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Mutige CollageImPulsTanz: Schräge Collage von Faust bis Fassbinder

Retrolook war gefragt: Michael Laubs "Fassbinder, Faust and the Animists" wurde bei seiner im Rahmen von ImPulsTanz im Akademietheater gefeiert.

Choreograph Michael Laub © APA
 

Rainer Werner Fassbinder ist eine Ikone des deutschen Autorenfilms, dessen Werke man heute kaum noch sieht. „Warnung vor einer heiligen Nutte“ entstand 1970 mit den Schauspielgrößen Hanna Schygulla, Ingrid Caven und Eddie Constantine. Die Handlung dreht sich um ein Filmteam, das am Drehort ewig lang auf den Regisseur wartet. Währenddessen werden unzählige Cocktails geschlürft, sowie dem Lebensgefühl der Sechzigerjahre gemäß reger sexueller Austausch praktiziert.
Der belgische Choreograph Michael Laub, ein Urgestein der Performance-Szene, nahm diesen Film als Vorlage und schuf eine Art atmosphärische Verdichtung aus Tanz, Schauspiel und Video. Die Idee ist nicht ganz neu; schon in den Achtzigern machte die britische Dance Company Second Stride Ähnliches mit Hitchcocks „Notorious“. Bei Laub ist der Tanz aber nur ein Teil der theatralen Mittel, wenn auch ein sehr spezieller. So beginnt die Performance mit Loungemusik und einem Gruppentanz der Akteure, einem „Madison“. Unterbrochen wird die Choreographie immer wieder von Szenen, den Originalen aus dem Film nachgestellt. Auf der Leinwand im Hintergrund sieht man diese ebenso wie von Laub nachgedrehte, so wie sie gleichzeitig auf der Bühne passieren.
Die Musik ist ident mit dem Filmsoundtrack, etwa Songs von Leonard Cohen und Ray Charles. Als Leitmotiv zum Madison gibt es immer die chilligen Beats. Konterkariert wird das Ganze von Szenen mit „Gretchen“ aus Goethes „Faust“. Ganz klar ist der Kontext nicht, aber im assoziativen Kosmos von Laub wird es schon Sinn ergeben. Astrid Endruweit gibt das Gretchen jedenfalls köstlich. Auch der als Moderator fungierende Maxwell Cosmo Cramer ist wunderbar, und überhaupt sind alle Akteure, die entsprechend ihrer Ähnlichkeit mit Fassbinders Schauspielern gecastet wurden, großartige Typen. Lukas Gander etwa spielt Fassbinder und man könnte glatt meinen, diesen leibhaftig zu sehen.
Wozu das alles? Es ist davon auszugehen, dass die wenigsten im Publikum den Originalfilm kennen. Es gelang Laub jedenfalls, ein spannendes neues Werk aus einem alten zu destillieren. Und er schuf eine tolle Fassbinder-Hommage.
Fassbinder, Faust and the Animists. Akademietheater Wien. 16. und 17. Juli. Karten und Infos: www.impulstanz.at

 

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