Im Ennstal gibt es vieles, das rattern kann: die Gondeln der Bergbahnen, der Bauch nach der Brettljause – und auf dem Goschnhof in Irdning die Mühle von Johanna und Florian Lämmerer. Hier wird das eigene Getreide vermahlen. Doch nicht nur das bringt der Hof hervor: Gemüse, Rindfleisch, Eier, Schnaps, ja sogar Süßkartoffeln. „Der Tag ist schon länger als die Nacht“, sagt Johanna Lämmerer knapp. Man glaubt es ihr sofort.
Video – Zu Gast am Goschnhof
Mittendrin: Lisi Schachner aus Wörschachwald. Bio-Bäuerin, Gemeindebäuerin, Ideenlieferantin. Sie organisiert heuer erstmals die „Kulinarische Roas“. Ihr Ziel: Produzenten aus der Region sichtbar machen. „Es gibt so viele Schätze direkt vor der Haustür. Vom Mehl über Marmelade bis zu Eiern. Ich will, dass die Leute das wieder sehen und schmecken.“ Schauplatz wird der ehemalige Wörschachwalderhof sein – ein Gasthaus, das nach der Pensionierung der Wirtsleute leer steht. Für Schachner perfekt: „Viel Holz, viel Atmosphäre, genau richtig, um Produkte auf die Bühne zu heben.“
Video – Almraungerl backen am Rohrmoserhof
Dass dafür gerade der Goschnhof als Partner gewählt wurde ist kein Zufall. Wer einmal bei den Lämmerers zu Gast ist, merkt nämlich schnell: reden können sie, arbeiten aber noch viel mehr. Die Produktpalette reicht von Eiern bis Edelbrand, und für die selbst gebaute Mühle, die heute läuft, gab es keinen Plan. „Die entstand nur im Kopf“, schmunzelt Florian. Dass selbst Süßkartoffeln hier wachsen, ist ihr persönlicher Triumph über Experten, die meinten: „Das wird nix.“ Doch im Ennstal gilt: Sag nie „geht nicht“.
Gleich nachmachen!
An diesem Tag stehen zwei Schülerinnen der Fachschule Gröbming neben Lisi am Herd: Lea Kreuzhofer und Tanja Stückelschweiger. Fleischverarbeitung, Obst haltbar machen, Kochen und Service – das ist ihr Ausbildungsalltag. Und sie machen das gern. „Der Zusammenhalt in der Schule ist super und wir lernen viel Praxis“, erzählen sie. Etwas später am Bio-Hof von Lisi Schachner in Wörschachwald dürfen sie gleich loslegen: Almraungerl stehen auf dem Lehrplan.
Die kleinen Teigstücke haben Tradition. Gebacken wurden sie, wenn das Vieh im Herbst heil von der Alm zurückkam – als Dank und süßer Abschluss des Almabtriebs. Lisi Schachner bereitet sie mit Zutaten vom Goschnhof zu: Weizenmehl, Eier, dazu Butter und Sauerrahm von der Ennstal Milch. Frittiert wird selbstverständlich im Schweineschmalz. „Ein gutes, gesundes Fett“, wie sie betont. Während die Raungerl goldbraun aus der Pfanne hüpfen, gibt’s ordentlich Staubzucker obendrauf. Außen knusprig, innen weich – und garantiert nichts für Kalorienzähler. Aber dafür umso mehr für Genießer.
Die Szenerie auf dem idyllischen Bauernhof von Schachner: die Schülerinnen schneiden Teigwürste, Lisi schwört aufs Schmalz – und nebenan bringt auf der Almweide eine Kuh Zwillingskälber auf die Welt. Heimatfilm? Fast. Aber der Hintergrund ist ernst: Regionalität ist kein Schlagwort, sondern Überlebensstrategie. Mit der „Kulinarischen Roas“ will Schachner zeigen, dass Wirtshauskultur, bäuerliche Produkte und junge Leute noch immer eine schmackhafte Kombination ergeben.
Kurz: Im Ennstal braucht’s keine Hochglanzkampagne, um Regionalität zu beweisen. Da reicht ein Blick in die Pfanne. Während die Mühle klappert und Schmalz im Kessel zischt, wird klar: Hier geht’s nicht um Schlagworte, sondern ums tägliche Tun.