Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

AdventessayAntonio Fian: Einmal werden wir noch wach

Was tun, wenn in diesen Tagen jemand vor der Tür steht, der das Christkind sein könnte? Die Polizei rufen, die rätselhafte Erscheinung ignorieren oder ein Weihnachtslied singen? Ein Advent-Essay von Antonio Fian zum Zitat des Propheten Malechi "Doch wer erträgt den Tag, an dem er kommt?"

© Illustration Krammer
 

Marlene hatte Bratäpfel gemacht, wie jeden Adventsonntagabend. Es war eine Tradition, wir hatten sie schon gepflegt, bevor Luise zur Welt gekommen war, und seit wir eine Familie waren, war sie uns noch wichtiger geworden. Die Äpfel wurden auf den Tisch gestellt und verbreiteten einen Duft von Behaglichkeit, wir zündeten am Kranz die Kerzen an, nahmen uns an den Händen, und – eine Neuerung seit vergangenem Jahr – Luise sagte ihr Gedicht: „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt“, leierte sie, „erst brennen zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür.“ Sie liebte es, das Gedicht aufzusagen, manchmal wiederholte sie es drei oder vier Mal, und immer mussten wir applaudieren. Meist, auch diesmal, verlangte sie, dass danach noch gemeinsam ein Lied gesungen wurde, „Morgen, Kinder, wird’s was geben“, und war erst dazu zu bringen, ihren Apfel zu essen, wenn Marlene ihr drohte, sie müsse sonst hungrig schlafen gehen.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!
Kommentieren