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HamburgSerebrennikow triumphiert mit "Nabucco"

Giuseppe Verdis Freiheitsoper "Nabucco" hat am Sonntagabend an der Hamburgischen Staatsoper eine triumphale Premiere erlebt. Die Inszenierung war mit besonderer Spannung erwartet worden, denn der in Moskau unter Hausarrest stehende Regisseur Kirill Serebrennikow konnte die gesamte Arbeit nur über Videobotschaften leiten.

© APA (dpa)
 

Der Künstler steht seit gut eineinhalb Jahren in Moskau unter Hausarrest. Seit dem 7. November 2018 wird vor Gericht gegen ihn verhandelt. Die Ermittlungsbehörden werfen Serebrennikow vor, über seine Produktionsfirma "Siebtes Studio" Fördergelder in Millionenhöhe veruntreut zu haben. Der Künstler bestreitet die Vorwürfe. Kritiker sehen in dem Prozess ein Zeichen für die kritische Kulturszene in Russland.

Die Handlung der Oper verlegte Serebrennikow in den UNO-Sicherheitsrat, wo über das Schicksal von Millionen Geflüchteter verhandelt wird. Für seine dezidiert politische Lesart holte er in Hamburg lebende Geflüchtete auf die Bühne und zeigte zwischendurch Reportagefotos vom Exodus der syrischen Bevölkerung. Einzelne Zuhörer reagierten am Premierenabend empört auf die schockierenden Bilder.

Serebrennikow ist eine überaus lebendige Personenregie gelungen. Der exzellente Bariton Dmitri Platanias als Nabucco führt eine starke Sängerriege an. Glänzend einstudiert ist der Chor der Hamburgischen Staatsoper, und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg unter der Leitung von Paolo Carignani musiziert flexibel und mit italienischem Schwung.

Ausgerechnet die Hauptperson fehlte am Sonntagabend auf der Bühne, um den Jubel für die Premiere entgegenzunehmen. Serebrennikow führte bei der Neuinszenierung Regie und entwarf Bühnenbild und Kostüme. Er konnte während der gesamten Produktionszeit jedoch kein einziges Mal nach Hamburg kommen.

Seine persönliche Situation macht der Regisseur in der Inszenierung nicht ausdrücklich zum Thema. Dennoch schwingt sie mit. Gefangenschaft ist auch in Verdis "Nabucco" ein Motiv, werden doch in der alttestamentarischen Geschichte die Hebräer von den Babyloniern verschleppt. Serebrennikow interpretiert das Stück dezidiert politisch und scheut dafür auch vor plakativen Mitteln nicht zurück. Er verlegt die Handlung in den UN-Sicherheitsrat. Die Verschleppten sind bei ihm die Millionen Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Unterdrückung ihre Heimat verloren haben. Stellvertretend für sie holt er in Hamburg lebende Geflüchtete auf die Bühne, ein "Projektchor Nabucco" singt seine eigene Version des berühmten Gefangenenchors "Va, pensiero".

Eine Regiearbeit lebt normalerweise vom direkten Kontakt zwischen Regisseur und Darstellern. Serebrennikow darf aber mit kaum jemandem sprechen, das Internet darf er nicht benutzen. Er kommunizierte über Videobotschaften, die aufgezeichnet und weitergeleitet wurden. Co-Regisseur Evgeny Kulagin hat von Hamburg aus beständig zwischen Serebrennikow und dem Ensemble vermittelt.

Die Mühen und Umwege der Kommunikation sind der Inszenierung nicht anzumerken. Die zahlreichen Chor- und Ensembleszenen wirken natürlich bewegt. Serebrennikow zeichnet Persönlichkeiten, keine Typen. Selbst mit der machtgierigen, von Oksana Dyka mit metallischem Timbre und hochdramatisch gesungenen Abigaille kann der Zuhörer mitfühlen. Dem exzellenten Bariton Dimitri Platanias gelingt ein differenziertes Rollenporträt der Titelfigur.

Eberhard Friedrich hat den Chor der Hamburgischen Staatsoper glänzend einstudiert, und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg musiziert unter der Leitung von Paolo Carignani flexibel und mit italienischem Schwung. Beim Schlussapplaus entrollten Kulagin und das Regieteam auf der Bühne ein Transparent "Free Kirill".

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