Es gehört ein bisschen Mut dazu, eine Komödie, die es durch eine ikonische Hollywoodverfilmung zum inoffiziellen Weltkulturerbe geschafft hat, auf eine ernst zu nehmende urbane Bühne zu bringen. Genau das haben Robert Persché (Regie) und die beiden Hausherren der Komödie Graz, Urs Harnik und Stefan Moser, nun getan. In ihrer aktuellen Eigenproduktion „Ein seltsames Paar“ treten sie in die Fußstapfen des legendären Komikerduos Walter Matthau und Jack Lemmon, das die Rollen der beiden geschiedenen Journalisten Oscar und Felix in der 1968 von Gene Saks verfilmten, drei Jahre zuvor am Broadway erfolgreichen Boulevardkomödie (im Original „The Odd Couple“) von Neil Simon für die Zukunft prägte.
Wankende Männerfreundschaft
Zur Erinnerung: Der geschiedene Sportreporter Oscar, der in New York ein junggeselliges Lotterleben samt Pokerrunde führt, nimmt seinen Freund Felix, den seine Frau ebenfalls verlassen hat, bei sich in der Wohnung auf. Bald erweist sich Felix als pedantische Nervensäge und bringt so die unerschütterlich scheinende Männerfreundschaft und sogar die Pokerrunde gehörig ins Wanken. Als dann auch noch das weibliche Geschwisterpaar Gwendolyn und Cecily auf den Plan tritt und den sensiblen Felix ins Herz schließt, eskaliert die Stimmung endgültig.
Vor allem Harnik in der Rolle des Felix gelingt es mühelos, die ins Gehirn eingebrannten Sequenzen aus dem Film zu überblenden. Einerseits hat er sich seinen Jack Lemmon genau angeschaut, andererseits verleiht er der Rolle seine ureigene, zutiefst österreichische Note. Stefan Moser hält sich als Oscar trotz fehlender Matthau‘scher Physis wacker und auch das Ensemble (unter anderem Ninja Reichert als Gwendolyn und Matthias Lodd als Pokerkumpel und Cop Murray) lässt keineswegs was anbrennen – abgesehen vom Filet Wellington im Stück.
Nun könnte man hergehen und sagen, dass das Stück schon Ende der Sechziger-Jahre leicht staubige Rollenbilder vermittelte und seither weitere Patina angesetzt hat. Man könnte auch sagen, dass man hergehen hätte können und an jenen Stellen straffen, die schon im Original etwas länglich geraten waren. Doch dann liefe man Gefahr, als Spaßverderber zu gelten.
Weitere 14 Vorstellungen bis 26. April
www.komoedie-graz.at