ist es meist zu spät. Besonders gefährlich sind Falschinformationen zur Corona-Impfung. Die Impfbereitschaft in den Vereinigten Staaten hat zuletzt nachgelassen: Fast alle der jüngsten Covid-19-Todesfälle traten bei Menschen auf, die nicht geimpft waren.

Ende Juni veröffentlichte die medizinische Fachzeitschrift "Vaccines" eine wissenschaftlich begutachtete Studie mit dem Titel "Die Sicherheit der Covid-19-Impfungen: Wir sollten den Umgang überdenken". Sie kam zu dem Schluss, dass auf je drei durch die Impfung gerettete Menschen zwei kommen, die daran sterben. Eine vermeintliche Erkenntnis, die sich rasch in den Online-Netzwerken verbreitete.

Falschmeldung ging viral 

Ein Tweet des Wissenschaftlers und Covid-19-Impfkritikers Robert Malone, in dem er die Studie zusammenfasste, wurde Tausende Male weiterverbreitet. Ein Video, in dem die konservative Publizistin Liz Wheeler die Studie besprach, wurde auf Facebook mehr als 250.000 Mal angesehen. Das Fachmagazin zog die Studie schließlich zurück. Sie enthalte "mehrere Fehler, die die Interpretation der Ergebnisse grundlegend beeinflussen", lautete die Begründung. Mindestens vier Mitglieder des redaktionellen Beirats von "Vaccines" traten wegen der Veröffentlichung zurück.

Eines davon ist Katie Ewer, eine Immunologin an der Universität Oxford. "Es hätte erkannt werden müssen, dass diese Studie eine große Wirkung haben würde", sagte Ewer, die selbst nicht an der Veröffentlichung beteiligt war. "Dass niemand in der Zeitschrift das bemerkt hat, ist sehr besorgniserregend - besonders für eine Zeitschrift, die sich mit Impfungen beschäftigt." Malones Tweet zu dem Artikel ist nicht mehr online, Wheelers Video ist immer noch auf Facebook zu sehen.

Kein Einzelfall 

Auch anderen Journalen unterliefen ähnliche Fehler. Vergangenes Jahr zogen die renommierten Fachzeitschriften "The Lancet", "New England Journal of Medicine" und "Annals of Internal Medicine" auf ihren Websites veröffentlichte medizinische Studien zurück. 

Aber was führt dazu, dass gerade die Impfung ständig ein streitbares Thema ist? Auch Impfexperte Herwig Kollaritsch hat sich mit dieser Frage beschäftigt und erklärt Fake News rund um Impfungen mit einem Zitat des Politologen Peter Filzmaier, der sagte: „Wenn eine Person eine Sachlage nicht genau versteht, weil diese sehr komplex ist, dann ist derjenige geneigt, Menschen zu folgen, die einfache Erklärungen anbieten. Gerade auf die Impfung trifft das zu. Denn dabei handelt es sich um einen hochkomplexen Vorgang."

Wissenschaftliche Studien hätten niemals zuvor derart große öffentliche Aufmerksamkeit erhalten, sagt die Epidemiologin Maimuna Majumder von der Universität Harvard. Experten müssten ihre Forschung deshalb besser für ein Laien-Publikum erklären, forderte sie. "Nicht alle während der Pandemie produzierten und massenhaft verbreiteten Studien waren wissenschaftlich solide", sagte sie. "Das ist besonders beunruhigend, weil sie individuelle Entscheidungen beeinflussen - auch die zur Impfung."

Echte Daten, falsche Interpretation

Falschmeldungen zu Corona haben eines gemeinsam, sie stützen sich auf medizinische Studien oder auf Registerdaten. Diese Zahlen werden dann allerdings falsch interpretiert wiedergegeben. Gerade der Umstand, dass hier „echte“ Daten fehlinterpretiert werden, macht es auch so schwierig, die Meldungen in den sozialen Medien als falsch zu identifizieren.

Dass Menschen falschen Daten gerade in Bezug auf Vakzine immer wieder verfallen, hat einen einfachen Grund, wie Internistin Sabine Horn erklärt: „Bei einer Impfung handelt es sich um einen Eingriff in einen gesunden Körper. Das ist für den Menschen etwas ganz anderes als eine Intervention bei einer Krankheit – es befeuert Urängste. Ist eine Meinung dann so stark emotionalisiert, ist es schwer, mit Daten und Fakten zu überzeugen.“

Kommentare (13)
DavidgegenGoliath
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Eine der bekannstesten Falschstudien,

die später wieder zurückgezogen wurde, behauptete, dass asymtomatisch Erkrankte, ansteckend sind. Obwohl diese Studie wieder zurückgezogen wurde, hält sich dieser Mythos bis heute!

Ba.Ge.
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Komplett Asymtomatische

dürften scheinbar nicht das Problem sein, aber die Zeit der „präsymptomatischen“ Infektion war bzw ist eine Gefahr, weil viele genau in dieser Zeit (noch bevor sie Symptome zeigen) hochansteckend sind.

Solange die Wirkung der Impfung aber eine gute Wirkung bei den Älteren zeigt und der Stand der Mutationen so bleibt (im Normalfall mutieren Viren zwar ansteckender, aber der Krankheitsverlauf wird leichter) und Jüngere nur selten schwerer betroffen sind, darf nur nicht übersehen werden, wann der Impfschutz bei der Risikogruppe nachlässt - das dürft aber blöderweise sehr individuell sein 🤷🏼‍♀️

satiricus
1
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"Studie ....wegen mehreren Fehlern zurückgezogen"

Was ist dies für eine Grammatik? Es sollte wohl lauten:
"Studie... wegen mehrerer Fehler zurückgezogen"

Jiyu
8
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Es braucht also erst Impfskeptiker um mangelhafte Studien zu hinterfragen?

Offenbar wird hier schön geschlampt in der Wissenschaft...

Politisch_Unkorrekter
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Und wer wird zurücktreten, wenn herauskommt, dass die Impfungen nicht die versprochene Wirkung haben?

Niemand.

Shiba1
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Die Frage ist ja:

Wer sagt denn, dass nicht alle die anderen Studien auch fehlerbehaftet sind.
Ich glaub nämlich, dass genau das zutrifft.

silentbob79
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Shiba1

Es steht Ihnen frei, die Fehler aufzudecken ...

Shiba1
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Im Gegensatz zu Ihnen

und vielen anderen Diskutanten hier im Forum bin ich kein Virologe und würde mir damit schwer tun.
Meine Vermutung ist, dass keiner dieser Studien vorbehaltlos zu trauen ist. Es stecken immer irgendwelche Interesse(nte)n dahinter.
Ganz besonders misstrauisch werde ich, wenn eine Mehrheit mit missionarischem Eifer eine einheitliche Meinung hinausposaunt und anderslautende Ansichten aggressiv und sogar bösartig bekämpft, wie man hier im Forum gut mitverfolgen kann.

manne2017
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Shiba1

Sie suggerieren halt, dass Studien falsch sind, nur weil sich diese nicht mit Ihrer Meinung decken oder nicht das Ergebnis bringen, welches Sie gerne glauben wollen. Sie geben ja selbst zu, fachlich keine Ahnung zu haben, unterstellen jedoch, dass die Studien gekauft sind....

DavidgegenGoliath
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Liebe KLZ!

Robert Malon, ist kein Impfkritiker, sondern der Erfinder der mRNA Technologie!

DannyHanny
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David gegen Goliath

Die wievielte Falschmeldung von Ihnen .....ist das jetzt? Habe bei der Unmenge ein wenig die Übersicht verloren!

ExportExpert
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Malone

Wenn schon dann richtig: Robert Malone war Co-Autor von Pionierstudien zu mRNA in den 80ern. Keine Rede vom erfinden. Heute ist er Impfkritiker und wird von der Wissenschaft nicht mehr ernst genommen.

DavidgegenGoliath
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@Export

Er kennt seine eigene Technologie am Besten! Wenn er warnt, dann weiß er warum!