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Festspiel-PräsidentinHelga Rabl-Stadler: "Ich würde mir wünschen, dass es eine Frau wird"

Helga Rabl-Stadler über den Stand des Vorverkaufs, Pläne für Kooperationen mit Neo-Burgtheater-Direktor Martin Kusej und die Frage, ob sie gerne Kanzlerin geworden wäre.

Helga Rabl-Stadler
Helga Rabl-Stadler © APA/BARBARA GINDL
 

Noch knapp drei Wochen, dann starten die Salzburger Festspiele 2019. Zeit für einen Vorausblick mit Präsidentin Helga Rabl-Stadler (71), für die es die vorletzten Festspiele in Funktion an der Salzach werden dürften.

Wie läuft der Vorverkauf heuer?

Helga Rabl-Stadler: Der Vorverkauf läuft glänzend und übersteigt sogar die sehr guten Ergebnisse des Vorjahres. So waren beispielsweise die 14 "Jedermann"-Vorstellungen innerhalb von drei Tagen ausverkauft. Das war so früh noch nie der Fall! Offensichtlich ist Tobias Moretti ein ungeheures Zugpferd. Auch für "Idomeneo" oder "Salome" gibt es keine Karten mehr - und das sind ja nun beides wahrlich keine Blockbuster. Es gibt nur noch wenige Karten für "Medee", "Oedipe" und "Simon Boccanegra".

Wie ist der Stand der Sanierungsarbeiten an den Spielstätten respektive der dazugehörigen Finanzierung?

Rabl-Stadler: Dazu wird es am 24. Oktober eine Sondersitzung des Kuratoriums geben, auf die wir uns derzeit akribisch vorbereiten. Verantwortlich für dieses Jahrhundertprojekt Generalsanierung ist unser kaufmännischer Direktor Lukas Crepaz, der mit dem ihm eigenen Schwung und der Hilfe der BIG (Bundesimmobiliengesellschaft) Entscheidungsgrundlagen für die weitere Vorgangsweise des Kuratoriums budgetär wie organisatorisch erarbeitet.

Gibt es bezüglich des Schauspiels bereits konkrete Pläne mit dem neuen Direktor Martin Kusej für Koproduktionen?

Rabl-Stadler: Selbstverständlich. Martin Kusej war ein fantasievoller Leiter des Schauspiels der Festspiele in den Jahren 2005 und 2006. Er ist ein hervorragender Regisseur, und das Burgtheater war und ist für uns ein wichtiger Partner für Koproduktionen. Details wird unsere jetzige Schauspielchefin Bettina Hering bei unserer Jahrespressekonferenz für das Programm 2020 im November verraten.

Allgemein laufen ja die Planungen für die Jubiläumsausgabe 2020 auf Hochtouren. Werden Sie diese Festspiele substanziell von den heurigen unterscheiden?

Rabl-Stadler: Das Besondere im Jubiläumsjahr wird die Ummantelung sein. Wir werden also zusätzliche Elemente haben, etwa in Leopoldskron, wo alles begann, Lesungen oder Symposien zum Thema der Festspiele als Friedensprojekt. Wir wollen zudem das Fest zur Eröffnung zweitägig machen und einen Jedermann-Tag gestalten, also genau zum einstigen Eröffnungstag dem 22. August. Insgesamt wird das Programm noch ein bisschen verdichtet, aber mit 40 Tagen nicht länger. Ich bin überzeugt, die Festspiele haben auch deshalb ihre besondere Kraft, weil sie mehr sind als eine Aneinanderreihung von "Events". Der Glaube an die Kraft der Kunst trägt uns weiterhin.

Nicht zuletzt für diese Ummantelung setzen Sie auf ein Sonderbudget. Von welcher Größe sprechen wir hier?

Rabl-Stadler: Wir wollen im Jubiläumsjahr unsere Türen weit öffnen mit vielen Sonderveranstaltungen für die Salzburger. Vor allem die Kinder- und Jugendprojekte sollen geradezu explodieren. Das kostet einfach Geld. Im Mozartjahr 2006 hatten wir ein Sonderbudget von 2,5 Millionen Euro. Das wird es 2020 nicht geben, aber wir verhandeln. Denn die Festspiele werden nur einmal 100 und das sollten alle mitfeiern dürfen.

Das Ende Mai beschlossene Budget für das Jubiläumsjahr in Höhe von 66,5 Millionen Euro würde das Sonderbudget bereits beinhalten?

Rabl-Stadler: Die Gesamthöhe liegt bei 66,5 Millionen Euro ohne ein etwaiges Sonderbudget.

Wird es auch im Jubiläumsjahr eine Wiederaufnahme geben?

Rabl-Stadler: Wir wollen 2020 als Zeichen der Einbindung unserer Partner in Salzburg von der Mozartwoche den "Messias" in der sicher aufsehenerregenden Regie von Robert Wilson sowie die "Tosca" von den Osterfestspielen übernehmen. Von den Pfingstfestspielen gibt es den "Don Pasquale", der mit Cecilia Bartoli wieder eine besondere Attraktion zu werden verspricht.

Lässt sich der Wunsch von Intendant Markus Hinterhäuser, den Residenzhof im Jubiläumsjahr zu bespielen, realisieren?

Rabl-Stadler: Leider nein, auch weil wir technische Probleme mit dem Dach haben. Die Menschen sind mittlerweile sehr anspruchsvoll in puncto Akustik. Früher wurde akzeptiert, dass der Residenzhof seine Open-Air-Tücken hat. Man hört dort - bei aller modernen Technik beim Dach - einfach die Regenrinnen. Es tut mir leid, aber dafür haben wir noch keine Lösung.

Wird es andere neue Spielstätten für das Jubiläumsjahr geben?

Rabl-Stadler: Nein. Wir bespielen wieder unsere Stammspielstätten und das Republic, die Perner-Insel und Leopoldskron.

Wird nach der Einladung von Bundespräsident Alexander Van der Bellen Russlands Präsident Wladimir Putin zu den Festspielen kommen?

Rabl-Stadler: Ich kann mir das schon vorstellen. Der Sotchi-Dialog soll ja zeigen, dass es den zivilgesellschaftlichen Dialog weiterhin gibt - nicht alles muss auf Regierungsebene verhandelt werden. Auf der österreichischen Seite wird er für die Kultur von mir koordiniert. Es ist jedenfalls paktiert, dass der Sotchi-Dialog im Wechsel zwischen Russland und Österreich weiter stattfindet. Und kommendes Jahr wird es ihn während der Festspiele in Salzburg geben - um die Position der Festspiele als Friedensprojekt zu unterstreichen. Der Dialog wird also ein Teil der Ummantelungsveranstaltungen sein.

Zu einer anderen Präsidentschaft - Ihrer eigenen. Ihr Vertrag wurde jüngst bis Ende 2020 verlängert. Bleibt es bei ihrem Abschied?

Rabl-Stadler: Hundertprozentig! Es fällt mir rasend schwer, und ich hab keine Pläne für nachher. Ich bin dankbar, dass ich meine letzten Berufsjahre mit einem so wunderbaren Intendanten wie Markus Hinterhäuser gestalten kann und bin so selbstbewusst zu sagen: Wir sind ein Dreamteam. Trotzdem ist es irgendwann aus, und das wird der 31. Dezember 2020 sein. Ich will aufhören, solange es die Menschen noch bedauern.

Ist die Frist nicht äußerst knapp, wenn Ihre Nachfolge erst nach den Festspiele 2020 ausgeschrieben wird?

Rabl-Stadler: Meine Pläne sind ja weithin bekannt. Jeder, der sich bewerben will, kann sich also vorbereiten. Die Rolle einer Präsidentin ist ja eine unterstützende, keine kreative. Dadurch kann die Bestellung kurzfristiger erfolgen. Außerdem habe ich finanziell so gut vorgesorgt, dass meine Nachfolge Luft hat. Ich habe die meisten Sponsoring-Verträge bis mindestens 2021 fixiert. Da werde ich sehr fair sein - schon allein weil ich möchte, dass Markus Hinterhäuser weiterhin genügend Geld für sein Programm hat.

Haben Sie einen Wunschkandidaten für Ihre Nachfolge?

Rabl-Stadler: Ich könnte mir vorstellen, dass bei der traditionellen Kuratoriumssitzung im November der neue Präsident - oder die neue Präsidentin - vorgestellt wird. Ich würde mir wünschen, dass es eine Frau wird. Ich halte es für ziemlich unerträglich, wenn ein Dreiergremium heutzutage rein männlich besetzt ist. Aber ich gebe sicher keine Ratschläge!

Zum Abschluss noch einen Blick auf Ihre eigenen Karriereoptionen. Sie wurden auch als potenzielle Interimsbundeskanzlerin ins Gespräch gebracht. Wurden Sie konkret gefragt?

Rabl-Stadler: Nein.

Hätten Sie das Angebot angenommen, wenn es gekommen wäre?

Rabl-Stadler: Ich war schon für alles Mögliche im Gespräch. Aber ich sage Ihnen: Festspiel-Präsidentin zu sein ist schöner als Papst.

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