Der Musikverein für Steiermark durchlebt eine historische Phase. „Seit 205 Jahren haben wir nie pausiert“, sagt Generalsekretär Michael Nemeth. Selbst gegen Ende des 2. Weltkriegs wurde gespielt. Und Nemeth hat auch keinerlei Ambitionen, Konzertpläne der Coronakrise ganz zu opfern. Für die abgesagten Konzerte im März hat man bereits großteils Ersatztage gefunden. Und so soll es bleiben. Alles, was in der laufenden Saison noch abgesagt werden muss, soll nach Möglichkeit auf später (bis in den Juni 2021) verschoben werden.

Das Publikum bittet man um Verständnis, und die Reaktionen der Abonnenten würden, so Nemeth, bisher viel Mut machen. Nemeth: „Viele Künstler klagen, dass derzeit alles abgesagt wird. Die Metropolitan Opera in New York hat gerade Chor und Orchester entlassen!“ Für Nemeth und sein Team ist dennoch Abwarten angesagt. Zum Knackpunkt wird die internationale Vernetzung. Eine eingeschränkte Reisefreiheit ist für die Einflugschneise der Musikwelt in die Steiermark, die der Musikverein darstellt, schwierig. Nemeth: „Wir arbeiten schon daran, einen österreichischen Künstlerpool aufzubauen.“

Vielspartiges Konzertprogramm

Wenn sich alles bis in den September einigermaßen normalisiert, wird die Saison 2020/21 also extrem dicht. Zu den nachgeholten Konzerten kommt ja das reguläre Programm, für das ab heute Karten erhältlich sind. Der Saisonkalender listet 58 Konzerte, dazu gibt es ein reiches Rahmenprogramm. Dabei erinnert die Programmatik immer mehr ans vielspartige Wiener Konzerthaus. Im März 2021 gastiert Jazzgigant Chick Corea im Stefaniensaal, auch Hubert von Goisern, das Duo Igudesman/Joo und BartholomeyBittmann (diese sogar als Artists in Residence) sind Belege dafür, dass man das Programm weiter spannt als noch vor ein paar Jahren.

In erster Linie bleibt man der Klassik verpflichtet. Ein Beethoven-Schwerpunkt, Konzerte von Cecilia Bartoli, Elina Garanca, Camilla Nylund, Piotr Beczala, den Wiener Symphonikern, von Dirigenten wie Oksana Lyniv (die scheidende Chefidirigentin der Oper soll alljährlich in den Musikverein zurückkehren), Dennis Russell Davies und Adam Fischer. Gefeiert wird das 70-Jahre-Jubiläum der Grazer Philharmoniker. Nemeth: „Seit ihrer Gründung 1950 haben sie mehr als 1000 Konzerte bei uns gespielt.“

Weitere Artists in Residence sind Julian Rachlin, Sarah McElravy und Emanuel Tjeknavorian, es gibt „Konzerte für Menschenrechte“ (Nemeth: „Corona ist nicht nur eine gesundheitliche, sondern auch eine soziale Krise“), die Prokopp-Akademie der Wiener Philharmoniker führt „Don Giovanni“ auf, im Kinderzyklus zeigt man die Urfassung von „Hänsel und Gretel“. Neu: Die Kammerkonzerte wandern vom Stefanien- in den Kammermusiksaal.

Wer sich über den Musikverein informieren möchte, kann das in Corona-Zeiten von der Couch aus tun: Am Sonntag zeigt ORF III um 18.55 Uhr eine Dokumentation.