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StaatsoperDie Auftakttage der ersten Direktion von Bogdan Roscic

Die erste Saison des neuen Direktors am Ring beginnt inoffiziell bereits am 4. September mit einem prominent besetzten Symposium. Der erste Monat bringt Placido Domingo und ein Stardebüt.

STAATSOPER - SAISONAUFTAKT 2020: ROSCIC
Staatsoperndirektor Bogdan Roscic © APA/HANS PUNZ
 

Unter dem programmatischen Titel "Das Repertoiretheater ist tot! - Es lebe das Repertoiretheater?" widmen sich Experten wie der neue Chefdramaturg Sergio Morabito, der La-Monnaie-Intendant Peter de Caluwe, Dirigent Franz Welser-Möst oder Theater-an-der-Wien-Intendant Roland Geyer der Charakteristik des Hauses. Am Abend schließt sich die Präsentation des neuen Buches "Mein Tanz, mein Leben" durch Neo-Staatsballettdirektor Martin Schläpfer an. Die erste große Neuerung der Direktion Bogdan Roscic folgt dann am 5. September, wenn die Generalprobe zur ersten Saisonpremiere - der "Madama Butterfly" in der Deutung von Anthony Minghella mit Asmik Grigorian in der Titelrolle - angesetzt und für Unter-27-Jährige geöffnet ist. Das soll künftig Modell sein, um die Jugend ans Haus zu bekommen, die für die Generalproben Tickets für zehn Euro erwerben kann.

"Das ist für mich die wichtigste Veranstaltung", unterstrich Roscic. Und doch werde dies nicht größere Schritte ersetzen."Ich bin trotzdem der Ansicht, dass wir eine zweite Spielstätte brauchen - und zwar eine geeignetere, als wir sie jetzt haben", spielte der Staatsopern-Direktor auf das unter seinem Amtsvorgänger angemietete Theater Walfischgasse an. Nach der dann wieder traditionellen Matinee zur "Butterfly" am Sonntag folgt also am Montag (7. September) mit dem Puccini-Stück die erste Premiere der neuen Direktion, der sich tags darauf gleich "als Hommage an Harry Kupfer" die Wiederaufnahme von dessen "Elektra" anschließt.

Ausblick

Zu den weiteren Höhepunkten des ersten Monats gehört dann bereits am Mittwoch eine Repertoirevorstellungen des "Simon Boccanegra", für die neben Günther Groissböck auch der zuletzt wegen Vorwürfen sexueller Belästigung in Misskredit geratene Publikumsliebling Placido Domingo zu erleben ist. "Die Vorwürfe sind bekannt - wenngleich in einer für mich durchaus fragwürdigen anonymen Form", stellte Roscic klar. Für ihn stehe aber fest, dass sich Domingo für sein Verhalten selbst rechtfertigen müsse: "Und ich habe in der ganzen Diskussion nichts gefunden, das ein Berufsverbot für Placido Domingo rechtfertigt."

Zur Sicherheit

Die 567 Stehplätze wurden durch 181 "sehr bequeme Stühle" aus den Bühnenlogen beim Opernball ersetzt. Und die übrigen Plätze werden nach dem sattsam bekannten Prinzip des "dynamischen" Saalplans besetzt - je nach Zahl und Art der Buchungen, immer unter Einhaltung des Abstandsgebots zwischen den einzelnen Gruppen.
Im schlimmsten Fall könnten es so an einem Abend 950, im besten Fall rund 1200 Gäste im Haus an einem Abend sein, so Roscic.
Pausen wird es - anders als etwa bei den Salzburger Festspielen - geben. Dies liege daran, dass man in einem Repertoirehaus die vorhandenen Inszenierungen nicht kürzen könne und entsprechende Unterbrechungen benötige.


Mit dem Staatsopernerstauftritt des Shootingstars Pretty Yende in der Repertoirevorstellung des "L'elisir d'amore" von Donizetti am 14. September hat man dann noch ein veritables Hausdebüt im Talon. Am 4. März kehrt die 35-jährige Südafrikanerin dann auch gleich für die Premiere der "Traviata" zurück.

Und dann steht am 27. September mit der Wiederaufnahme von Peter Konwitschnys Inszenierung des "Don Carlos" noch eine halbe Premiere ins Haus. Da die aus 2004 stammende Arbeit, die große theatrale Elemente in den Pausen beinhaltete, in Coronazeiten so nicht mehr umsetzbar sei, habe man gemeinsam mit dem Regisseur eine kompatible Version erarbeitet. "Das ist ein Riesenprojekt - wie eine Neuproduktion", betonte Roscic, der mit Ildar Abdrazakov und Jonas Kaufmann auf der Bühne und Staatsopernrückkehrer Bertrand de Billy im Graben auch mit der Besetzung klotzen statt kleckern kann.

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Lodengrün
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Lassen wir

einmal die lästigen Nebengeräusche um Domingo weg. Wo aber bleibt der künstlerische Anspruch, wenn Herr Roscic ihn engagiert? Der Mann ist 79 und abgesehen davon, dass er auch als Bariton man stets ein Tenortimbre vernimmt,- er bringt die Partie nicht mehr. Die Tiefe ist verständlicherweise ohnehin nicht da, singt er die Höhen nur mehr mit Druck. Wenn er sie hat. Darüber hinaus bringt er keinen ganzen Abend kaum noch eine Vorstellung über die Bühne. Gut, er lässt sich nach wie vor gut verkaufen, - das ist aber nicht das, was im Fokus eines Theaters sein soll. Darüber hinaus. Überall will man Regietheater mit höchster Qualität bieten, quält die Sänger 6 Wochen mit Proben, dann kommt einer von den Stars der die Inszenierung an nicht einmal 2 Tagen szenisch "draufschaufelt". Ich weiß nicht wie das jetzt in Wien war, allgemein ist es aber so das Herr Domingo an nicht mehr als 2 Tagen zur Verfügung steht. Damit hatte schon Wolfgang Wagner mit ihm seinen Ärger.