DOWNTON ABBEY II: EINE NEUE ÄRA
Bewertung: **

Ende der 1920er-Jahre hält das titelgebende Schloss als Kulisse für die Stummfilmproduktion "The Gambler" her. Dessen netter Titelheld Guy Dexter (Dominic West) und die schwierige Stummfilmdiva Myrna Dalgleish (Laura Haddock) bringen einen Hauch Klassenmobilität in die Adelswelt. Doch weil das adelige Serien- und nun Sequelpersonal von den vulgären Filmmenschen befremdet ist und auch narrativ im Weg steht, wird das Gros der Familie nach Südfrankreich verschifft. Dort hat die Countess-Oma (gelangweilt: Maggie Smith) eine Villa von einem einstigen Techtelmechtel geerbt. Weltwirtschaftskrise und wilde 20er finden jenseits der Aristokratie statt. Am Ende ist alles beim Alten mit der neuen Generation.
Marian Wilhelm

RABIYE KURNAZ GEGEN GEORGE W. BUSH
Bewertung: ***

2002 wurde der Deutschtürke Murat Kurnaz festgenommen und ins berüchtigte Gefangenenlager Guantánamo überbracht. Vier Jahre musste er absitzen, ohne rechtliche Grundlage. Andreas Dresen ("Gundermann") hat der stillen Heldin der Geschichte ein Denkmal gesetzt: Murats Mutter Rabiye. Die bescheidene Hausfrau (imposant: Comedian Meltem Kaptan) kämpft mehrere Jahre für die Freilassung ihres Sohnes. Stets an ihrer Seite: Strafverteidiger Bernhard Docke (Alexander Scheer). Ob der quirlige Erzählansatz angemessen ist, um die politischen Abgründe zu beleuchten, darf infrage gestellt werden. Das mühelos charmante Spiel der Hauptdarstellerin macht dramaturgische Schwächen verzeihbar.
Christian Pogatetz

RIVER
Bewertung: ***

Begleitet von orchestralen Klängen und einem eindringlichen Voiceover von Willem Dafoe erforscht der Dokumentarfilm "River" von Jennifer Peedom diese einst gottgleich behandelten Naturgewalten. Heute haben Flüsse an Wertigkeit verloren, Dämme verhindern das freie Fließen der Gewässer. Das dokumentarische Experiment ist kein moralisierendes Lehrvideo. In erster Linie ist Peedoms Film eine sinnliche Seherfahrung, die stellenweise etwas zäh sein mag, doch mit bildgewaltigen Drohnenaufnahmen zum ästhetischen Hochgenuss verführt.
Christian Pogatetz

DIE ODYSSEE
Bewertung: ****

Animationsfilmerin Florence Miailhe bedient sich in ihrem Debüt einer innovativen Technik, die erstmals im Kino zum Einsatz kommt. Die atemberaubenden und erschütternden Bilder wurden mit Ölfarben auf Glas gemalt. Im Kern wird eine universelle Geschichte über Flüchtende erzählt, die sich weder zeitlich noch örtlich zuordnen lässt. Das Aufkommen einer faschistischen Organisation veranlasst einige Menschen dazu, ihre Heimat preiszugeben. Auch Kyona und ihr kleiner Bruder Adriel müssen ihre Familie im Stich lassen.
Christian Pogatetz

WOLKE UNTERM DACH
Bewertung: **

Vor nicht allzu langer Zeit war Paul (Frederick Lau) noch glücklich
verheiratet. Als Julia (Hannah Herzsprung) völlig unerwartet an einer Hirnblutung verstirbt, wird der Pfleger auf eine harte Probe gestellt. Nun muss er sich um die gemeinsame Tochter Lily (Romy Schroeder) kümmern. Während er nach außen hin die Ruhe bewahren möchte, droht er an der Trauer zu zerbrechen. Das von realen Erlebnissen inspirierte Melodrama vermischt massenkonformen Wohlfühlkitsch mit einem Hauch Fantastik. Trotz guter Intentionen und einer soliden Besetzung lässt die maue Umsetzung von Alain Gsponer zu wünschen übrig.
Christian Pogatetz

LA FRACTURE – IN DEN BESTEN HÄNDEN
Bewertung: ****

Wütende, verzweifelte nächtliche SMS von der einen Bettseite an die Person auf der anderen Bettseite. Sagen wir so: Die Beziehung zwischen Raf (Valeria Bruni-Tedeschi) und Julie (Marina Foïs) war auch schon einmal harmonischer. Julie will sich trennen, Raf läuft ihr hinterher, stürzt und verletzt sich am Ellbogen.
Von den kleinen und gröberen Verletzungen des Lebens bis hin zu den großen gesellschaftspolitischen Brüchen spannt die französische Filmemacherin Catherine Corsini den Bogen in ihrem in Cannes uraufgeführten Krankenhaus-Kammerspiel "La Fracture", das mit "In den besten Händen" weichgespült ins Deutsche übersetzt wurde. Sie lässt darin die Bourgeoisie auf die Arbeiterklasse prallen: im hektischen Setting einer überlasteten Notaufnahme in Paris. Mehr dazu in Julia Schafferhofes Kritik zum "Film der Woche".