Eine Zahntechnikerin mit berufstypischem Fetisch (Raphaela Möst), ein Tiefkühlkostvertreter im Dienste eines Lebensmüden (Tino Hillebrand), ein Weltuntergangsschwärmer, der mit seiner Selbstmumifizierung liebäugelt (Mathias Lodd), eine unbekannte Leiche in der Anatomie: Die burleske Personage von Ferdinand Schmalz‘ Roman „Mein Lieblingstier heißt Winter“ in eine Fortsetzungs-Operette zu packen, erweist sich auch in der zweiten Folge des von Oper Graz und Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut gemeinsam gestemmten Projekts als Königsidee. Mit schönem musikalischen Übermut bettet Komponist Lukas Kranzelbinder das Geschehen in ein musikalisches Panorama, das von Western Gothic bis Gypsy Jazz reicht und von der fünfköpfigen Band brillant ausgemalt wird.

Raphaela Möstl: Zahntechnikerin mit berufstypischem Fetisch
Raphaela Möstl: Zahntechnikerin mit berufstypischem Fetisch © Werner Kmetitsch

Operettentypisch darf die Handlung, in der unter anderem ein entfleuchter Kanarienvogel, das Trostversprechen von Pistazieneis und die Entführung durch eine Tatortreinigerin zur Spannung beitragen, die absurdesten Volten schlagen, während Schmalz‘ schaurig komische Sprachspielereien rund um Apokalypse, Weltabkehr, Zweifel an der Wirklichkeit und die Abgründe, die sich hinter dem menschlichen Bewusstsein verbergen, sich als erstaunlich couplettauglich erweisen. Mit sichtbarem Gusto turnt Regisseur Alexander Charims Ensemble durch die rund einstündige Handlung, die serientypisch mit einem Cliffhanger endet. Fortsetzung folgt im Frühjahr: Kapitel 3 wird in der Montagehalle der Oper gespielt, die beiden Finalfolgen des über zwei Spielzeiten ausgeführten Projekts gibt es dann in der nächsten Saison. Selten fällt das Versprechen so leicht: Wir bleiben dran!

Mathias Lodd
Mathias Lodd © Werner Kmetitsch

Mein Lieblingstier heißt Winter (Folge 2). Uraufführung, Studiobühne Graz. Libretto: Ferdinand Schmalz. Musik: Lukas Kranzelbinder. Regie: Alexander Charim. Termine: 4., 7., 15. Dezember, jeweils 18 und 20 Uhr. www.oper-graz.at