KritikDiagonale im Theater: Fräulein Julie hört nicht auf

Das Filmfestival Diagonale feiert seine Premiere im Schauspielhaus Graz: Regisseur Ludwig Wüst inszeniert "Fräulein Julie". Eine Wiedergängerin belebt Strindberg-Kammerspiel.

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Julia Franz Richter, Gerhard Balluch
Wüst erzählt Strindbergs "Fräulein Julie" als ewige Geschichte von Habichten und Tauben mit Julia Franz Richter und Gerhard Balluch © Lupi Spuma
 

Mittsommernacht, Fräulein Julie erwacht, das Spiel kann beginnen. Das „Vampirspiel“, wie Ludwig Wüst es nennt. Dem Tischler, Film- und Theatermacher hat die Diagonale heuer eine Personale gewidmet; dazu gehört die Strindberg-Inszenierung auf der Hauptbühne des Grazer Schauspielhauses.

Wüsts verordnet dem Kammerspiel einen Zeitsprung: Der Hausdiener Jean, mit dem Julie eine fatal geendete Nacht verbracht hat, ist bei ihm ein mittlerweile gealterter Mann. Mit ihm und seiner Partnerin Kristin spielt Wiedergängerin Julie, frisch aus dem Sarg gehüpft, ihr eigenes Drama nochmals durch. Wüst erzählt das, unter einem dunklen Himmel voller ausgestopfter Raubvögel, als ewige Geschichte von Habichten und Tauben.

Ludwig Wüst, Maja Savic, Sebastian Höglinger
Holten die Diagonale ins Kino: Ludwig Wüst, Maja Savic, Sebastian Höglinge Foto © Lupi Spuma

Höchst konzentriert

Mit ihm stellen sich, in einer wunderbar konzentrierten Arbeit, Julia Franz Richter, Gerhard Balluch und Margarethe Tiesel nicht nur Strindbergs unbehaglicher Analyse des Wechselspiels von erotischer und sozialer Unterdrückung: Der ganze Abend verströmt die Melancholie verwelkter Sehnsucht und Ambition. Ewig schade, dass dieses „Fräulein Julie“ nur ein einziges Mal, im Festivalrahmen nämlich, erwacht ist.

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