1. Gutes Cholesterin kann vor Krebs schützen

Cholesterin wird in zwei Kategorien unterteilt: In das gute HDL- (Eselsbrücke: „Hab dich lieb“) und das schlechte LDL-Cholesterin. LDL ist für die fatalen Folgen von zu hohen Blutfettwerten verantwortlich: Es lagert sich in Gefäßen ab, führt zur gefährlichen Atherosklerose („Verkalkung“ der Gefäße), die bis zum Herzinfarkt führen kann. Das gute HDL ist der Gegenspieler: Es transportiert Fette aus dem Blut in die Leber, wo sie abgebaut werden. Nun zeigte der Wiener Forscher Raimund Bauer, wie HDL-Cholesterin vor Krebs schützen kann: Damit ein Tumor wachsen kann, braucht er – wie alle anderen Zellen des Körpers – Cholesterin, um neue Zellwände zu bauen. Da HDL das Cholesterin abtransportiert, kann es das Tumorwachstum reduzieren. Spezielle HDL-Partikel, die noch mehr Ladekapazität haben, konnten die Zellteilung beim Bauchspeicheldrüsentumor senken – bisher aber nur in Laboruntersuchungen. Dazu erklärt Harald Mangge, Labormediziner an der Med Uni Graz: „Es zeigt sich immer mehr, dass nicht nur der Wert des HDL-Cholesterins entscheidend ist, sondern auch die Qualität eine große Rolle spielt.“ Je effektiver HDL Blutfette aus dem Blut befördern kann, desto positiver die Wirkung. Das besonders effektive Cholesterin wirke im Körper Entzündungen und oxidativem Stress entgegen – auch das schütze vor Krebs.

2. Bewegung ist das beste Medikament gegen hohe Cholesterinwerte

„Viel wichtiger als die Ernährung ist Bewegung, um den Cholesterinspiegel zu senken“, sagt Mediziner Mangge. Wer regelmäßig Bewegung macht, beeinflusst seinen Fettstoffwechsel positiv – aber nicht nur das: „Wenn unsere Muskeln aktiv sind, werden Stoffe freigesetzt, die unseren Organismus positiv beeinflussen.“ Bewegung wirke gegen Diabetes, verbessere das Appetit- und Sättigungsverhalten und schütze vor Übergewicht. Magge erklärt dazu eine gefährliche Abwärtsspirale: Übergewicht erhöhe das Diabetesrisiko, die „Zuckerkrankheit“ führe dazu, dass die Werte des schlechten LDL-Cholesterins ansteigen, was das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ansteigen lässt. Auch Rauchen wirkt sich negativ auf den Cholesterinspiegel aus, da es den Wert des guten HDL senkt. Überhaupt sagt Mangge: „Der Großteil der Cholesterin-Patienten könnte allein durch Veränderungen des Lebensstils und ohne Medikamente behandelt werden.“ Neben Bewegung zählt: eine fettarme Ernährung mit viel Gemüse, ausreichend Schlaf und Verzicht auf Alkohol und Zigaretten.


3. Bei frühen Herzinfarkten in der Familie gilt besondere Vorsicht!

Es gibt jedoch Patienten, bei denen die Lebensstiländerung kaum Erfolge bringt: jene mit genetisch, also angeboren erhöhten Cholesterinwerten (medizinisch: familiäre Hypercholesterinämie). „In der Medizin dachten wir lange, dass diese vererbte Form sehr selten sei – durch neue Untersuchungen wissen wir aber, dass etwa einer von 250 Menschen davon betroffen ist“, sagt Christoph Binder von der MedUni Wien. Das Problem ist, diese Menschen rechtzeitig zu finden, denn: Erhöhte Blutfettwerte spürt man nicht. „Typischerweise sind das Patienten, die eigentlich sehr gesund leben, aber von Geburt an einen erhöhten LDL-Wert haben“, sagt Binder. In der Folge könne es schon in jungen Jahren zu Spätfolgen wie Herzinfarkten kommen. Daher müsse die Therapie so früh wie möglich einsetzen, um Schäden an den Gefäßen zu verhindern. „Ein wichtiges Warnsignal ist die Familiengeschichte“, sagt Binder: Haben Blutsverwandte schon früh (vor dem 55. Lebensjahr) einen Herzinfarkt oder andere Folgen von Gefäßerkrankungen erlitten, sollte man an die familiäre Hypercholesterinämie denken „und die eigenen Kinder testen lassen“, sagt Binder – endgültige Klarheit schafft ein genetischer Test.


4. LP(a): Auch diese Abkürzung sollten Sie kennen

LDL steht für das schlechte Cholesterin, HDL für das gute – es gibt noch eine weitere Abkürzung, die Sie kennen sollten: LP(a). Dahinter steckt das Lipoprotein a, ein bis dato unterschätzter Risikofaktor für Erkrankungen des Herzens und der Gefäße. „Auch wenn die Cholesterinwerte im Normalbereich liegen, kann ein erhöhter LP(a)-Wert allein das Risiko erhöhen“, sagt Stoffwechselexperte Helmut Sinzinger. LP(a) „befeuert“ die Entzündung in den Gefäßen – dennoch wird der Wert bis heute kaum routinemäßig bestimmt. „Vor allem bei Patienten, die trotz gut eingestellter Cholesterinwerte immer wieder unter Gefäßerkrankungen leiden, kann LP(a) dahinterstecken“, sagt Sinzinger.