"Starke visuelle Reize" wirken auf die Besucher ein, bei empfindlichen Personen könnten diese Schwindel, Zuckungen oder gar epileptische Anfälle auslösen. Warnhinweise wie diese sieht man sonst meist nur bei riesigen Pop-Konzertproduktionen, Clubs und Discos oder Wasserrutschen mit speziellen Lichteffekten. Nun also auch am Folder zu "Mythos Mozart", der mit der Eintrittskarte in die Hand gedrückt wird.

"Mythos Mozart", das ist eine "multimediale und interaktive Erlebniswelt", in der Besucher in die Welt von Wolfgang Amadeus Mozart eintauchen sollen. Just an dem Ort, an dem der Komponist 1791 starb, führt heute eine Treppe ins Untergeschoß des Kaufhauses "Steffl" in der Wiener Kärntner Straße. Vor mehr als 200 Jahren stand hier noch das "Kleine Kayserhaus" - der letzte Wohnsitz Mozarts. Am Freitag eröffnet die Installation.

Räume sollen selbst erzählen

Die fünf Räume von "Mythos Mozart" zu beschreiben, fällt schwer. Jeder einzelne davon setzt sich mit verschiedenen Mitteln der digitalen Kunst mit Mozart auseinander. Dabei sollen weder historische Fakten oder ein tiefes musikalisches Verständnis vermittelt werden, auf geschriebenen oder gesprochenen Text verzichtet "Mythos Mozart" voll und ganz. "Die Räume sollen selbst die Geschichte erzählen", sagt der künstlerische Leiter Christopher Widauer.

Es geht um ein Gefühl für das Phänomen Mozart: "Das Projekt soll jene an Mozart heranführen, die seine Musik noch nicht so kennen", sagt der musikalische Leiter des Projekts Walter Werzowa, der auch die Musik eigens arrangiert und mit Studierenden der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien aufgenommen hat: "Die Arrangements sind nicht so komplex wie die Musik Mozarts, aber mit viel Respekt, Spaß und viel Musikalität eingespielt worden", sagt Werzowa.

Installation in "Mythos Mozart"
Im letzten Raum generiert eine künstliche Intelligenz aus einem riesigen Datensatz ein audiovisuelles Kunstwerk.
© Mythos Mozart / Refik Anadol

1.500 Kerzen und 45 Laufmeter Leinwand

Der knapp einstündige Rundgang beginnt mit dem Tod Mozarts und Ausschnitten aus seinem Requiem, dem im Schein von 1.500 LED-Kerzen gelauscht wird. Weiter geht es mit einer Tour durch das Wien des 18. Jahrhunderts, das mit aufwändigen Animationen auf 45 Laufmeter Leinwand in 360 Grad projiziert wird, und einem Raum, der der "Kleinen Nachtmusik" gewidmet ist. Durch das Spiel mit außergewöhnlichen Instrumenten soll die Schönheit der Melodie hervorgehoben werden. Nach einem Blick in Mozarts Gehirn ist der letzte Raum eine Installation, in der eine künstliche Intelligenz aus tausenden Aufnahmen, Videos und Briefen ein neues audiovisuelles Kunstwerk generiert.

Hinter dem Projekt stehen der Villacher Unternehmer und Eigentümer des Hauses, Hans Schmid, sowie Hans Gasser als Geschäftsführer von "Mythos Mozart". Schon seit fast zwanzig Jahren wollte Schmid etwas zum Thema Mozart in diesem Haus errichten, sagte dessen Neffe und Geschäftsführer des "Steffl Department Store", Freddy Schmid, bei der Projektpräsentation. Elf Millionen Euro wurden in das Projekt investiert, vom Umbau des gesamten Untergeschoßes bis zu den technischen Feinheiten wurde knapp elf Monate am "Mythos Mozart" gebaut.