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Positiver TrendMusikmarkt 2018 durch Streaming im Plus

Digitalsektor überholte erstmals physisches Angebot. Insgesamt wurden 2018 in Österreich 153,3 Millionen Euro umgesetzt.

FESTIVAL 'ROCK IN VIENNA': FANS
Der Umsatz stieg 2018 um 5,5 Prozent. © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Der heimische Musikmarkt ist weiter im Aufschwung: Nachdem 2017 erstmals nach Jahren des Rückgangs wieder ein Wachstum verzeichnet werden konnte, hielt dieser Trend auch im Vorjahr an. 153,3 Mio. Euro Umsatz bedeuten ein Plus von 5,5 Prozent, wie der Verband der österreichischen Musikwirtschaft IFPI am Dienstag mitteilte. Größten Anteil daran hatte das nach wie vor boomende Streamingsegment.

Nicht zuletzt deshalb werde 2018 "in die Geschichtsbücher eingehen", betonte IFPI-Präsident Dietmar Lienbacher bei einer Pressekonferenz: Immerhin hat der digitale Markt sein physisches Pendant erstmals überholt. Umsätze mit Online-Musik summierten sich auf 62,5 Millionen Euro, für den Löwenanteil davon war Streaming mit 51,6 Millionen Euro (ein Plus von 58,3 Prozent) zuständig. Auf Downloads entfielen 10,9 Millionen Euro, was einem Minus von 19,1 Prozent entspricht. Am physischen Markt wurden 54,9 Mio. Euro (minus 15,3 Prozent) lukriert.

Album-Jahrescharts 2018

  1. "Vergiss mein nicht" - Andreas Gabalier
  2. "Divide" - Ed Sheeran
  3. "Helene Fischer" - Helene Fischer
  4. "Unerhört Solide" - Pizzera & Jaus
  5. "Palmen aus Plastik 2" - Bonez MC & Raf Camora
  6. "Mama Mia! Here We Go Again" - Soundtrack
  7. "Neujahrskonzert 2018" - Wiener Philharmoniker/Riccardo Muti
  8. "Tumult" - Herbert Grönemeyer
  9. "Soundtrack A Star Is Born" - Lady Gaga & Bradley Cooper
  10. „Niente" – Wanda

Single-Jahrescharts 2017

  1. "In My Mind” - Dynoro
  2. "Nevermind" - Dennis Lloyd
  3. "Bella Ciao" - El Professor
  4. "Solo" - Clean Bandit feat. Demi Lovato
  5. "500 PS" - Bonez MC & Raf Camora
  6. "These Days" - Rudimental feat. Jess Glynne & Macklemore & Dan Caplen
  7. "Friends" - Marshmello & Anne-Marie
  8. "One Kiss" - Calvin Harris & Dua Lipa
  9. "Cordula Grün" - Josh.
  10. "Rise" - Jonas Blue feat. Jack & Jack

"Bei Streaming hat sich der Umsatz seit 2016 beinahe verdreifacht", unterstrich Cornelius Ballin, Chef von Universal Music Austria. Es gebe natürlich die Hoffnung, dass diese Steigerungsraten künftig weiterzuführen sind. Potenzial sei jedenfalls vorhanden: Zwar sind kostenpflichtige Premium-Abos von Spotify und Co für den Großteil der Einnahmen verantwortlich, die höhere Nutzeranzahl entfalle aber noch auf werbeunterstützte Gratisangebote. "Es liegt natürlich auch im Interesse der Dienste, die Überführung hin zu den Premium-Abos zu steigern, es ist aber auch eine Gratwanderung", so Ballin.

Vinyl stagniert

Ein Plateau dürfte vorerst Vinyl erreicht haben, das wie schon 2017 bei 7,8 Millionen Euro Umsatz landete. Trotz der Rückgänge keineswegs zu vernachlässigen ist das CD-Segment, das immerhin noch auf 43,4 Mio. Euro kam - allerdings vom Streaming als stärkstes Einzelformat abgelöst wurde. Lizenzeinnahmen der Verwertungsgesellschaft LSG konnten ebenfalls zulegen und landeten bei 29,4 Mio. Euro (plus 5,4 Prozent). Komplettiert wird der Gesamtumsatz durch Merchandising sowie Lizenzierungen (6 Mio. Euro) und den Bereich Mobile (500.000 Euro).

IFPI-Geschäftsführer Franz Medwenitsch zeigte sich angesichts dieser Entwicklung "vorsichtig optimistisch". Ein für den Verband nach wie vor wichtiges Thema ist der sogenannte "Value Gap", also die verhältnismäßig geringen Zuflüsse durch große Video-Plattformen wie YouTube. Diese steuern lediglich 5,6 Prozent zum Streamingkuchen bei, obwohl die Nutzung bedeutend intensiver sei. Bei diesem schon seit Jahren beklagten Punkt setzt die IFPI auf die aktuell noch intensiv diskutierte Urheberrechtsreform der EU. "Realistisch gesehen hat die Kompromisssuche der vergangenen Monate mittlerweile aber dazu geführt, dass niemand mehr so richtig zufrieden damit ist." Es sei schwer, diesbezüglich "etwas endgültiges zu sagen", sagte Medwenitsch.

Kaum Chancen sehen die Branchenvertreter hingegen für einen Trend, der das Film- und Serienstreaming schon länger bestimmt: das Aufspringen der Plattformen selbst auf den Produktionszug. Während Netflix oder Amazon Prime Video verstärkt selbst als Contenthersteller fungieren, sei das für den Musikbereich kaum rentabel, glaubt Ballin. "Wieso sollten Streamingplattformen sich die harte Arbeit antun und hier Risikokapital verbrennen?", sieht er diese Aufgabe bei den Labels - egal ob Major oder Indie - beheimatet. Die neuen Angebote brachten das Podium jedenfalls zu einem sehr positiven Ausblick: Es sei "absolut möglich", wieder zu Umsatzgrößen von vor 20 Jahren zurückzukehren. Seitdem hat sich der Markt immerhin halbiert.

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