Der vorweihnachtliche Sendeplatz ist für die Quotensieger aus Münster reserviert. Der neue „Tatort“ mit Professor Boerne (Jan Josef Liefers) und Frank Thiel (Axel Prahl) setzt dort an, wo andere Krimis aufhören: im Gerichtssaal. Auf der Anklagebank steht ein junger Mann, der seinen Freund erwürgt haben soll. Alles scheint für eine Verurteilung angerichtet, als die Staatsanwältin ihr Schlussplädoyer wegen kollektiver Verkühlung im Gerichtssaal abbrechen muss. Die Handlung nimmt Fahrt auf, als Thiel einen mysteriösen Anruf bekommt, der die Weihnachtsfeierlichkeiten verschiebt.

Kein „Tatort“ hat einen derart hohen Pointendruck wie jener aus Münster. Das kann nicht immer gutgehen: „Väterchen Frost“ hat eine ungesunde Schräglage ins Abstruse. Vielleicht ist die Glühwein-Zeit für die notorischen Bier- beziehungsweise Champagner-Drinker einfach nicht die ideale Zeit.

Diabolischer Bösewicht

Ein Höhepunkt in diesem Fall ist David Bennent (53). Sie wissen schon, jenem Mann, dem eine Rolle als Zwölfjähriger zum Segen und zum Fluch wurde. Der gebürtige Schweizer debütierte 1979 mit den stechend dunklen Augen als Glas zersingender und gegen den Nazi-Irrsinn trommelnder Oskar Matzerath in der legendären Verfilmung des Günter-Grass-Romans „Die Blechtrommel“. Lange auf die Rolle festgelegt, lehnte der Charakterdarsteller eine Fortsetzung stets ab.

Diese Rolle macht David Bennent berühmt: in "Die Blechtrommel"
Diese Rolle macht David Bennent berühmt: in "Die Blechtrommel" © © Seitz Filmproduktion

Nun, 40 Jahre später, feiert er sein „Tatort“-Debüt. Im Fall „Väterchen Frost“ erhält er mit seinen straff zurückgegelten Haaren einen diabolischen Look. Sein Blick lässt Gänsehaut auffahren und seine Nussknacker, die er in einem Juweliergeschäft verteilt, sind alles andere als harmlos. Dieser rätselhafte Verbrecher bereitet Boerne  und Thiel  jede Menge Ärger. Der Mime, der zuletzt in „Schuld“ von Ferdinand von Schirach oder der Serie „Dogs of Berlin“ zu sehen war.

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