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Maßnahmen gegen Covid-19Drei Szenarien, wie es in Österreich weitergehen könnte

TU-Forscher Popper berechnete erste Modelle über eine schrittweise Rücknahme der Maßnahmen: Schnelle Rückkehr zum Alltag wäre falsch.

Drei Szenarien, wie es in Österreich weitergehen könnte
Drei Szenarien, wie es in Österreich weitergehen könnte © Uli-B - Fotolia
 

Seit bald zwei Wochen setzt Österreich im Kampf gegen die Corona-Pandemie weitgehende Maßnahmen, um die Zahl der sozialen Kontakte zu reduzieren. Die große Frage dabei ist, ob das ausreicht, um die Ausbreitung von COVID-19 entscheidend zu verlangsamen. Neue Simulationsrechnungen von Wiener Forschern zeigen nun, dass eine noch drastischere Einschränkung der Kontakte kaum zusätzlichen Nutzen hätte.

In China oder Italien wurden zur Eindämmung der COVID-19-Epidemie noch härtere Maßnahmen als derzeit in Österreich verhängt, etwa generelle Ausgehverbote oder weitgehende Betriebsschließungen. "Unsere Simulationsrechnungen zeigen allerdings ganz klar, dass ab einem gewissen Punkt eine weitere Verschärfung keinen spürbaren Nutzen mehr bringt", erklärte Niki Popper, Leiter des Forschungsteams von der Technischen Universität (TU) Wien und des TU-Spin-Offs dwh GmbhH.

Wenn die Kontaktzahl aber dann sofort wieder auf das früher übliche Niveau ansteigt, dann wird auch die Zahl der Krankheitsfälle sehr rasch wieder zunehmen.

Niki Popper, Simulationsexperte

Das Forschungsteam analysierte nun auch, wie die Maßnahmen wieder gelockert werden könnten. "Eines ist klar: Sofort wieder zum gewohnten Alltag zurückzukehren, wäre jetzt falsch", erklärte Popper. Die Wissenschafter gehen davon aus, dass bei Beibehaltung der aktuellen Maßnahmen der Höhepunkt der Krankheitsfälle bald erreicht wird und die Zahl der Infektionen dann zurückgeht. "Wenn die Kontaktzahl aber dann sofort wieder auf das früher übliche Niveau ansteigt, dann wird auch die Zahl der Krankheitsfälle sehr rasch wieder zunehmen."

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Zweite Welle ist möglich

Eine durch ein übereiltes Ende der Maßnahmen verursachte zweite Corona-Welle könnte den Simulationen zufolge innerhalb kurzer Zeit zu deutlich höheren Krankheitszahlen führen als derzeit. Daher seien gewisse Vorsichtsmaßnahmen noch längere Zeit notwendig.

Für die Zukunft haben die Wissenschafter drei mögliche Szenarien berechnet:

  • Im ersten Fall gingen sie davon aus, dass die derzeitigen Maßnahmen - etwa mit einer Schließung der Schulen und von etwa einem Viertel der Arbeitsstätten sowie einer Reduktion der Freizeitkontakte um die Hälfte - voll beibehalten würden. Dann würde die Zahl der COVID-19-Erkrankungen über den Sommer kontinuierlich zurückgehen.

  • Ebenso kontinuierlich zurückgehen würden die Krankheitszahlen im zweiten Szenario: Dieses geht davon aus, dass nach Ostern die Arbeitsstätten wieder geöffnet, die Schulen aber geschlossen und die Freizeitkontakte weiterhin reduziert bleiben. Der Rückgang der Erkrankungen wäre dann langsamer, aber das Gesundheitssystem käme nicht an seine Belastungsgrenzen.

  • Im dritten Szenario gingen die Forscher davon aus, dass die Arbeitsstätten nach Ostern wieder geöffnet werden und die Schulen ab 4. Mai, also zwei Wochen vor der Matura. Weiterhin gebe es aber nur die Hälfte der Kontaktanzahl in der Freizeit. In diesem Fall kommt es den Berechnungen zufolge zwar nicht zu einem explosiven Anstieg der Krankheitszahlen, sie würden aber trotzdem steigen und das Niveau der ersten Infektionswelle übertreffen.

Popper schränkt ein, dass langfristige Prognosen "immer mit einer gewissen Unsicherheit behaftet sind". Deshalb sei es wichtig, die Modelle Woche für Woche weiter zu verbessern und an das neueste Datenmaterial anzupassen.

Kommentare (24)

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kenny4711
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Schule

Die jetzige Generation Schüler wird 1/2 Jahr länger in die Schule gehen, so einfach ist das! Im September beginnt außer für die Taferl-Klassler für alle Schüler das zweite Semester 2020! Über den Tellerrand schauen.

muchi12
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sicher nicht!

Also soll man einfach die Schüler 1/2 länger in die Schule gehen lassen? Was ist mit den 2-3 Monaten wo sie digitalen Unterricht haben und trotzdem Tests bestehen müssen und etliche Arbeitsaufträge abgeben müssen? Gott sei Dank bist du nicht derjenige, der irgendwas entscheidet. Mit 0 Argumenten einfach so über die Zukunft von vielen Schülern entscheiden. :)

kenny4711
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Muchi, Muchi ...

schau die 3 Kurven an, sollte es dich intellektuell überfordern, lass es dir erklären! (von wegen 0 Argumente)

pietrok5
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Schulen

Was die Schulöffnung betrifft muß an auch bedenken, daß von Anfang Mai bis Anfang Juli nur 2 Monate sind. Daher ein vorübergehender Anstieg, der dann wieder abflachen würde.

hermannsteinacher
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Was die Schulen betrifft, so gäbe es ja zwei andere Varianten:

a) Ab 4. Mai nur mit den letzten Oberstufenklassen (=Maturaklassen) beginnen, danach mit dem Rest der AHS- und BHS-Oberstufe.

b) Ab 4. Mai nur mit den Oberstufenklassen der AHS und BHS mit dem Unterricht wieder beginnen.

pietrok5
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@hermannsteinacher

Sicher ein guter Ansatz, um wenigstens die Matura durchzubringen, falls man am 4.Mai nicht alle Schulen öffnen kann. Ich glaube, das größere Problem wird aber sein: Wenn Geschäfte, Unternehmen und Teile der Gastronomie wieder öffnen, müssen wesentlich mehr Kinder in den Schulen und Kindergärten betreut werden als jetzt.

samro
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bedenken

muss aber auch bedenken dass man anstiegen nicht einfach bremsen kann. das wuerden jetzt vielelaender sehr gerne tun.

Helgut
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Zurück!

Bezieht sich auf NÖ. Schlecht geschaut.

Helgut
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Die Zahlen...

an der y-Achse stimmen nicht. Bitte korrigieren, oder weglassen.

Carlo62
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Weil?

Man muss schon alles lesen. Die Grafik zeigt die Trends anhand der aktuellen Fälle in Niederösterreich!

Saufnix
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Disziplin

Szenario 2 wäre zumindest wünschenswert.

Allerdings funktioniert das nur mit viel "Selbst-Disziplin".
So lange es allerdings "Realitätsverweigerer" gibt, immerhin lt. Statistik ca. 400.000 (ca. 5%) Personen (Deppen), mit einer Ansteckungsrate von 3 Personen pro Infiziertem, wird es das nicht "spielen".

Stratusin
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Aber vielleicht liegt es an den anderen 95%,

das wir die 5 % zeigen wo es lang geht. Das Volk kann schon Druck ausüben! Nicht wegsehen sondern aktiv ansprechen (anzeigen) und die Polizei muß strafen.

samro
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recht

ja und das ist auch das recht der 95% druck auszuüben, denn die 95% hängen nun einfach einmal von den 5% ab, die das alles sonst kippen und verhindern dass wir vorwärts kommen.
die massnahmen brauchen dass alle mittun, dann können sie greifen.

und ja ich habe auch schon radfahrergruppen zugerufen ob sie denn alle im gleichen haushalt leben. ob man leute anschaut oder sich wegdreht ist sicher ein unterschied.
ich denke dass das etwas anderes ist, wenn man sieht dass das die mitbürger nicht tolerieren und man damit nicht als held sondern looser gilt.
und das strafen bringt auf alle fälle was.
wer heute eine coronaparty macht muss wissen was sie einem wert ist. wirklich beyahlen kann er den schaden den das für uns alle bringt eh nicht, aber die strafe muss dabei richtig hoch sein.

BernddasBrot
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huffingtonpost.it hat einen Artikel

la lotta contro il COVID ( Kampf gegen COVID ) veröffentlicht und am Beispiel WUHAN 4 Phasen definiert . Da es in Europa noch keine Vergleichszahlen gibt , wird angenommen , den lockdown teilweise aufzuheben , um ihn dann ggf. auch wieder hochzufahren . ( Restaurants können öffnen aber nur , wenn der Abstand eingehalten wird etc.) Die Schulen eher nicht , zumal hier der Schneeballeffekt greifen würde.......alles vorbehalten , vom Fortschritt möglicher Medikamente und Impfungen.....

samro
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hochfahren

ja ins restaurant gehen ist sicher das erste was wir alle müssen.
gibt ja sonst keine wichtigeren aktivitäten.

SANDOKAN13
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Absolut

eineinhalb Wochen ohne Essen, ist auch in der Fastenzeit ziemlich heavy

selbstdenker70
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..

"Dieses geht davon aus, dass nach Ostern die Arbeitsstätten wieder geöffnet, die Schulen aber geschlossen und die Freizeitkontakte weiterhin reduziert bleiben.".....wie soll das funktionieren? Mit Polizeischutz zur Arbeit und wieder heim? Hat alles wieder normal geöffnet werden auch die Freizeitkontakte massiv ansteigen. Oder will man Gastro, Kino, Fitnessstudios, Sportvereine ect bis zum Sommer geschlossen halten?

altbayer
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Oje, ohe.....

…. nur mehr "Hackln" und kein Spaß mehr am Leben bis Sommer?

Restaurants so wie in Schweden: Tisch ja - Bar nein!

Ich glaube, dass es so kommen wird!

hermannsteinacher
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Und

Sperrstunde 15 Uhr.

lombok
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Mir sind die vielen Meinungen von so vielen Forschern einfach too much!

Einfach zu Hause bleiben und nicht glauben, dass wir nach Ostern wieder shoppen, Veranstaltungen machen, die Schulen und Unis öffnen, usw. Weiter einschränken und nicht locker lassen ... Dann sieht unser Sommer sicher rosig aus und wir können dann wieder langsam zurück zum Alltag schreiten ... Aber alles mit Maß und Ziel!

PS: Und bitte natürlich KEINE Flugzeuge aus anderen Ländern in Österreich landen lassen ... Denn zB in den USA wird das Schlamassel wohl länger dauern und all unsere Entbehrungen und Maßnahmen wären in Österreich in wenigen Tagen "für die Katz'".

Jetzt sind wir schon so weit und halten zusammen (bis auf die 5 Prozent Vollpfosten, die noch immer nicht glauben, dass es Corona echt gibt). Dann machen wir das auch positiv weiter und zu Ende! Und jetzt bitte keinen einzigen "Daumen runter" ... Schönen Donnerstag und ein gemütliches Wochenende (Kocht was Gutes, trinkts ein gutes Flascherl Wein, spielt "Mensch ärgere Dich nicht" und seid füreinander da! 😄

samro
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einfacher vergleich

ich verstehe dieses erstaunen nicht.
wir sehen doch an china dass das nicht in ein paar wochen vorbei ist.
haben sich manche gedacht dass das hier anders ist?
das ist ja absurd.

jetzt haben wir massnahmen und die dürfen meiner meinung nach auch nicht zuschnell gelockert werden sonst war alles bis jetzt umsonst.

besser jetzt durchtauchen als vielleicht nochmals in gefahr zu schlittern.
wir müssen einfach zusammenhalten und da durch und das ohne jeden tag neues gejammer und wirtschaftsuntergangstheorien.
danach wird die wirtschaft brummen wie sie das nach noch jeder krise getan hat.
und besonders nach so einer weil einfach genug nachgeholt werden muss und wird.

csab
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Die "Forschermeinungen" wurden berechnet und sind mit Unsicherheiten behaftet

"Too much" ist das nicht. Man muß sich eben entscheiden. Ich teile ihren Hang zur Disziplin, habe aber leicht reden, weil ich zu Hause arbeiten kann. Der LKW-Fahrer kann das eben nicht...

altbayer
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3. Szenario

Es wird nur das 3.Szenario über bleiben.
Der Alltag muss weiter gehen, sonst findet sich unsere Wirtschaft in der Steinzeit wieder.
Die Homeoffice Sandkastenspiele müssten auch bald aufhören, wenn die "Produktion" nicht arbeiten kann.
Wenn kein Geld rein kommt, kann keines ausgegeben werden, auch nicht für die Bezahlung der eigenen Mitarbeiter.

Was ist denn die Kurzarbeit?
Ein zinsloses Darlehen - zurückzahlen müssen wir es über Steuern - oder glaubt ihr wirklich, dass das Geld aus dem Automaten kommt.

Großveranstaltungen, Konzerte, etc. werden sicher eingeschränkt stattfinden müssen - wir werden eine Zeit im neuen Biedermeier leben.

Helga Baurecht
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Außerdem...

muss man ja auch berücksichtigen, dass bei derart heißen Temperaturen, wie wir sie voriges Jahr zwischen Juni und September hatten, der Virus auch naturgemäß eingedämmt wird, wie Forscher diese Woche bestätigten.
Man sollte die Wirtschaft auch nicht überstrapaziern.