Die Tochter aus einer jüdischen Familie besucht die Heimat ihrer Vorfahren. Mit ihrem Freund Peter unternimmt Lea aus New York eine Flussfahrt entlang eines als Donau erkennbaren Stroms, der sich durch eine braune Landschaft wälzt. Heimattümelei, der Hass auf alles Fremde sind hier so lebendig wie zu den finstersten Zeiten. Der daherschwadronierende Komponist Krachmeyer ist ein Salonfaschist, der Richard Wagner im Munde führt. Burschenschafter stimmen auf einer Hochzeitsfeier das Vorspiel zu den „Meistersingern von Nürnberg“ an, Populisten und Honoratioren sind als Wiedergänger der mörderischen Ideologie leicht zu identifizieren. Die sich allzugern der Verführung hingebende, verdummte Volksmasse verwandelt sich in Karpfen. Das symbolische Bild und der Befund sind eindeutig: es fischelt geistig. Komponist Johannes Maria Staud und Librettist Durs Grünbein treten in große Fußstapfen. Die satirisch-abgründige Gesellschaftsanalyse hat in Österreich Tradition, nicht nur Thomas Bernhard hat gezeigt, wie man Groteske, Analyse und politische Mahnung vernäht. Gemessen an solchen brillanten Überzeichnungen ist Durs Grünbeins Text plump. Obwohl von allerhand Natursymbolik durchtränkt, bleiben „Die Weiden“ bis zum Ärgernis unsubtil.
Wiener Staatsoper
Durch das Land der Karpfengesichter