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Premiere in St. MargarethenDirigentin Anja Bihlmaier: "Jede Stimme braucht ihr Tempo"

Die Deutsche Anja Bihlmaier dirigiert ab heute den „Rigoletto“ im Römersteinbruch St. Margarethen. Sie ist die allererste Frau, die bei der Großveranstaltung am Pult steht.

Dirigentin Anja Bihlmaier © Arenaria/Tischler
 

Erstmals steht heute bei den Opernfestspielen in St. Margarethen eine Frau am Pult. Die junge Deutsche Anja Bihlmaier, die unter Scott Sandmeier in Freiburg und unter Jorge Rotter und Dennis Russell Davies am Mozarteum in Salzburg studierte, dirigiert Giuseppe Verdis „Rigoletto“. Im Jänner wird sie, mit dem „Figaro“ ihr Debüt an der Wiener Volksoper feiern.

Sie stammen, wie Sie sagen, aus einem „Dorf im Stuttgarter Raum“. Wann begann Ihr Weg zur Musik?
ANJA BIHLMAIER: Die Eltern sangen im Kirchenchor, und ich lernte Blockflöte. Der Musiklehrer, der auch toll dirigieren konnte, borgte mir zum Lernen eine Geige, und offensichtlich hat er mein Talent erkannt. In Wasseralfingen habe ich mit 90 Fünft-Klässlern die szenische Kantate „Till Eulenspiegel“ von Günther Kretzschmar einstudiert. Ich war sehr glücklich, vorne zu stehen, und ich merkte, dass das mein Platz ist.

Der Dirigenten-Virus hatte Sie schon in der Schule gepackt?
ANJA BIHLMAIER: Ja, wenn man das einmal „geschmeckt“ hat, ist es wie eine Berufung. Ob Probe, ob Aufführung: Ich stehe da und bin glücklich, die Musiker zu einer großen Idee zu vereinen, mit der man die Zuschauer beschenken kann.

Wie ist das bei einem Meisterwerk wie „Rigoletto“, das einst Verdis Ruhm begründete?
ANJA BIHLMAIER: Das geht schon mit der Ouvertüre los, wo der Fluch manifestiert wird. Die Charaktere sind sehr diffizil gezeichnet, keiner hat nur eine Seite. Das Vielschichtige und die Personenführung sind wie bei Mozart, und all die Schattierungen, die leuchtenden und die düsteren Farben versuche ich, aus dem Orchester und den Sängern herauszuholen. Etwa all das Schöne, Hässliche, total Verzweifelte und Wütende bei der Titelfigur.

In St. Margarethen ist jede Partie zweifach besetzt?
ANJA BIHLMAIER: Und ich übe mit beiden nie dieselbe Interpretation, denn jede Stimme braucht, um sich zu entfalten, ein bestimmtes Tempo.

Es dirigieren noch immer nicht sehr viele Frauen. Hatten Sie je Probleme?
ANJA BIHLMAIER: Nicht mit den Orchestern. Wo ich eingeladen bin, bin ich willkommen. Aber als Frau kriegt man nicht so viele Einladungen wie die Herren.

Schon Vorfreude auf die Wiener Volksoper?
ANJA BIHLMAIER: Selbstverständlich. Das Haus habe ich bisher noch nicht betreten. Doch in Wien Mozart dirigieren zu dürfen – das ist schon was, und ich bin sehr neugierig auf den speziellen Klang des Orchesters.

Giuseppe Verdi, Rigoletto: Steinbruch St. Margarethen, Premiere: Heute, 20.30 Uhr, zu sehen bis 19. August. www.arenaria.at

Kommentare (1)

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Lodengrün
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Jetzt einmal abgesehen der Dirigenten

der man nur TOI TOI TOI wünschen kann. Es gibt kaum einen Dirigenten der nicht sagt er würde mit dem Sänger atmen, im Raum geben, tragen. Was tun sie? Sie sind so sehr mit der Partitur und dem Graben beschäftigt das sie gar nicht sehen und hören was auf der Bühne abgeht. Oft von der Symphonik kommend gehen sie dann ihren Klangvorstellungen nach mit dem Ergebnis das der Sänger mit einem Stahlbad von Klang konfrontiert ist den er nie und nimmer bewältigen mag. Ausnahme? Nein das ist die Regel. Den Weg, Korrepetitor, Coach, Kapellmeister geht man heute fast nicht mehr. Oder wenn viel zu kurz. Ein Levine begleitete Sänger Jahre bei ihren Gesangslehrern. Ich erlebte wie er beim Hören eines Sängers wußte bei welchem Lehrer er studierte. Thielemann, Papano, Barenboim begleiten Dich spontan ohne Noten. Im Gegensatz hast Du bei Currentzis das Tempo und die Lautstärke zu singen die ihm vorschwebt ungeachtet ob man es schafft oder auch nicht.

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