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NachrufRegisseurin Cornelia Crombholz allzu früh verstorben

Cornelia Crombholz, 13 Jahre lang am Schauspielhaus Graz als Hausregisseurin engagiert und zuletzt in Magdeburg als Theaterleiterin tätig, starb im Alter von erst 52 Jahren.

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Cornelia Crombholz (1967 - 2019) © Jürgen Fuchs
 

Mit der stürmisch bejubelten Inszenierung von Werner Schwabs frühem Geniestreich "Die Präsidentinnen", dem grandiosen kleinen Theaterexzess, hatte sie sich im Jahr 2000 in Graz vorgestellt. Danach zeigte Cornelia Crombholz, die nicht "aus jedem beliebigen Stück krampfhaft zeitgemäße Brisanz herauslesen wollte", am Schauspielhaus 13 Jahre lang weitere aktuelle, überzeugende, bildreiche, sinn-, lust- und kraftvolle Arbeiten: Noch in der Ära Matthias Fontheim von Molières "Bürger als Edelmann" über Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" bis zur Uraufführung von Johannes Schrettles "Dein Projekt liebt dich". Und in der Ära Anna Badora ab 2006 von Tschechows "Platonow" über Hebbels "Nibelungen" und "Opening Night" nach dem Film von John Cassavetes Regie bis herauf zu Georges Feydeaus Komödie "Floh im Ohr".

"Ich liebe die Stadt und dieses Theater", sagte uns die Graz so lange verbundene Regisseurin in einem Interview einmal. Jetzt ist Crombholz im Alter von erst 52 Jahren an Krebs verstorben, wie das Theater Magdeburg bestätigt, wo sie zuletzt als Direktorin der Schauspielsparte tätig war.

Cornelia Crombholz, geboren 1967 in Halle/Saale, hatte von 1986 bis 1989 Schauspiel an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam studiert und arbeitete danach als Schauspielerin, bevor sie von 1992 bis 1995 ein Regiestudium am Max-Reinhardt-Seminar in Wien absolvierte. Seit damals inszenierte sie unter anderem an der Baracke des Deutschen Theaters Berlin (u. a. "Becketts Spiel"), am Berliner Ensemble ("Biedermann und die Brandstifter"), am Bayerischen Staatsschauspiel München (u. a. "Der tollste Tag« von Peter Turrini), am Volkstheater Wien, an den Staatstheatern in Wiesbaden, Nürnberg und Mainz, am Theater Osnabrück und am Theater Heidelberg.

Von 2013 bis 2014 leitete sie die Schauspielsparte am Volkstheater Rostock. Am Theater Magdeburg gab Crombholz, die am Sprechtheater immer wieder bewusst viel Musik einsetzte, mit Leoš Janáčeks "Jenůfa" 2011 ihr Debüt als Opernregisseurin, worauf hier 2015 die Deutsche Erstaufführung von Zdeněk Fibichs Oper "Die Braut von Messina" sowie 2016 das Musical "Ein Käfig voller Narren" folgten.

Von 2014 bis 2019 war Crombholz Schauspieldirektorin am Theater Magdeburg, dessen Intendanz übrigens die ehemalige Grazer Opernchefin Karen Stone innehat. Wichtige Arbeiten in dieser Zeit waren neben mehreren Shakespeare-Inszenierungen und -Adaptionen die Antiken-Trilogie "Antigone und Ödipus" sowie die Uraufführung "Die Präsidentin" nach dem Comic von François Durpaire und Farid Boujellal mit Corinna Harfouch als Marine Le Pen. In den drei Roman-Adaptionen "Spur der Steine" (Erik Neutsch), "Kruso" (Lutz Seiler) und zuletzt im April dieses Jahres "Düsterbusch City Lights" (Alexander Kühne) setzte sich die gebürtige Ostdeutsche mit Utopie und Scheitern der DDR auseinander. Außerdem initiierte sie mit dem Festival "Wilder Osten" eine intensive Zusammenarbeit mit der Theaterszene der Ukraine. 2020 hätte sie als Regisseurin von Weills Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" ans Magdeburger Opernhaus zurückkehren sollen.

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