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Erhöhte FörderungenStadt Wien legt "Wiener Großbühnen-Sanierungspaket" vor

Die Stadt Wien erhöht die Sockelförderungen für das Theater in der Josefstadt, das Volkstheater und das Theater der Jugend. Ein "Wiener Großbühnen-Sanierungspaket" wird am Dienstag im Kulturausschuss behandelt und soll bei der Gemeinderatssitzung am 24. Juni beschlossen werden. "Wir legen vor, was zu tun ist", sagt Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) und hofft, dass der Bund mitzieht.

Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) © APA
 

Konkret soll die jährliche Förderung der Stadt Wien für das Theater in der Josefstadt 2021 um 1,7 Mio. Euro auf 9,5 Mio. erhöht werden, im Volkstheater sind gegenüber früher 2 Mio. Euro zusätzlich eingeplant (auf 8,8 Mio.), im Theater der Jugend 0,9 Mio. (auf 5 Mio.).

Auch das Wiener Konzerthaus, das Klangforum Wien, die Jeunesse oder der Dschungel Wien werden bedacht. "Alle bekommen Erhöhungen, die längst fällig waren", so die Stadträtin im Gespräch mit der APA. "Vor allem die Josefstadt ist finanziell in einer ganz prekären Lage."

Kaup-Hasler, die von der zurückgetretenen Kunst- und Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) bereits eine Zusage über eine Bundes-Subventionserhöhung für das Volkstheater von einer Million Euro hatte, ist zuversichtlich, dass auch der Bund zu Mittelerhöhungen bereit ist. Sie sei diesbezüglich in guten Gesprächen mit der neuen Staatssekretärin Andrea Mayer. "Ich weiß, dass sie das richtig findet. Sie braucht jetzt Rückenwind. Sie braucht jetzt ein adäquates Budget." Es sei grundfalsch, dass Kunst- und Kultur derzeit mit bloß 0,6 Prozent des BIP gefördert würden. "Das führt zu multiplen Beschädigungen, die lange Zeit übertüncht wurden. Die Förderungen müssten mindestens ein Prozent des BIP erreichen."

Es brauche nicht nur ein klares Bekenntnis der gesamten Bundesregierung dazu - inklusive des Finanzministers und früheren Kulturministers Gernot Blümel (ÖVP) sowie des für Kultur zuständigen Vizekanzlers Werner Kogler (Grüne), die beide Lunacek alleine gelassen hätten -, sondern auch einen Rettungsschirm des Bundes, der nach Schweizer Vorbild die Einnahmenausfälle der Kulturszene auffangen müsste. Denn die Corona-Folgen sind in der heutigen Ausschussvorlage (mit Ausnahme der 4 Mio. Euro für das Spezialprogramm "Kultursommer 2020") noch gar nicht eingepreist. "Da sehe ich erst einmal klar den Bund in der Pflicht. Strategisch wird man das jedoch sicher nur gemeinsam stemmen können."

Einen weiteren langjährigen Missstand möchte man gemeinsam mit dem Bund beseitigen: Die durch kollektivvertragliche Erhöhungen an sich regelmäßig nötige Valorisierung der Subventionen soll kommen. Angestrebt wird alle drei Jahre eine Anpassung an den Index. "Ich kämpfe dafür!" Die voraussichtlichen coronabedingten Mehrkosten bei der Volkstheater-Sanierung sind noch nicht quantifiziert worden, doch klar scheint: "Da muss nachjustiert werden."

Der kurzfristig entwickelte "Kultursommer 2020" wird von einem rund zehnköpfigen Kuratorenteam "im Laufen" programmiert. "Hoffentlich werden wir Ende Juni die ersten zwei, drei Wochen bekanntgeben können", sagt Kaup-Hasler und versichert: "Das hat nichts mit Wahlkampf zu tun!" Wird sich die Stadträtin in den Wiener Wahlkampf einbringen? "Ich bin nach wie vor parteifrei, bin aber froh, dass meine Arbeit von der übrigen Stadtregierung zu 150 Prozent mitgetragen wird. Ich werde mich daher dafür einsetzen, dass diese Stadtregierung weiterarbeiten wird." Im übrigen habe sie auch kein Problem, für die von der Wiener SPÖ vertretenen Werte "einzustehen".

An dem derzeit vor allem zwischen Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und Sozialminister Peter Hacker (SPÖ) ausgetragenen parteipolitisch grundierten Bund-Wien-Match wolle sie sich nicht beteiligen, obwohl sie sehr darauf hofft, dass der Bund eine in den vergangenen Jahren immer größer gewordene Schieflage der Subventionen zahlreicher Theater korrigieren möge. "Seit ich hier bin, konzentriere ich mich aber nicht darauf, was die anderen falsch machen, sondern versuche, selbst etwas richtig zu machen. Das wird auch so bleiben."

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