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Egyd Gstättner denkt querWenn der Vater mit dem Sohne oder: Blumen des Guten

"Die erinnern uns an die Menschen, die gestorben sind. Die Blumen und Kerzen sind da, um uns zu beschützen." Egyd Gstättner macht sich Gedanken über in den letzten Jahren verübte Anschläge.

© APA/HELMUT FOHRINGER
 

"Do you understand what happened? Do you understand why those people did that?“ Ein Vater erklärt seinem Sohn in Paris die Anschläge von Paris vom 15. November 2015. „Die haben Pistolen, aber wir haben Blumen!“ „Das sind sehr böse Menschen“, sagt der Bub. „Die Bösewichte haben Pistolen, die können uns erschießen!“ „Die haben Pistolen, aber wir haben Blumen“, entgegnet der Vater. „Aber Blumen helfen nicht!“, meint der Sohn. „Selbstverständlich tun sie das“, sagt der Vater: „Schau, alle legen Blumen hin. Damit bekämpft man die Pistolen.“
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22. März 2016, in Brüssel legen weinende Menschen Blumen nieder, zünden Kerzen an. (35 Tote, 300 Verletzte.) Das nächtliche Brandenburger Tor erstrahlt in den belgischen Nationalfarben. Ein Vater erklärt dem Sohn: „Die haben Bomben, aber wir haben Blumen!“„Aber was ist mit den Kerzen?“, fragt der Sohn. „Die erinnern uns an die Menschen, die gestorben sind. Die Blumen und Kerzen sind da, um uns zu beschützen“, sagt der Vater.
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14. Juli 2016, Nizza. Menschen, Blumen, Kerzen. (86 Tote, 300 Verletzte.) Brandenburger Tor in den französischen Nationalfarben. Vater zum Sohn: „Die haben Lastwägen. Aber wir haben Blumen!“
19. Dezember 2016, Berlin, Weihnachtsmarkt, Menschen, Blumen, Kerzen. (11 Tote, 55 Schwerverletzte.) Brandenburger Tor im deutschen Schwarz-Rot-Gold. Vater zum Sohn: „Die haben Lastwägen. Aber wir haben Blumen!“
22. März 2017, London, Westminster Bridge. Menschen, Blumen, Kerzen. (6 Tote, 40 Verletzte.) Brandenburger Tor als Union Jack. Vater zum Sohn: „Die haben Lastwägen. Aber wir haben Blumen!“
7. April 2017, Stockholm. (5 Tote, 15 Verletzte.) Brandenburger Tor in Blau-Gelb. Vater: „… aber wir haben Blumen!“
22. Mai 2017, Manchester, Menschen, Blumen, Kerzen. (23 Tote, 116 Verletzte.) Brandenburger Tor: Union Jack; Vater zu Sohn: „Die haben Bomben, wir Blumen!“
17. August 2017, Barcelona. (13 Tote, 50 Verletzte, das Brandenburger Tor in Rot-Gelb.)
11. Dezember 2018, Straßburg, Weihnachtsmarkt. (3 Tote, 14 Verletzte, Blumen ...)
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„Do you understand what happened?“ Ein Vater erklärt dem Sohn die Anschläge von Straßburg vom 11. Dezember 2018. „Die haben Lastwägen und Messer, aber wir haben Blumen! Die Blumen und Kerzen sind dazu da, uns zu beschützen.“ „Du Papa“, sagt der Sohn, „ganz ehrlich gestanden, ich möchte auch lieber ein böser Mensch werden!“
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5. Dezember 2020, Wien, Schwedenplatz. Vater und Sohn kommen vom Covid-19-Massentest, passieren Blumen und Kerzen. Sohn: „War das Brandenburger Tor heuer rotweiß-rot?“ Vater (zuckt mit der Schulter): „Ich bin positiv. Ich muss in Quarantäne. Das ist negativ. Negativ wäre besser gewesen.“ Sohn: „Weißt’, was positiv ist, Papa? Es gibt heuer keine Weihnachtsmärkte!“ Vater: „Ja, eh.“

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