Bernhard Ebner ist Geschäftsführer der VP Niederösterreich, der mächtigsten Landes-Volkspartei. FlorianKlenk ist Chefredakteur der Wochenzeitung „Falter“ und Österreichs Journalist mit den zweitmeisten Followern auf Twitter. Beide fungieren als eine Art Klassensprecher. Der eine für die schwürkise (© „Falter“-Herausgeber Armin Thurnher) Kommunikation, der andere im linksliberalen Haltungsspektrum. Nun hat Ebner Klenk als politischen Akteur bezeichnet, der wie sein Blatt „nicht mehr mit Qualitätsjournalismus in Verbindung gebracht werden“ könne.
Die Proteste gegen diesen Angriff reichen vom Presserat bis zu Reportern ohne Grenzen, die sogar beim Bundespräsidenten vorsprachen. Doch die Volkspartei legt nach. Verfassungsministerin KarolineEdtstadler bagatellisiert die Attacke: „Manchmal muss man in der Politik zuspitzen.“ ÖVP-General Christian Stocker irrt gar: „Persönliche Angriffe sind von der Pressefreiheit nicht umfasst.“ Er bezieht sich auf folgenden Tweet von Klenk unter einem Foto von Edtstadler mit ihrem schwarzem Hund: „Ich mag die türkise Leine.“
Spätestens auf diesem Niveau braucht es einerseits einen Appell, die Kirche im Dorf zu lassen, zum anderen aber den Alarm, wohin der Weg führt, den nicht nur die ÖVP kontra kritischen Journalismus einschlägt. Hinter vorgehaltener Hand ist das parteiübergreifende Wehklagen zu Medien massiv wie nie zuvor. Umgekehrt ist die journalistische Geringschätzung von Politikern auf dem Tiefpunkt. Die stichhaltige Kritik am Qualitätsverlust als Ursache gegenseitiger Herabsetzung greift zu kurz. Die neuen technologischen Möglichkeiten der Grenzüberschreitung sorgen für den Ausbruch einer lange schwelenden Verachtung. Politik konnte immer Medien machen, Medien konnten immer Politik machen. Beides ist geschehen und war nie gut für eine Demokratie, in der die Rollen klar getrennt sein müssen, weil die Partner sich sonst selbst infrage stellen.
Wenn die ÖVP kritische Beobachter als „Gesinnungsjournalisten“ unglaubwürdig machen will und lieber auf freundliche und eigene Medien setzt, wird sie erneut höchstens zum Schmiedl. Der Schmied ist wiederum die FPÖ mit ihrer Social Media-Stärke, dem heimlichen Vorbild für alle Mitbewerber. Sie müssen erkennbar anders agieren, als es mit Prototyp Heinz-Christian Strache vorexerziert wurde. Wem dieser Name zur Abschreckung nicht genügt, der sei an Goethes „Zauberlehrling“ erinnert: „Die ich rief die Geister, werd ich nun nicht los.“ Wer die Kontrolle der Demokratie untergräbt, darf sich nicht wundern, wenn er unter die Räder ihrer Feinde kommt.