Diese Woche habe ich mir angeschaut, was in Österreich 650 Euro kostet. So viel Geld gibt unsereins der Statistik zufolge im Schnitt für eine Woche Urlaub aus; man kann damit aber auch z. B. eine bessere Kaffeemaschine kaufen, oder ein günstiges Mountainbike.

Etwas billiger kommt es, minderjährige Mädchen und junge Frauen heimlich beim Duschen und Umziehen zu filmen: je 625 Euro Schadenersatz muss ein ehemaliger Funktionär des Fußballvereins SCR Altach jenen 15 Spielerinnen der Frauenmannschaft zahlen, die er in der Umkleidekabine des Vereins heimlich gefilmt hat.

Zugegeben, der Vergleich ist polemisch. Das braucht es manchmal.

Sieben Monate bedingt auf drei Jahre, 1200 Euro unbedingte Geldstrafe und 15 Mal 625 Euro an seine Opfer hat der Mann diese Woche vor Gericht ausgefasst: für die Film- und Fotoaufnahmen der Frauen, die er ohne ihr Wissen oder ihre Einwilligung gemacht hat. Laut Strafantrag besaß der Mann auch Inhalte, die Kindesmissbrauch zeigen; Bilder minderjähriger Mädchen – auch Unmündiger, also Kinder unter 14 Jahren –, darüber hinaus hatte er ein „Lifetime-Premium-Abo“ für einen auf Kindesmissbrauchsdarstellungen spezialisierten Streamingdienst im Darknet.

Der Fall hat in der Schweiz weitaus mehr Wellen geschlagen als bei uns. Wohl, weil der Mann, selbst Schweizer, als Schiedsrichter in der obersten Liga seines Landes tätig war. Seine Opfer aber fordern nun eine Auseinandersetzung mit den Vorgängen ein. Und wir sind sie ihnen schuldig. Das gilt für den Verein, der gegenüber seinen Funktionären eine Aufsichts- und gegenüber seinen jungen Spielerinnen eine Fürsorgepflicht zu erfüllen hat, sich bei der Aufarbeitung des Falles bisher eher nobel zurücknahm bzw. aus den Unannehmlichkeiten herauszuhalten versucht hat. Das gilt aber auch für die breitere Öffentlichkeit, zumal mehrere der betroffenen Spielerinnen auf Social Media und anderswo ihr Entsetzen über die milde Strafe für den Mann artikuliert haben. Sowie ihren Ekel über die Perfidie eines Täters, der ihnen ihre Umkleide als „Wohlfühlort“ und „Zuhause“ verkaufte, um ihnen dort mit der Kamera  Gewalt anzutun.

Diesen Sportlerinnen geht es nicht um ein paar Euro mehr oder weniger an Entschädigung, denke ich. Nicht nur darum, wie teuer ein Täter für sein Verbrechen bezahlen oder wie billig er davonkommen soll.  Sie fordern eine offene und öffentliche Diskussion über diese Art des Missbrauchs und der Entwürdigung von Frauen und Kindern. Dass sie das auf sich nehmen, beweist weit mehr als Sportsgeist. Es zeigt Courage im Dienste der Öffentlichkeit. Hut ab!