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ErziehungDer ganz normale Wahnsinn am Kinderesstisch

Als Eltern stecken wir im Dilemma, unsere geliebten Kinder und gesundes Essen zusammenzuführen. Entspannt euch? Es ist das Letzte, was uns zu Diabetes, Übergewicht und Klimakrise einfällt.

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Klemm: "Kinder würden sich mit Eistee, Chips und Gummizeug ins Delirium snacken, wenn wir sie ließen." © Paul Hakimata - stock.adobe.com
 

Anna isst nichts Gelbes. Lukas mag nur Würstel, die vor seinen Augen gehäutet wurden. Paul kotzt kommentarlos auf den Teller, wenn es was anderes als Nudeln gibt. Und Juliane bekommt von Leitungswasser Kopfweh; ihr Durst ist nur mit Orangensaft stillbar. Ich atme tief durch. Das alles ist normal.
Wer mit Kindern lebt, arbeitet oder isst, kennt das. Kinder essen am liebsten immer dasselbe und probieren nicht gern Neues. Sie würden sich mit Eistee, Chips und Gummizeug ins Delirium snacken, wenn wir sie ließen. Sie haben die unsinnigsten Aversionen und treiben uns damit in den Wahnsinn. Doch selbst, wenn so ein Essverhalten noch so gestört wirkt: Von einer echten Essstörung sprechen wir erst, wenn Kinder ständig erbrechen, unter- oder überernährt sind oder ungenießbare Stoffe wie Steine zu sich nehmen. Solange ein Kind wächst und die Zähne nicht aus dem Mund faulen, soll man sich nicht sorgen. Das „wächst sich aus“.
Angeblich.

Die Autorin

Gertraud Klemm, geboren 1971 in Wien, ist österreichische Autorin, Schreibpädagogin und Adoptivmutter. In ihrem Roman„Muttergehäuse“ hat sie über Kinderwunsch und Adoption geschrieben. Zuletzt erschien von ihr der Roman „Hippocampus“.

Ich habe immer gerne Partys geschmissen, aber seit ich Kinder habe, drücke ich mich, wo es geht. Vor allem essende Kinder bringen mich auf die Palme. Und da rede ich nicht von den kleinen. Sondern auch von den größeren, die schon Aufsätze schreiben und Flächen berechnen können. Die schon wissen müssten, dass die Schnitzerl nicht am Schnitzerlbaum wachsen.
Da ist diese Elfjährige, die sich seelenruhig ein Krügerl Bio-Orangensaft pur einschenkt, nach einem Schluck genug hat und alles stehen lässt. Das waren einmal fünf Bio-Orangen, für die sich ein alter, sizilianischer Baum ganze 18 Monate geplagt hat, will ich dem Kind sagen. Oder da ist der Geburtstagskuchen, der aussieht, als wäre er mit Dynamit gesprengt worden. He, da sind zwei Tafeln faire Bitterschokolade drin, will ich jammern, und fünf fette Bio-Eier! Respekt, bitte! Und erst die Pizza, an der herumgenagt und -gerissen wurde, als wären wilde Tiere am Werk gewesen! Keiner isst den Rand, ein bisschen was davon landet auf dem Boden.

Kommentare (2)

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henslgretl
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18
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Erscheint

mir etwas überzogen, der Inhalt des Artikels. Kinder beim Kochen miteinbeziehen von klein an. Und ihnen beim Essen nichts aufdrängen. Ich hab damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich kauf das Zeug einfach nicht, diese ganzen Kindersachen wie die Obstpürees im Plastik oder Kekse mit Palmöl kommen mir nicht in den Einkaufswagen. Den Konflikt kann man m. E. ruhig eingehen mit dem Nachwuchs. Etwas mehr Mut!

Antworten
Nixalsverdruss
0
12
Lesenswert?

Perfekter Artikel!

Das kann ich voll unterschreiben...

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