Wenn der Bruder nicht so tut wie er soll, ist er für die kleine Schwester schon mal eine „Kack-Klobrille“. Sagt Papa nicht gleich „Ja“, ist er ein Scheiß-Papa. Und stürzt der Bauklötzchenturm ein, ist das „Kackdreck“. Wenn kleine Kinder den unflätigen Rohrspatzen geben, finden Eltern die Ausdrucksweise oft fragwürdig - und verzweifelt fragen sich viele, wie sie auf diese Verhalten reagieren sollen.

Dürfen Kinder denn nicht fluchen? Doch, sagen Forschende in der Apotheken-Zeitschrift „Eltern“ (Ausgabe 7/2024). „Diese Wörter gehören einfach zum Spracherwerb“, erklärt die Wiener Sprachwissenschaftlerin Oksana Havryliv, die zu Schimpfwörtern forscht. Ihr zufolge sollte es selbstverständlich sein, dass auch Kinder elementare Emotionen wie Wut, Zorn oder Trauer ausdrücken dürfen.

Bis zum vierten Geburtstag kaum Gefühl für Normen

Wer darauf mit einem „Das sagt man doch nicht“ reagiere, erreicht in der Regel nichts. „Bis zum vierten Geburtstag haben Kinder kaum oder wenig Gefühl für Normen“, sagt die Münchner Pädagogin Eliane Retz. Außerdem würde man vermitteln: Es gibt Tabus, über die wir nicht sprechen.

Damit wäre gerade die Familie kein Ort, wo man sich angstfrei äußern kann. Mit fatalen Folgen: „Wenn es Wörter gibt, die ein Kind nicht sagen darf, ist es unter Umständen sprachlos, wenn es wirklich wichtig ist, weil ihm zum Beispiel etwas Schlimmes passiert ist“, gibt Retz zu bedenken.

So verlieren Schimpfwörter ihren Reiz

Die Expertinnen raten Eltern, sich bei fäkal-analen Wörtern zu entspannen. Das kindliche Interesse an Ausscheidungen gehöre zur Entwicklung. „Seien Sie bei diesen Wörtern großzügig“, sagt Retz. Die Kollegin rät zu einer cleveren Gegentaktik: „Für Kinder sind Schimpfwörter Zauberwörter, mit denen sie sofort die Aufmerksamkeit der Erwachsenen gewinnen oder ihre Freunde zum Lachen bringen“, so Havryliv. Reagiert man kaum oder gar nicht, verlieren die Kraftausdrücke schnell ihren Reiz.

Wenn die Fluchwörter zu sehr nerven, ist laut Retz mit einem „Okay, wenn du denkst, du musst mir das jetzt sagen, dann mach das ...“ auch schon alles gesagt. Kommt es öfter vor, wahrt man die eigene Grenze etwa so: „Du kannst das ein-, zweimal sagen. Aber wenn du mich ständig anschreist, habe ich auch keine Lust mehr, mit dir zu spielen.“