Vom Schankwein zum Underdog und schließlich zur international gefeierten Spitzenrebsorte: Blaufränkisch erfüllt all jene Parameter, die von einem außergewöhnlichen Rotwein erwartet werden. Wie etwa Reifepotenzial, Reflektion des Terroirs, Komplexität, Unverwechselbarkeit und Finesse. Und geht es nach Sommelier René Kollegger, dann muss man, um diese Rebsorte zu besprechen, unbedingt ins Südburgenland. Bevorzugte Anlaufstelle: das Weingut Wachter-Wiesler.

Video – Zu Gast im Südburgenland

Als Christoph Wachter den elterlichen Betrieb am Eisenberg übernahm, hatte er eine klare Vision: „Er wollte das Potenzial der alten Reben nutzen, um noch ausdrucksstärkere und terroirgeprägtere Weine zu produzieren“, erklärt Kollegger bei der gemeinsamen Anreise ins winterliche Weinbaugebiet.

Erste Station der Tour ist die Ried Saybritz. „Man sieht im Hintergrund den Schieferboden“, stellt Wachter die geologischen Gegebenheiten vor. „Das ist ein blättriges Gestein, welches vor über 20 Millionen Jahren entstanden ist.“ Im Prinzip Richtung Osten hin der letzte Ausläufer der Alpen. Und der Name Eisenberg kommt nicht von ungefähr. „Wir haben sehr, sehr viel Eisen im Boden. Und das sieht man auch. Da der Boden in Kontakt mit Luft, Sauerstoff und Wasser kommt, oxidiert eben das Eisen am Boden“, erklärt der Winzer das herausragende Merkmal seiner Weine.

Es gibt zwei sehr steile Lagen am Eisenberg. Das ist einmal Saybritz und einmal Szapary. „Im Prinzip die kargsten Lagen, mitunter die besten Lagen am Eisenberg“, veranschaulicht Wachter. „Und dadurch ergeben sich ganz engmaschige, sehr mineralisch würzige, kühle Weine“, bringt Kollegger die Vorzüge auf den Punkt. Obwohl es eine sehr warme Lage ist. „Wir haben ein Mischklima von pannonisch in Richtung illyrisch“, definiert der Winzer das Klima. Das heißt, es gibt grundsätzlich warme Sommer, aber im Normalfall auch genug Niederschläge.

Visitenkarte des Hauses Wachter-Wiesler ist der „Béla-Jóska“. „Unser wichtigster Wein, weil er von all unseren Rebflächen kommt, somit eigentlich das gesamte Repertoire unserer Böden herzeigen kann“, erklärt Wachter. Und der Sommelier zeigt sich begeistert: „Was mir bei diesem Wein gefällt, ist diese Kühle, diese Gelassenheit, die der Wein hat. Ein sehr erdverbundener Wein. Diese Schieferböden, dieses Eisen, jodig, sehr elegant, eine saftige Fruchtaromatik, aber alles nicht zu mächtig. Und ganz wichtig: Der Wein macht schon durstig.“

Nämlich auf einen weiteren Tropfen, der verkostet wird: Ried Saybritz 2021. „Die Reben haben ein Alter von 45 bis 60 Jahren. Eine absolute Herzensangelegenheit für uns“, sagt Wachter. Und Kollegger bestätigt: „Man sieht den Weingarten mit seiner Bodenformation und der Wein erzählt im Glas die gleiche Geschichte. Fantastisch. Das ist großer Wein und großer Wein hat immer eine Geschichte zu erzählen.“