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Buch der Woche Peter Carey auf dem Horrortrip durch Australien

Peter Carey nimmt ein legendäres Autorennen zum Anlass für eine rasante Reise mitten hinein in Australiens dunkle Vergangenheit. Ein Horrortrip.

Ulf Andersen Portraits - Peter Carey
Moralische Tiefenbohrungen: Peter Carey (75) © Getty Images
 

Immer wieder verblüfft Peter Carey, sicher einer der wichtigsten australischen Autoren der Gegenwart, durch die thematische Vielfalt seiner Werke, aber auch durch die Wahl der Schauplätze. Er begab sich auf die Spuren von Tristram Shandy und des Outlaws Ned Kelly, er begab sich in den Cyberkrieg und in die Welt der Kunstfälschungen.
Nun dient ihm das verrückteste Autorennen der Welt, das rund 10.000 Kilometer lang um Australiens Küste führt, als Ausgangsbasis, um ein großes Themenpaket zu schnüren.
Aber das Rennen, der sogenannte Redex Trial, ausgetragen 1954, dient in „Das schnellste Rennen ihres Lebens“ nur als Basismaterial für moralische Tiefenbohrungen in einer anscheinend recht intakten und heilen Welt in der australischen Provinz. Mit auf die Reise oder Irrfahrt in dunkle Zeiten nimmt er ein anfangs recht glückliches Ehepaar, einen Lehrer namens Willi Bachhuber, der glaubt, Sohn eines eingewanderten deutschen Pastors zu sein, einen reichen Farmer und Ausbeuter sowie James Cook, der 1770 den Kontinent Down Under entdeckte und für zahlreiche grauenhafte Gemetzel verantwortlich zeichnete.

Psychische Pannen

Das Ehepaar nimmt an der Rallye teil, der enorm belesene Lehrer ist als Navigator mit von der Partie, alsbald häufen sich nicht nur die psychischen Pannen. All das ist durchaus spannend und rasant geschrieben. Aber im Visier hat Peter Carey (75), zweifacher Booker-Prize-Gewinner, die dunklen Seiten und Zeiten Australiens; einige Kapitel sind bis heute nicht abgeschlossen. Die oft gewaltsame Unterdrückung der Aborigines zählt dazu, der Rassismus und der Mangel an Gleichberechtigung. Carey belegt, dass das Schlagwort von der australischen Nationalkultur durchaus doppeldeutig ist.
Ein enorm vielschichtiges Werk, reich an verblüffenden Wendungen, die zum Markenzeichen von Carey zählen. Aber diesmal taucht er auch ein in die magisch-mythische Welt der Aborigines, die, fernab vom Renngetöse, auf ihrem Traumpfaden wandeln, wissend, das die Albträume präsent sind.

Ein Rätsel aber bleibt: Im Original heißt das Buch "A Long Way from Home". Und irgendwie ist die Übersetzung meilenweit davon entfernt.

Lesetipp: Peter Carey. Das schnellste Rennen ihres Lebens. 464 Seiten, 24,70 Euro.

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