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KulturanalyseKonrad Paul Liessmann: "Feuertrunken mit Beethoven und Schiller"

Die Verbotsgesellschaft, das Subversive am Rausch und die Grenzen der Brüderlichkeit: Philosoph Konrad Paul Liessmann widmete sich in seiner Eröffnungsrede zum Carinthischen Sommer 2020 der "Ode an die Freude". Hier ein Auszug aus dem Text.

Konrad Paul Liessmann
Konrad Paul Liessmann © KLZ/Markus Traussnig
 

Feuertrunken! Was für ein Wort! In der deutschen Sprache ist es bis zum späten 18. Jahrhundert unbekannt, und das legendäre Grimm’sche Wörterbuch verzeichnet nur zwei Fundstellen: In einer Novelle von Friedrich Müller, auch Maler Müller genannt, ist von einer „feuertrunknen Seele“ die Rede, und in Friedrich Schillers Ode „An die Freude“ betreten wir „feuertrunken“ das Heiligtum dieser Tochter aus Elysium. So sparsam also dieser Neologismus verwendet wurde, so groß ist der Assoziationsreichtum, den er auszulösen vermag. Da wir bei diesem Begriff Schillers Verse so im Ohr haben, wie es uns vor allem Beethovens Vertonung dieses Gedichts in seiner 9. Symphonie nahelegt, tendieren wir dazu, dieses „feuertrunken“ mit gehörigem Pathos aufzuladen. Das Feuer kann dann die lodernde Flamme der Leidenschaft oder der Freiheit sein, es ist die innere Glut, die Begeisterung, der Enthusiasmus, der uns antreibt, die Welt zu verbessern und der Humanität zum Durchbruch zu verhelfen (....)

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