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Kunst im DomSpirituelle Gipfeltour mit Leiter und T-Shirt

Gertrud Weiss-Richter hat die Fastentuch-Installation im Klagenfurter Dom gestaltet – als Einladung zum Streben nach Höherem.

Gertrud Weiss-Richter (77): „Barock ist schön, aber für die Fastenzeit ist größere Schlichtheit passender“ © Traussnig
 

"Ich bin schon gespannt, wie es sein wird, hinter dem Tuch zu zelebrieren“, fragte sich Dompfarrer Peter Allmaier nach dem Aufbau der 20 Meter langen Stoffbahn, die sich vor dem Volksaltar bis hinauf zum Kirchengewölbe erstreckt. Spätestens bei der heutigen Aschermittwochliturgie wird er es wissen.
Das schemenhafte Bild, das er dabei für die Gottesdienstbesucher abgeben wird, sei jedenfalls ein Sinnbild für die „Verborgenheit der Dinge“, wie sie etwa Paulus in seinem Korintherbrief anspricht: „Jetzt sehen wir nur ein unklares Bild wie in einem trüben Spiegel; dann aber schauen wir Gott von Angesicht“, heißt es dort.
Um eine höhere Schau geht es auch der Klagenfurter Künstlerin Gertrud Weiss-Richter, die mit dem weißen Band eine Art „Himmelsleiter“ schuf, wie sie in der christlichen Kunst – meist im Zusammenhang mit der Jakobs-Erzählung – recht häufig vorkommt. Über deren Sprossen, angedeutet durch zarte Querstreifen, sollen die Gläubigen ihren geistigen Aufstieg erleben, zu Gott oder zu sich selbst, was für spirituelle Menschen wie Weiss-Richter ohnehin dasselbe ist.
„Barock ist schön, aber für die Fastenzeit ist größere Schlichtheit und Reduktion passender. Für mich ist Weiß die Farbe der Kontemplation. Dazu soll meine Installation anregen“, erklärt die 77-jährige Absolventin der Wiener Kunstakademie, die bereits vor einem Jahr mit einer poetischen Installation in der Burgkapelle des MMKK beeindruckte.

Weißes Hemd in T-Form

Hinter ihrer lichterfüllten „Himmelsleiter“ hat Gertrud Weiss-Richter einen weiteren Stoff gespannt, eine Art Hemd in T-Form, das den letzten Buchstaben des hebräischen Alphabets wiedergibt. In der Bibel gilt das „Taw“ als „Erkennungszeichen der von Gott Geliebten“ (Allmaier) und wurde als „Tau“-Zeichen auch vom heiligen Franziskus verwendet, als Abkürzung für „tapeinos“, das griechische Wort für demütig, niedrig.
Das blütenweiße T-Shirt vor dem Hochaltar des Doms verkörpert das eigentliche Fastentuch. Es verdeckt das Allerheiligste und weist zugleich auf die bevorstehende Passion Christi hin („sie haben ihn seiner Kleider beraubt“). Dieselbe Aufgabe sollen in den kommenden Wochen auch fastenzeitliche Domkonzerte erfüllen, wie etwa die Aufführung von Pergolesis berühmtem „Stabat mater“ durch den Dommusikverein (29. März, 16 Uhr).

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