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Christopher Drexler „Es braucht Visionen und Perspektiven“

Kulturlandesrat Christopher Drexler im Interview über das Kulturjahr 2021, die Steiermarkschau, nötige Weichenstellungen für die Zukunft nach der Krise – und das Mitsingen in der Oper.

Christopher Drexler: Steiermarkschau findet 2021 jedenfalls statt © Jürgen Fuchs
 

Herr Landesrat, das „Reintesten“ in die Kultur ist fix, was sagen Sie dazu?

CHRISTOPHER DREXLER: Dass das kommt, ist ja schon länger bekannt. Dafür wappnen wir uns auch. Spannend wird, wie die Verordnung des Gesundheitsministers aussieht. Wichtig ist: Wann immer es zu Lockerungen kommt, muss das Kulturleben von Anfang an dabei sein. Museen sind in der Regel nicht so überfüllt, dass sie als typische Gefahrenquelle gelten müssten.

Und die Bühnen?

DREXLER: Wir sind in intensiven Gesprächen mit Theatern, die sich auf die Öffnungen, wann diese auch sein mögen, vorbereiten müssen. Wir wollen auf keinen Fall in Oper oder Schauspielhaus testen, das muss in den permanenten Teststraßen geschehen. Noch nicht ausgegoren, aber noch nicht aufgegeben ist die Idee einer Teststraße nahe der Theaterkasse bei der Oper.

Wäre es nachvollziehbar, sich ins Theater testen zu müssen, aber nicht in die Gastro?

DREXLER: Mir ist nicht klar, warum ich für das eine einen Test brauchen sollte und für das andere nicht. Es ist bei uns eher nicht üblich, dass in der Oper mitgesungen wird. Aber sehen wir die fertige Verordnung an, wenn sie da ist.

Kritik gab es an der extrem kurzfristigen Kommunikation zu den Lockdowns. Ist die Informationspolitik fahrlässig?

DREXLER: Diese Belastung ist nicht auf den Kulturbereich beschränkt, wenn man etwa an die Situation an den Schulen denkt. Ich dränge bei allen Gesprächen mit der Bundesregierung darauf, die Planbarkeit zu verbessern. Manchmal wäre es vielleicht klüger, gleich zu sagen, wir müssen uns auf spätere Lockerungen einstellen. Aber es gab im Spätherbst auch Stimmen, die erklärt haben, die Kulturnation Österreich wäre am Ende, wenn man nicht sofort die großen Häuser in Wien aufsperrt. Alle Beteiligten müssen stringent argumentieren.

Wenn Museen im Gegensatz zum Handel geschlossen bleiben – ist das gerecht?

DREXLER: Ich vermute, dass man – aus welchen Gründen auch immer – annimmt, dass zu gewissen Phasen der Handel mehr Relevanz hat. Sonst fällt mir dazu keine sachliche Begründung ein.

Was sind Ihre Vorhaben, um die Lage der Kulturschaffenden in der Steiermark zu verbessern?

DREXLER: Es gab ja 2020 eine Reihe von Maßnahmen. Ein Teil ist noch im Laufen, andere wurden verlängert. Jetzt geht es hauptsächlich darum, dass 2021 wieder erlebbare Kultur stattfindet. Nicht ums nächste Hilfspaket, sondern darum, Perspektiven für einen einigermaßen laufenden Kulturbetrieb zu schaffen. Wir bieten 2021 etwa die Steiermarkschau als wesentlichstes kulturpolitisches Vorhaben.

Sind da krisenbedingte Adaptierungen mitgedacht?

DREXLER: Die Eröffnung denken wir in einer Publikumsvariante und in einer Corona-Variante. Da wir mit der Schau am ehesten mit dem Museumsbetrieb vergleichbar sind, hoffen wir, von allfälligen Lockerungen mit betroffen zu sein. Vielleicht braucht es Kontingentierungen, aber wir hoffen, dass wir die Schau von 10. April bis 31. Oktober umsetzen können. Falls die Umstände einen Ausstellungsbetrieb im April verunmöglichen, würden wir den Zeitraum verkürzen.

Gibt es eine Zielvorgabe, was die Besucherzahl betrifft?

DREXLER: Das ist heuer schwierig, weil die Rahmenbedingungen nicht klar sind. Unter normalen Bedingungen wollten wir 100.000 Besucher. 2021 wird es die vermutlich nicht geben. Aber natürlich hängt alles in erster Linie davon ab, ob es eine gute Schau ist oder nicht.

Muss die Struktur der Schau geändert werden, wenn man sie als wiederkehrendes Format denkt?

DREXLER: Genau. Bei der ersten Schau war es naheliegend, eine Reflexion des Landes zu machen, und das auch organisatorisch mit dem Universalmuseum zu verknüpfen. Die Schau läuft über drei Museumsstandorte. Aber eine Steiermarkschau 2023 und 2025 kann inhaltlich wieder ganz etwas Eigenes sein, das muss nicht über Museumsräume gespielt werden.

Zur Person

Christopher Drexler, geboren am 15. März 1971 in Graz. Jusstudium in Graz.
Seit 1991 in der steirischen ÖVP aktiv, 2003 bis 2014 als Klubobmann der ÖVP-Landtagsfraktion.
Seit 2014 als Landesrat, aktuell für Kultur, Volkskultur, Sport, Europa-Agenden.


Rechnen Sie angesichts der Langzeitfolgen der Krise mit stabilen Kulturbudgets?

DREXLER: Ja. Man hat es am krisengebeutelten Landeshaushalt 2021 gesehen: Es ist uns gelungen, durch pandemiebedingte Maßnahmen das Kulturbudget sogar auszuweiten.

Manche meinen, dass die Budgetkürzungen erst kommen.

DREXLER: Der Weg aus der Krise wird an die öffentlichen Haushalte ungeheure Anforderungen stellen. Es ist meine Verantwortung in der Landesregierung, dass dieser Weg aus der Krise nicht zulasten des Bereichs Kunst und Kultur geht. Wir brauchen stabile, idealerweise sich dynamisch entwickelnde Kulturbudgets. Einerseits weil der Bereich zu den am stärksten betroffenen gehört, und das nicht nur ökonomisch. Man hat den Kulturschaffenden die Basis ihres Wirkens entzogen – der Austausch mit dem Publikum macht ja letztlich die Kultur aus. Sie wird eine wesentliche Verbündete beim Weg aus der Krise sein, deshalb werde ich hier ganz entschlossen für zumindest stabile Budgets kämpfen.

Keine Sorge, dass die lebendige Szene sich verengt, weil manchen die Kraft ausgehen könnte?

DREXLER: Nein. Das heißt aber nicht, dass jede Förderung oder mehrjährige Fördervereinbarung genau so bleibt, wie sie heute ist. In toto soll es so bleiben, aber wenn sich eine Institution überlebt hat, gibt es keine Garantie darauf, dass alles so bleibt, wie es ist. Aber das ist ja immer so.

Der steirische herbst braucht ab 2023 eine neue Intendanz. Sie gelten als der Intendantin Ekaterina Degot zugeneigt, werden Sie ihren Vertrag verlängern?

DREXLER: Eine solide Ausschreibung für die Intendanz müsste im zweiten Halbjahr in Angriff genommen werden. Ich glaube, dass die Festivals in der Verantwortung von Ekaterina Degot bemerkenswert waren. Und ich glaube, dass der herbst 2020 ein ganz besonderes Festival war, und zwar nicht als erkennbares Notprogramm. Wir werden, gemeinsam mit der Stadt Graz, mit der Leiterin und ihrem Team – da ist auch die Co-Intendantin Henriette Gallus wesentlich hervorzuheben – mit Gesprächen beginnen.

Und wie sieht es bei Barbara Steiner im Grazer Kunsthaus aus?

DREXLER: Da geht es um ein Angestelltenverhältnis, das nicht dem Stellenbesetzungsgesetz unterliegt. Sie ist bis 2022 bestellt, da sind wir uns im Wesentlichen einig, dass sie bleiben wird.

Was verlangt die Situation rund um Corona an Veränderung?

DREXLER: Wir möchten bis Frühjahr 2022 kulturpolitische Leitlinien für das Land Steiermark entwerfen. Wohin entwickelt sich die Kulturpolitik? Wie wird das Förderwesen der Zukunft? Müssen wir Adaptierungen in der Festivallandschaft vornehmen? Wie können wir das Fair-Pay-Konzept zum Leben erwecken? Wo wollen wir Schwerpunkte setzten? Es kann sein, dass aus diesen Leitlinien ein neues Fördergesetz und dergleichen mehr entsteht. Es geht um die Evaluierung des Status quo. Ein entscheidender Input für diesen Prozess sind die Erfahrungen aus der Krise.

Solche Prozesse leiert man an, wenn man einen Veränderungsbedarf erkennt.

DREXLER: Wenn man heute über steirische Kulturpolitik spricht, geht es immer darum, was früher alles Großartiges passiert sei. Ich will erreichen, dass wir darüber reden, was jetzt Großartiges geschieht. Um das für die Zukunft sicherzustellen, braucht es diesen Nachdenkprozess. Entwicklung der Zukunft, Visionen und Perspektiven: Das ist das Manko, das es zu beheben gilt. Ich will mit gleichem Stolz in die Zukunft schauen, wie wir viel zu lange in die Vergangenheit geschaut haben.

Sehen Sie Felder, die sich in der Steiermark noch besetzen ließen?

DREXLER: Natürlich. Nehmen wir das Grazer Schauspielhaus – ich kann mir vorstellen, dass wir im deutschen Sprachraum als nennenswerte Größe im zeitgenössischen Theater wahrgenommen werden wollen. Etwa durch ein Festivalformat.

Das DramatikerInnenfestival gibt es ja schon.

DREXLER: Vielleicht lässt sich da international Wahrnehmbares entwickeln. Das ist sehr wichtig, was auch die Krise dramatisch gezeigt hat. Wir müssen die Wahrnehmbarkeit verstärken, wir haben die Tendenz, zu glauben, dass das schon ein großer Erfolg ist, wenn in Bruck an der Mur über Graz geredet wird. Da geht es darum, manches zu fördern und zu unterstützen, was internationales Format hat, aber dem die Wahrnehmung noch fehlt. Und der Prolog zur Steiermarkschau in Wien ist auch wichtig für nationale Wahrnehmbarkeit. Es ist mein kulturpolitisches Ziel, in der Wahrnehmung der Wienerinnen und Wiener Grafenegg wieder zu überholen.

Zur Steiermarkschau 2021

Kadadesign
Mobiler Pavillon,für die Steiermarkschau, konzipiert vom Grazer Designer Alexander Kada © Kadadesign

Steiermarkschau

Was war. Wie es ist. Was sein wird. Wer wir sind.“ – Das sind die vier inhaltlichen Eckpunkte der Steiermarkschau, die ab heuer die einstigen Landesausstellungen ersetzen soll. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Steiermark sind das Generalthema der Großausstellung, für deren Standorte und Ausrichtung das Universalmuseum Joanneum verantwortlich zeichnet und die an vier Schauplätzen ab Anfang April zu sehen sein soll: im Museum für Geschichte, im Volkskundemuseum, im Kunsthaus in Graz sowie in einem durch die Steiermark wandernden Ausstellungspavillon, der seine Reise am 7. April in Wien beginnt und danach noch Station in Hartberg, Spielberg, Schladming und Bad Radkersburg macht.
Ob der Ausstellungstermin – 9. April bis 31. Oktober – hält, wird allerdings auch von der Entwicklung der Pandemie abhängen. Zur Not wird die Dauer verkürzt, sagt Landesrat Drexler. Fest steht jedenfalls: Die Schau wird nicht verschoben. Künftig soll es das neue Format alle zwei Jahre geben – mit wechselnden Organisationsteams. Knapp neun Millionen Euro hält das Land dafür bereit.
steiermarkschau.at

 

Kommentare (1)
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marobeda
1
10
Lesenswert?

Tut mir leid,

aber an diesem Herrn werde ich mich nie gewöhnen können.