Es muss nicht die große Glanz- und Glamour-Ballade à la Whitney Houston oder eine überschwengliche Uptempo-Nummer bzw. Gute-Laune-Beschallung sein, das haben zuletzt der Portugiese Salvador Sobral und die Ukrainerin Jamala bewiesen, doch Paendas Titel "Limits" wurde angesichts seiner ESC-Untypischheit auch nicht als Kleinod wahrgenommen. Und stand auch nicht durch eine politische Botschaft wie bei "1944" (Jamala) im Fokus.

Mag die Kopfstimme ohnehin manche Zuschauer und Zuhörer irritiert haben, zudem eine kleine gesangliche Unsicherheit geortet worden sein (was in beiden Semifinali freilich öfters vorkam), war der Zuspruch in der Kombination von Fachjuroren (fünf Köpfe pro Land) und Televoting des Publikums eben zu klein. Welche Platzierung die Steirerin tatsächlich im zweiten Halbfinale erreicht hat, wird vom Song-Contest-Veranstalter EBU erst im Laufe des Sonntags verlautbart, aber es hat eben nicht für die Top 10 gereicht.

Europa wollte lautere Töne

Wie bewertet ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner das zweite Halbfinale? "Europa hat sich diesmal für die lauteren Töne entschieden - was ich persönlich sehr schade finde. Wir haben das Musikland Österreich mit großer Qualität vertreten. Mein dank und meine Hochachtung gilt unserer Künstlerin", hält sie fest. Sie will zwar das Vorgehen für 2020 noch nicht bestätigen, dem Vernehmen nach bleibt es aber bei einer internen ORF-Auswahl, da mit Zoe Straub, Nathan Trent und Cesár Sampson dieser Weg erfolgreich eingeschlagen wurde.

Ein öffentlicher Vorentscheid via Casting-Show à la "Unser Lied für ..." steht nicht im Raum, sowohl aus Kostengründen als auch aus dem Grund, dass manche potenzielle Künstler sich keinem öffentlichem Auswahlverfahren aussetzen wollen. Was etwa Luca Hänni, Favorit aus der Schweiz, bestätigt: "Das Schweizer Fernsehen dachte schon öfter an mich, aber erst heuer angesichts einer internen Suche sagte ich zu und reichte einen Beitrag ein." Ö3-Mann Eberhard Forcher ist jedenfalls schon auf der Suche nach starken Stimmen und emotionsgeladenen Ohrwürmern für 2020. Finanziell kommt man ohne Vorentscheid per Live-Show auf rund 700.000 Euro für das Unternehmen ESC.

Paenda: "Bereue nichts"

Zurück zu Paenda nach ihrem Aus beim Halbfinale: Die 31-Jährige versteckte sich nicht nach dem Ergebnis, sondern stellte sich den Medien. „Ich würde im Nachhinein nichts anders machen“, gestand sie im Gespräch mit der Kleinen Zeitung, „ich bereue nichts und habe mir nichts vorzuwerfen.  Ich musste mich keine Sekunde verbiegen. Und es war ein großer Teil an Zuschauern dabei, die mich über die sozialen Medien wissen ließen, dass ihnen sehr wohl gefällt, was ich tue.“ Sie würde Duncan Laurence ("Arcade") aus den Niederlanden den Sieg am Samstag vergönnen: „Er ist so ehrlich, einfach geil, solche Typen braucht die Welt: Die sich hinstellen und ihr Ding durchziehen!“

Der Favorit aus den Niederlanden: Duncan Laurence
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