Wer sein Restaurant „Esslokal“ nennt, mag zwar nicht den spektakulärsten Namen gewählt haben, weckt aber auch keine großen Erwartungen. Außer natürlich, es handelt sich um jenes Restaurant im niederösterreichischen Hadersdorf am Kamp, das 2020 eröffnet hat: Da darf und soll man sich durchaus etwas erwarten. Hier werkelt nämlich mit Roland und Barbara Huber ein Paar, das in den besten Häusern des Landes gearbeitet hat, Roland in der Küche, Barbara im Service.
Bestellen kann man im „Esslokal“ à la Carte, also einzelne Gerichte, oder gleich das Menü, das in seiner größten Ausprägung aus sechs Gängen (165 €) besteht. Außerdem gibt es neben der Weinbegleitung auch eine wunderbare Weinkarte – eine, die übrigens weit mehr bietet als die renommierten Tropfen aus dem Kamptal: Der Rest Österreichs ist ausführlich vertreten, genauso die französischen Weinbauregionen wie Jura, Loire und das Burgund. Ebenso weltläufig verhält es sich mit dem Essen: Roland Huber hält nicht sonderlich viel vom heimischen Trend um Süßwasserfische und anderen Regionalismen – stattdessen gibt’s Hummer, Wolfsbarsch, Kagoshima Beef, Räucheraal oder Gänseleber aus jenen Ländern, wo diese Lebensmittel nun einmal am besten schmecken.
Eine Offenbarung etwa der Schwarzwurzelsalat mit mürb-zartem Hummer, wildem Karfiol und Zichorien: Wie sich hier Bitterstoffe, Jodigkeit und animierende Säure gegenseitig hochschaukeln, ist genauso mutig wie, das Wort hat hier ausnahmsweise seine Berechtigung, genial. Der Gang des Abends ist der darauffolgende Camembert. Eigentlich handelt es sich dabei ja um eine Art Risotto, nur: Dass wir diesen Gang nachbestellten, liegt am herzhaften Camembert-Espuma, dem Mascarpone und den Essigzwiebeln, die aus diesem Tellerchen eines der besten Wohlfühlgerichte machen, die man sich wünschen kann.
Nächstes Spektakel: Der umamireiche Selleriesud mit Räucheraalscheiben, gebratener Gänseleber, Soja und Flan. Klassische Komponenten der französischen Küche bringt Huber hier mit asiatischen Geschmacksnoten zum Strahlen – beeindruckend! Das Dessert ist nicht weniger virtuos: Die Duftpelargonie mit Sanddorn, Rum, Haselnuss und Kaffee ist ein überraschend erfrischender Abschluss dieses Reigens, der zeigt: Auch die höchsten Erwartungen jener Gäste, die wissen, um was für ein „Esslokal“ es sich hier handelt, werden höchstwahrscheinlich übertroffen werden.