ApothekertagungResistente Keime: "Wir haben ein Problem"

Keime, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken, sind eines der größten Probleme im Gesundheitssystem. In Österreich ist die Situation stabil - noch.

Resistente Keime
Resistente Keime © Alexander Raths - Fotolia
 

"Wir haben ein Problem." Darin sind sich die Experten einig, wenn es um Antibiotika-Resistenzen geht. Das ist das zentrale Thema bei der diesjährigen Fortbildungsveranstaltung der Apothekerkammer in Schladming. Das Problem trifft Österreich und die ganze Welt: Im Jahr 2050 werden 390.000 Todesfälle auf Erreger zurückgehen, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken.

"Wir haben ein Problem. Da ist sich sogar die hohe Politik einig. Man muss gemeinsam daran arbeiten, dass unsere Antibiotika so lange wie möglich wirksam bleiben", sagte Ulrike Porsche, Spitalsapothekerin der Salzburger Landeskrankenanstalten.

Noch gute Situation in Österreich

Österreich ist im internationalen Vergleich in einer relativ guten Position. Doch Schwierigkeiten existieren unbestreitbar: Auf der einen Seite ist beispielsweise der Anteil der multiresistenten Staphylococcus aureus-Stämme von zurückgegangen. Auf der anderen Seite waren im gleichen Jahr bereits 27 Prozent der Haemophilus influenzae-Erreger bei Krankenhauspatienten unempfindlich gegenüber den wichtigsten Antibiotika.

"Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass 50 Prozent der Antibiotika nicht adäquat verschrieben werden. 50 Prozent der Patienten nehmen sie falsch ein. 50 Prozent der Weltbevölkerungen haben noch keinen Zugang zu Antibiotika", sagte die Wiener Infektionsspezialistin Brigitte Meyer (Kaiser Franz Josef-Spital).

Die globale Schätzung lässt sich laut Ulrike Porsche auch auf Österreich umlegen: Untersuchungen im Spitalsbereich in Salzburg haben gezeigt, dass 34,1 Prozent der Patienten, die Antibiotika bekommen, nicht richtig therapiert werden. Es gab Probleme bei der Dauer der Behandlung oder bei der richtigen Verabreichung.

Die Ursachen

Resistenzen entstehen vor allem durch Übergebrauch von Antibiotika in Medizin und in der Landwirtschaft (Viehhaltung, Geflügelzucht), durch zu geringe Dosierung oder zu kurze oder zu lange Einnahme. Das Hauptproblem sind jedenfalls die zu häufig verschriebenen Antibiotika in der Medizin.

Besserung zeigt sich hingegen in der Landwirtschaft: Dort habe die lückenloser Erfassung der Mengenströme bereits Wirkung gezeigt. "Zwischen 2011 und 2014 ist die Menge der im Geflügelbereich verwendeten Antibiotika um 44 Prozent zurückgegangen", sagte Inkfektionsspezialistin Meyer.

Mangelhafte Daten

Allerdings gibt es gerade im Gesundheitswesen als größtem Einsatzgebiet Defizite: Die Antibiotika-Verbrauchsdaten sind in Österreich nicht komplett. Es fehlen die Informationen aus den Krankenhäusern mit immerhin rund einem Drittel der verwendeten Menge an Antibiotika.

Außerdem fehlt bisher die Möglichkeit zur Zusammenführung der Informationen über die Verschreibung von Antibiotika mit der Diagnose beim Patienten. Nur dadurch könnte analysiert werden, ob und wann Antibiotika richtig verwendet werden. "Es gibt in Österreich keine Meldepflicht für hochresistente Erreger", stellte Rainer Gattringer vom Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin am Krankenhaus der Elisabethinen (Linz) fest.

 

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