Oscar-Gala 2018Große Worte, starke Gesten: Die besten Momente

Viel guten Willen zeigten dieses Oscars, aber auch etliche wirklich fesselnde Momente: Das sind die besten Szenen der fast vierstündigen Live-Übertragung aus dem Dolby Theatre in Los Angeles.

Frances McDormand setzte ein starkes Zeichen © APA/AFP/FREDERIC J. BROWN
 

1. Frances McDormand nimmt ihren Oscar als beste Hauptdarstellerin für "Three Billboards" entgegen, kündigt eine Ohnmacht an und befiehlt dem Auditorium, sie im solchen Fall sofort wieder aufzuklauben, "weil ich was zu sagen habe". Dann dankt sie nicht nur ihrem Regisseur Martin MacDonagh und dem "Haufen Hooligans und Anarchisten" zu dem sie sich in Hollywood zählt, sondern auch ihrem Mann Joel und ihrem Sohn Pedro, "zwei starke Persönlichkeiten, die von feministischen Müttern gut erzogen wurden, die sich selbst einander und alle Menschen in ihrer Umgebung achten". Dann setzt sie ein starkes Zeichen für die Frauen in Hollywood: Alle oscarnominierten Frauen im Saal sollen aufstehen: Sekunden später steht rund ein Dutzend Schauspielerinnen, Designerinnen, Autorinnen, Regisseurinnen in dem hunderte Menschen fassenden Raum. "Sprecht mit uns", sagt McDormand, "denn wir haben Geschichten zu erzählen und Projekte zu finanzieren!" Es ist ein Aufruf an Hollywood, Frauen im Filmbusiness besser wahrzunehmen. Derzeit werden nur 11 Prozent der Hollywoodfilme von Frauen gemacht.

2. Guillermo del Toros Dankesreden für den Preis als bester Regisseur und für den besten Film: "Ich bin selbst ein Immigrant", sagt der gebürtige Mexikaner del Toro, "ich lebe seit 25 Jahren hier. Zum Besten, was unsere Branche zuwege bringt, gehört das Ausradieren der Zufallslinien im Sand. Ich denke, das sollten wir weiterhin tun, gerade wenn die Welt dabei ist, diese Linien zu vertiefen." Del Toro bezieht sich auf die Grenzmauer, die Donald Trump an der US-mexikanischen Grenze bauen will. Seine zweite Botschaft: Er widmet den Preis für den besten Film den jungen Filmemachern, "denn es sind die Jungen, die uns zeigen, wie man's anpackt. In jedem Land der Welt." Jeder Träumer könne seine Fantasie für die Geschichten benutzen, die es zu erzählen gilt, sagt er und witzelt: "Das Tor ist da, tretet es ein."

3. Jordan Peele über die Unmöglichkeit, "Get Out" zu drehen. Dreifach oscarnominiert für einen Debütfilm: auch keine Alltäglichkeit. Er habe 20mal, sagt Peele, die Arbeit an dem Drehbuch aufgegeben, "weil ich dachte, das ist unmöglich und wird nie etwas, niemand wird diesen Film produzieren wollen. Aber ich bin immer wieder darauf zurückgekommen, weil ich wusste: Wenn mich jemand diesen Film machen lässt, würden die Menschen ihn wahrnehmen und wertschätzen." Gewidmet hat er seinen Oscar für die ungewöhnliche Horror-Rassismus-Satire allen, die halfen, seine künstlerische Vision in die Tat umzusetzen.

4. Eine Dankesrede in Gebärdensprache. Christ Overton und Rachel Shenton gewannen mit ihrem Film "The Silent Child" die Kategorie "Bester Kurzfilm". Der Film handelt davon, wie ein gehörloses kleines Mädchen die Gebärdensprache lernt. Shenton hielt ihre Rede auf Englisch und in Gebärdensprache, "das haben wir unserer sechsjährigen Hauptdarstellerin versprochen", sagte sie.

5. Jimmy Kimmels Auftrittsrede. Der bekannte TV-Moderator hielt sich mit Witzchen relativ zurück - Seitenhiebe gegen die Gagen-Ungleichheit  in Hollywood und  gegen den meistfrequentierten rechtskonservativen US-Sender gingen sich aber aus: "Oscar ist heuer 90", so Kimmel, "wahrscheinlich sitzt er also zuhause und schaut Fox News." Und, in Bezugnahme auf die sexuellen Übergriffe, die Hollywood seit Monaten erschüttern: "Man wundert sich nicht, dass Oscar die meistrespektierte Figur in ganz Hollywood ist. Er hat seine Hände immer dort, wo man sie sieht, er sagt nichts Übles und das Wichtigste: Er hat gar keinen Penis." Dann wird Kimmel ernst: "Die Welt schaut auf uns. Wenn wir in Hollywood es endlich schaffen, sexuelle Übergriffe in der Filmbranche abzustellen, müssen Frauen nur mehr an jedem anderen Ort der Welt mit sexuellen Attacken rechnen", stellt er kritisch fest.

Kommentare (2)

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Elli123
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Guillermo del Toro

keine Grenzen mehr (und für alle soll Milch und Honig fließen).....ein schöner, aber leider kein sehr realistischer Gedanke.

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furki
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1
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"Metoo"

ist das Schlimmste,was unserer Gesellschaft passieren kann. Auch für die Frauen, aber anders gemeint jetzt. Das Auseinanderdividieren der Geschlechter wird sich absolut negativ auf unsere westliche Gesellschaft auswirken, jeder Mann sei gewarnt, sich mit einer Frau einzulassen und sich "falsch" zu nähern. Andererseits, die ganze Filmbranche kann immer nur ein Sündenpfuhl sein, was sich so im Hintergrund abspielt, möchte keiner genau wissen, da spielen die Frauen die Hauptrolle. Allein viele Filme sind schon zum Kotzen, denke nur an Tatort oder Vorstadtweiber etc.etc.etc....

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