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PremierenkritikAlfred Dorfer macht Mozarts "Figaro" zum Bühnenereignis

Der Kabarettist und Klassikliebhaber Alfred Dorfer führte erstmals Opernregie. Seine durchdachte Inszenierung von Mozarts "Figaro" und eine rundum exzellente musikalische Deutung machten die nur im TV zu sehende Premiere aus dem leeren Theater an der Wien zu einem Glücksfall.

Remise statt Garten: Das "Figaro"-Ensemble im Bühnenbild von Christian Tabakoff © TADW/Moritz Schell
 

Seltsamer Premierenbesuch, selbst für einen altgedienten Kritiker: Man quetscht sich nicht in die roten Theatersessel, sondern fläzt daheim vorm Fernseher… „Le nozze di Figaro“, die Opera buffa aus dem Jahr 1786 von Wolfgang Amadeus Mozart und seinem Librettisten Lorenzo Da Ponte nach einer Komödie von Beaumarchais, wäre am 12. November im Theater an der Wien gestartet. Corona wollte es anders. Aber um nicht ins Leere zu proben, entschloss man sich, die Premiere ohne Publikum im Haus zu geben und sie im ORF III in der Reihe „Wir spielen für Österreich“ zu zeigen.

Sehnsucht, Eifersucht, Selbstsucht, Habsucht: Ja, da lebt ein ganz schöner Suchthaufen im spanischen Hause Almaviva. Hier das Grafenpaar, das sich auseinandergelebt hat. Dort die Angestellten, die sich – ein jeder ein bisschen anders – zusammenleben wollen. Schon gar Figaro und Susanna, deren Hochzeit ansteht. Aber das gibt es noch die Begehrlichkeiten des Grafen, und auch die zu hoch gesteckten Wünsche und Ziele anderer könnten diese noch verhindern.

In diesem Lustspiel im wahrsten Sinn des Wortes, das auf den ersten Blick keine heutige #MeToo-Debatte überleben würde, sind die Frauen die Projektionsflächen von Erotik und Sex. Allerdings durchkreuzen sie die Pläne der Männer, weil sie ihre eigenen haben. Und so lautet nach etlichen gesponnen Intrigen und einem finalen Verwirrspiel die Conclusio in etwa: Es lohnt sich, um die Liebe zu kämpfen, Kampf bedeutet allerdings zumeist auch Wunden.

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