Kritik"8 Rue de l'Humanité": Lachen über die Pandemie

Die französische Komödie "8 Rue de l'Humanité" rekapituliert die zwischenmenschliche Seite der Pandemie. Man darf über Corona auch lachen.

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Es ist das fast vollständige Verhaltensensemble der Coronakrise, versammelt in einem Pariser Wohnhaus mit schickem Innenhof, in den alle Parteien des Hauses hinabblicken können. Da wäre die Familie, die wahlweise „hysterisch" oder „sehr vorsichtig" genannt werden könnte. Wie ihre Nachbarn versammeln sie sich abends am Balkon, um dem medizinischen Personal zu applaudieren, tragen aber auch dort einen Mund-Nasen-Schutz. Vorsicht geht auch vor, wenn dann die Ehefrau Claire, eine Anwältin auf Homeoffice-Abwegen, ihren Klienten getroffen hat. Kurzerhand wird sie vom hypochondrischen Ehemann auf den Gang verbannt, weil dieser keine Gefahrenquelle duldet. In anderen Wohnungen geht es nicht harmonischer, aber lustiger zu: Als der egozentrische Vater nur in der Badehose durch Eigenheim geistert, erheitert das die per Videokonferenz anwesende Schulklasse des Sohnes – Letzterer ist davon allerdings weniger begeistert.

Die französische Komödie versucht mit heiterer Lieblichkeit –die eine altbackene Note nicht verleugnen kann –Erlebnisse zu erfassen, die ihrer zeitgeschichtlichen Einordnung noch bedürfen. Im Mittelpunkt steht, was die meisten von uns selbst erlebt haben: notorische und patscherte Maskenverweigerer, die echten und die vermeintlichen Pandemieexperten, die allgemeine Unsicherheit, die in jede Ecke kriecht, die Neuentdeckung des digitalen Raumes und die Beklemmung, die in der Zuhausehaft entstehen kann, wenn das eigene Ventil unter Hochdruck steht. Unter der Regie des humorbegabten Dany Boon, der auch selbst eine der Hauptrollen spielt, wird dafür gesorgt, dass diese Quarantäne nicht in der Tristesse endet.

Fazit: Ein heiterer Film, der so ganz und gar nichts mit der Polarisierung zu tun haben will, die diese Pandemie leider begleitet. Eine Komödie, die einfach nur eine Komödie sein will.

 

 

 

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