In der Woche der Nobelpreisvergabe stehen für gewöhnlich außergewöhnliche Forschungsergebnisse im Fokus. So gesehen, ist die arte-Dokumentation „Das Geheimnis der Hieroglyphen“ perfekt am Ende des Vergabereigens platziert.
Denn dem Franzosen Jean-François Champollion (1790-1832) gelang im September 1822, also vor 200 Jahren, ebenso ein wahrer Geniestreich. Im Dachgeschoss einer Wohnung in Grenoble schaffte er als erster, woran einige der wichtigsten Gelehrten seiner Zeit fieberhaft forschten: Er konnte eines der größen Rätsel der Menschheitsgeschichte lösen, indem er den richtigen Schlüssel zur Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen fand.
Bis zu diesem Zeitpunkt musste eine der mächtigsten Hochkulturen der Welt schweigen. Niemand vor Champollion war in der Lage, die Hieroglyphen zu entziffern. Und das bei einer Kultur, die wie keine vor ihr größten Wert auf Schrift und Beamtenschaft gelegt hatte.

Die eineinhalbstündige Doku ist aber weit mehr als nur die Nacherzählung dieses Geniestreichs, sondern sie ist auch die Geschichte zweier Brüder und eine Geschichte über die lebensverändernde Eigenschaft von Bildung: Jean-François Champollion kam als eines von fünf Kindern zur Welt. Die Mutter war Analphabetin, die Erziehung übernahm sein älterer Bruder Jacques-Joseph, der ihn zeit seines Lebens unterstützte, seinen Bildungshunger stillte und so ein Studium ermöglichte.
Der Fund des berühmten Steins von Rosette 1799 im westlichen Nildelta lieferte jenes Werkzeug, mit dem Champollion über zwei Jahrzehnte später die Hieroglyphen übersetzen konnte: Auf dem Stein war ein und derselbe Text in drei verschiedenen Sprachen geschrieben – in Hieroglyphen, Demotisch und Griechisch. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten schaffte es der sprachbegabte Franzose, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Jahre später wird es ihn selbst nach Ägypten verschlagen. In Abu Simbel wird sich seine Theorie eindrucksvoll bestätigten, viele der Wandtexte können so zum ersten Mal wieder entziffert werden. Champollion legte damit nicht weniger als den Grundstein für die Ägyptologie. Aber nicht nur die Entdeckung der Hieroglyphen feiert im Herbst ein Jubiläum: Anfang November vor 100 Jahren fand der britische Archäologe Howard Carter das berühmte Grab von Pharao Tutanchamun im Tal der Könige. Eine Sensation, denn im Gegensatz zu anderen geplünderten Pharaonengräbern fand man hier noch 5000 intakte Objekte, darunter die berühmte goldene Totenmaske. Schon jetzt zum Notieren: Zum 100-jährigen Jubiläum steht der 5. November auf arte dann ganz im Zeichen Ägyptens.
„Das Geheimnis der Hieroglyphen“. 8. Oktober, 20.15 Uhr, arte, und in der Mediathek.