Der Fall. Wir sind seit über 30 Jahren ein Paar und stellen fest, dass wir weder zusammen noch getrennt sind. Wir leben beide nebeneinander her. Trotzdem haben wir beide Sehnsucht nach mehr Nähe. Gibt es einen Ausweg aus der Misere? (Regina und Peter V.)

Die Antwort von Sabine und Roland Bösel

Liebe Regina, lieber Peter!

Wir sind in unserem Leben und damit auch in der Paarbeziehung immer auch ambivalent. Wir wollen Nähe und haben gleichzeitig Angst davor. Wir wollen Verbindung und brauchen auch Freiheit. Wir wollen Sicherheit und wünschen uns auch das Abenteuer. Das ist wichtig zu wissen, damit man gut damit umgehen kann. Toll ist, dass Sie sich zu dieser gemeinsamen Frage entschlossen haben. Damit haben Sie schon einen ersten Schritt gesetzt. Als nächsten Schritt schreiben Sie doch bitte beide auf, was Sie sich von Ihrer Partnerin bzw. Ihrem Partner wünschen. Danach fragen Sie sich ganz ehrlich: Was trage ich dazu bei, dass diese Wünsche nicht erfüllt werden? Was tue ich, was sage ich, um sie zu verhindern? Möglicherweise entdecken Sie bei sich ein Verhalten, das Sie von Ihrer Mutter oder Ihrem Vater kennen.

Wir haben schon viele Paare begleitet und stellen immer wieder fest, wie sehr wir in unserer heutigen Liebesbeziehung einen Elternteil kopieren. So wie wir unsere Eltern als Paar erlebt haben, so machen wir es unbewusst auch. Oft wurde dieses Muster schon über mehrere Generationen weitergegeben, und da bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung, dieses Verhalten neu auszurichten.

Nun können Sie einen nächsten Schritt gehen: Machen Sie sich Ihre Wünsche bewusst, fragen Sie sich, wie Sie sie in die Tat umsetzen können. Gleichzeitig schreiben Sie beide jeden Abend drei Dinge auf, die an diesem Tag in der Beziehung gut waren. So kommen Sie Ihrer eigenen und Ihrer gemeinsamen Ambivalenz auf die Schliche. Gutes Gelingen!