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klagenfurter ensembleWarten auf Achill beim Pandemiefestival

„Hennir“ oder einfach zum Wiehern: Auf dem Klagenfurter Messeplatz startete die „ke“-Theatersaison mit einem grotesken Kammerspiel von Antonio Fian.

Ein starkes Duo: Nadine Zeintl und Oliver Vollmann in der „ke“-Produktion von Antonio Fians „Hennir“ © klagenfurter ensemble
 

Nadine Zeintl ist die Penthesilea vom Krappfeld: eine erfolglose Schauspielerin aus Kärnten, die so gerne die Amazonenkönigin verkörpern würde, es aber nur zur Pferde-Imitatorin gebracht hat. In einem Tonstudio, wo der Trojanische Krieg für junge Hörer aufgenommen werden soll, leiht sie ihre Stimme einem sterbenden Pferd und wartet auf den Darsteller des Achill, der irgendwo im Stau steckt. Samuel Beckett lässt grüßen in diesem grotesken Kammerspiel, in dem neben der Pferdeflüsterin nur noch ein taubblinder Stummfilmpianist anwesend ist.
Mit Antonio Fians 2009 in Wien uraufgeführtem Stück „Hennir“ (französisch für „wiehern“) hat das klagenfurter ensemble in Kooperation mit dem Heunburg Theater in Krisenzeiten aufs richtige Pferd gesetzt. In der Neufassung, die am Mittwoch über die Freiluftbühne neben dem Theater Halle 11 ging, kommt zwar Corona nicht vor, dafür „die neue Kulturstaatssekretärin“ und so mancher Hinweis auf prekäre Arbeitsverhältnisse. Sattelfestigkeit in griechischer Mythologie ist hilfreich bei dieser sentimentalen Satire, mit der sich Fian auch Seitenhiebe auf die zeitgeistige Aufmachung antiker Stoffe erlaubt: Mit „Dem hat doch Zeus ins Hirn geschissen!“ zitiert er etwa Raoul Schrott und dessen Neuübersetzung von Homers Ilias.

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