Keine Angst vor Experimenten hat die junge Chemikerin Elizabeth Zott. Doch die kluge und engagierte Wissenschaftlerin scheitert immer wieder an der akademischen Männerwelt der 1960er Jahre in den USA. Da werden ihre Forschungsergebnisse unter den Namen männlicher Kollegen veröffentlicht, und als sie sich den Annäherungen ihres Doktorvaters widersetzt und er sie schließlich vergewaltigt, war’s das mit der Promotion.

Doch im brillanten, aber eigenbrötlerischen Calvin Evans findet sie einen Seelenverwandten, mit dem die Chemie stimmt. Das Glück währt nicht lange. Als sie schwanger und arbeitslos wird, baut sie ihre Küche zum Labor um, in das ihre ehemaligen Kollegen verschämt pilgern, um sich Rat zu holen.

Landesweit bekannt wird sie allerdings erst mit ihrer TV-Sendung "Essen um sechs", in der sie unkonventionell die Hausfrauen und Mütter ermutigt, im Laborkittel vor die Kamera tritt und erklärt, welche chemischen Prozesse zum Kochen gehören: "Viele glauben, Spinat gibt uns Kraft, weil er fast so viel Eisen enthält wie Fleisch. Doch in Wahrheit hat Spinat eine hohe Oxalsäurekonzentration, was die Eisenaufnahme hemmt. Wenn Popeye also behauptet, Spinat würde ihn stark machen, glauben Sie ihm kein Wort."

Übersetzt in mehr als 35 Sprachen ist "Eine Frage der Chemie" das Debüt der über sechzigjährigen Kreativdirektorin Bonnie Garmus ein Überraschungserfolg (Übersetzung: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann). Humorvoll und rührend fordert ihre Heldin Frauen auf, ihr Leben in die Hand zu nehmen: "Haben Sie keine Angst vor Experimenten!" Und an die Familien gerichtet: "Kinder, deckt den Tisch. Eure Mutter braucht einen Moment für sich."

Buchtipp. Bonnie Garmus. Eine Frage der Chemie.
Piper Verlag, 460 Seiten, 22,70 Euro.

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