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Kultur-LockdownStimmung in der Subkultur inzwischen "labil"

Letzten Freitag verkündete die Bundesregierung ein umfangreiches Hilfspaket für die vom Lockdown 2.0 schwer getroffene Kulturszene. Eine Woche später steht fest, die entsprechende Verordnung hat Lücken.

Im Flex am Donaukanal finden derzeit keine Konzerte oder Clubkultur-Veranstaltungen statt. © (c) APA/HERBERT P. OCZERET
 

Die Wiener Stadthalle ist um diese Jahreszeit normalerweise regelmäßig ausverkauft, der Herbst ist Konzert-Hochsaison. Auch die Clubszene der Stadt würde jetzt pulsieren. Leute würden sich nach Konzerten bei einem Getränk über die Musik unterhalten, Merch kaufen, Freunden von der gesehenen Band erzählen. Aber in den zahlreichen Venues bleibt es derzeit erneut still. Um die finanziellen Verluste abzufedern, stellte Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) vergangene Woche Hilfen in der Höhe von 200 Millionen Euro in Aussicht. Außerdem soll es auch für Kulturbetriebe für die Zeit des zweiten Lockdowns einen 80-Prozent-Umsatz-Ersatz geben. Die Gelder sollen rasch und unbürokratisch fließen und niemand soll durch das engmaschige Sicherheitsnetz fallen, so das Ziel.

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Sicherheitsnetz mit Lücken

Die Realität sieht derzeit aber noch anders aus, sagt der Chef des Wiener Labels „Ink Music“ Hannes Tschürtz: „Gestern wurde uns gesagt, dass die zu Ink Music gehörende Ticketing-Firma ‚Entry‘ trotz hundertprozentigem Ausfall keinen Anspruch auf den 80-Prozent-Umsatz-Ersatz hat. Es fehlt das Verständnis der Politik für Hybridbetriebe wie uns.“ Tatsächlich hängen am Veranstaltungsbetrieb auch Labels, Agenturen, Event-Ausstatter, Musikverlage, Booking, Management, Kuratoren, Marketing, Make-up-Artists, Verwaltung, Technik, Ticketing, Security, Vermittlung, Kommunikation etc. mit starken bis vollkommenen Umsatzeinbußen. Die momentane Verordnung sei noch nicht weit genug definiert und soll bald nachgeschärft werden, heißt es aus dem Finanzministerium. Immerhin.

3 Millionen für Clubkultur

Den Wunsch nach klaren Förderrichtlinien im Sinne einer besseren Planbarkeit kommt auch von der Interessenvertretung Vienna Club Commission. Sie traf sich gestern Abend zu einem Online-Vernetzungstreffen, bei dem es vor allem um die Clubkulturförderung der Stadt ging. Ab 15. November können Clubs bei der Wiener Wirtschaftsagentur Programme einreichen und um eine Förderung in der Höhe von 5.000 bis maximal 30.000 Euro ansuchen. Insgesamt schüttet die Stadt drei Millionen Euro an Clubförderung aus. Damit will man Kulturschaffende „ergänzend unterstützen“, heißt es aus dem Büro der Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ). Schon vor der Angelobung der neuen Stadtregierung, die voraussichtlich am 24. November stattfinden soll, gibt es außerdem das Bekenntnis, „die Förderungen samt den Erhöhungen aus dem Vorjahr zu hundert Prozent fortzusetzen".

Enormer immaterieller Schaden

Dass der finanzielle Schaden abgefangen wird, ist wichtig. Der Kulturstillstand bringt aber noch weitere Folgeerscheinungen mit sich: In der Clubszene fehlt schlichtweg der kulturelle Austausch mit Gleichgesinnten und ein „Safe Space“ für marginalisierte Gruppen. Künstlerinnen und Künstler, die derzeit noch nicht von der Musik leben können, werden in andere Jobs gedrängt. Wenn zu wenig Geld für ein neues Album da ist, kann auch nichts verkauft und nicht getourt werden. „Diese Kreislaufwirtschaft ist schwer zu durchbrechen“, sagt Tschürtz. Viel künstlerisches Potential gehe verloren. Sich jetzt ohne Live-Auftritte einen Namen zu machen, ist außerdem praktisch unmöglich. Mundpropaganda nach einem Live-Erlebnis ist essentiell, um Fans, Streams und möglicherweise auch neue Bookings zu generieren. „All das ist in keinem dieser Umsatzentschädigungen abzubilden“, sagt Tschürtz. Nicht zuletzt schlage sich die Gesamtsituation auch auf das Gemüt vieler Künstlerinnen und Künstler: „Du merkst schon, dass sich die Labilität gesteigert hat.“

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