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Zu Gast bei Willi GabalierWo die Welt noch eine ganz behütete ist

Zu Gast beim Profitänzer Willi Gabalier, der in seinem 500 Jahre alten Bauernhaus erzählt, warum es so wichtig ist, historische Bausubstanz zu bewahren und wir mit dem Verlust jedes alten Hauses auch ein Stück Individualität verlieren.

© (c) oliver wolf
 

Grabenbauer – der Vulgoname des alten Gehöfts im steirischen Semriach an der Nordseite des Schöckls ist Programm. Das Bauernhaus, in das der Profitänzer Willi Gabalier in den vergangenen sechs Jahren fast jede Minute Freizeit investiert hat, um es nach historischen Vorbildern zu restaurieren und bewohnbar zu machen, liegt nicht an einem Sonnenhang mit Traumblick in die Landschaft, sondern in einem Graben mitten in der Einschicht. Es ist eine dieser Adressen, die man nicht findet, wenn einen der Hausherr nicht selbst durch den Wald dirigiert. Und es ist alles andere als ein modernes Alpenchalet, das einen bei der Ankunft erwartet.

Willi Gabalier und seine Frau Christiana haben 2012 ein Bauernhaus erworben, in dem seit 500 Jahren Generationen von Familien ihre Spuren hinterlassen haben. Strom- und Kanalanschluss oder eine akzeptable Zufahrt gehörten bis vor Kurzem allerdings nicht dazu. Die typischen Bausünden der 1970er mit jeder Menge Zement über den alten Steinmauern hingegen schon. Für Gabalier war dieser Hof trotzdem genau richtig: Die bäuerlich geprägte Gegend, das etwas rauere Klima nahe dem Grazer Hausberg und die Möglichkeit, als Bauherr hier sozusagen ein Dornröschen wachküssen zu können, hatten es ihm angetan. „Rückführung in den Originalzustand“, lautete für Gabalier fortan das Freizeitprogramm.

 

Homestory: So wohnt Willi Gabalier

Die alten Steinmauern des Hauses wurden in mühevoller Kleinarbeit wieder freigelegt, der Dachboden ausgebaut.

Oliver Wolf

Grabenbauer, der Vulgo-Name des Gehöfts verrät viel über die Lage.

Oliver Wolf

Sein tierischer Mitbewohner ist Gabalier bei einem der Abbruchhäuser zugelaufen, von denen der Hausherr zum Beispiel altes Holz für die Wiederverwertung holt

Oliver Wolf

Erste urkundliche Erwähnungen des Hofes gehen (laut Recherche des Hausherrn) auf das Jahr 1392 zurück....

Oliver Wolf

Ein erster Blick ins Hausinnere, wo die liebevoll renovierte alte Treppe unter den ausgebauten Dachboden führt.

Oliver Wolf

Die gute Stube mit den alten Dielen, die von einem Abbruchhaus stammen....

Oliver Wolf

Der Kachelofen in der guten Stube ist neu, aber aus Kacheln gefertigt, die in guter alter Tradition die Passionsgeschichte erzählen, und den traditionellen "Handwärmer" gibt es obenauf auch noch.

Oliver Wolf

Jedes Detail stimmt...

Oliver Wolf

Den Tisch hat Willi Gabalier auf Wilhaben.at gefunden, wie auch einen Großteil der restlichen Möbel. Der Herrgottswinkel ist ein Erbstück der Oma.

Oliver Wolf

Alte Türen und Beschläge sammelt der Hausherr seit vielen Jahren.

Oliver Wolf

Der Wohnbereich unter dem Dach.

Oliver Wolf

Ein Blick auf den Aufgang und die auffällig schmale Tür ins Schlafzimmer...

Oliver Wolf

Jedes Stück hat hier seine Geschichte. Im Bild die "Hochzeitstruhe" aus dem Besitz von Willi Gabaliers Mutter, die sie von ihrer Mutter geschenkt bekam...

Oliver Wolf
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Und das alles war keine Frage von Nostalgie und Romantik, sondern das Resultat tiefer Erdung und profunden Wissens. „Meine Geschwister und ich wuchsen viel bei den Großeltern auf und haben dort eine behütete Welt erlebt, zu der auch altes Gemäuer gehörte“, schwärmt Gabalier von dicken Mauern, in denen man sich wunderbar beschützt fühlt. Nach dem Abschluss eines Kunstgeschichte-Studiums mit einer Diplomarbeit über steirische Bauernhöfe im Jahr 2013 kann er außerdem von sich sagen: „Ich kenne in der Steiermark fast jedes historische Bauernhaus.“ Zumal er sich auch gemeinsam mit einer Freundesgruppe von Historikern und Architekten seit 15 Jahren um die Erhaltung alter Bauernhöfe als unersetzbares Kulturgut bemüht – auch mit Beratungen von Hofbesitzern.

Willi Gabalier (37) ist Profitänzer und Kunsthistoriker, einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde er durch die ORF-Tanzshow „Dancing Stars“. Beruflich liegt der Fokus des Tanzschulbesitzers derzeit auf Ballchoreografien. Foto © (c) oliver wolf

„Früher hatte jedes Tal seinen eigenen Baustil, es gab unverwechselbare Hauslandschaften“, schwärmt Gabalier von Häusern, die mittlerweile immer häufiger komplett verfallen oder ganz dem Erdboden gleichgemacht werden. „Ich bin froh, dass wir das Freilichtmuseum Stübing haben, aber es ist ein Armutszeichen, dass wir es brauchen“, gibt er zu Protokoll und setzt nach: „Dadurch dass bei uns architektonisch alles möglich ist, haben wir viel verloren – mit den alten Häusern stirbt unsere Individualität.“ Anders gesagt: „Welches Postkartenmotiv würden Sie von einem Ort wählen? Moderne Häuser, die überall stehen könnten, oder etwas, das lieblich und einzigartig ist?“

In Generationen gedacht

Hinzu kommt die Frage der Nachhaltigkeit: „Früher hat man ein Haus errichtet und die nachfolgenden Generationen haben darauf geschaut. Jetzt besteht ein wirtschaftliches Interesse daran, dass möglichst jede Generation für sich selber baut.“ Über Stil und Geschmack könne man dabei freilich streiten, nicht aber über die Qualität der alten Bausubstanz, mit der Neues kaum mithalten könne, – „nehmen wir nur das Raumklima“. Dass der „Grabenbauer“ nicht unter Denkmalschutz steht, ist für Gabalier übrigens gar keine Freude. „Im Gegenteil, ich wäre stolz darauf, etwas so Authentisches, Historisches zu besitzen“, bricht Gabalier eine Lanze für das Bundesdenkmalamt.

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